Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1903
- Issue
- Ein Musterprozeß vom Ende des 19. Jahrhunderts.
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 Annahme hätte eben „bestanden". Die andern Verteidiger Sternbergs verwahren sich indessen lebhaft dagegen, für diese Vorgänge mit verantwortlich zu sein, obgleich Werthauer behauptet, er habe über alles auf Konferenzen Vortrag gehalten und sei bloß ausführendes Organ gewesen. Die Agentin Plato hat mit Werthauer wie mit Luppa in Verbindung gestanden. Das Gnadengesuch, das der Bankier Behrens einreichen sollte, kam aus dem Werthauerschen Bureau und ist nach Aussage des Bureauvorstehers wahrscheinlich von Werthauer, vielleicht auch von Luppa diktiert worden. Werthauer sucht den Zusammenhang möglichst zu verschleiern. Der Kaufmann Arndt wurde von der Platho wegen seiner „hohen Verbindungen" in der Begnadigungsfrage zu Werthauer geschickt und bekundete, daß Werthauer ihm sagte, er möchte sich doch, wenn er so gute Beziehungen hätte, an die Oberstaatsanwälte Wachler und Jsenbiel heranmachen und dafür sorgen, daß durch die Revision die Sache in die Vorinstanz zurückkäme und daß Staatsanwalt Or. Romen beseitigt werde. Arndt bekundet auch, Zeuge gewesen zu sein, wie man in Werthauers Bureau versucht habe, auf Fräulein Pfeffer einzuwirken. Diese war nämlich im Besitz eines für Sternberg schwer belastenden Briefes,, der während des Prozesses bei ihr beschlagnahmt wurde und auf den im Urteil (s. dieses) Bezug genommen ist. Durch die Agenten Suchardt und Poppe waren ihr beträchtliche Summen, zusammen 3 bis 6000 Mark, für diesen Brief geboten worden. Schließlich, als sie alles ablehnte, bewog man sie, mit dem Rechtsanwalt Modler über die Sache zu sprechen. Dieser setzte sich mit Werthauer in Verbindung und Werthauers Benehmen ließ erkennen, daß er nicht abgeneigt gewesen wäre, den Brief zu erwerben. Auch in diesem Falle wird Werthauer von den Mitverteidigern desavouiert. — Einmal ist die Pfeffer auch bei Werthauer gewesen. Da hat er ihr nahegelegt, mit Sternberg Frieden zu machen, und, ganz wie früher die zu ihr geschickten Agenten auf Sternbergs unbegrenzte Dankbarkeit hingewiesen, wenn sie von ihrer Gehässigkeit abließe. Schließlich hat er gefragt, ob es ihr nicht möglich sei. „auf seine Seite überzugehen". Werthauer erklärte nach dieser Aussage, es sei möglich, daß er sich „populär" ausgedrückt hätte. Auffallend ist es auch, daß. nachdem alle diese Dinge schon festgestellt waren, ein Zusammentreffen zwischen Werthauer und der Zeugin Fischer am 15. Dezember in dessen Bureau stattfand, das nach Werthauers Angabe einer Erörterung von Rechtsfragen galt, die sich auf ihre Möbel usw. bezogen. Wäre es nicht taktvoller und — klüger gewesen, wenn Werthauer überhaupt jede Zusammenkunft mit dieser Zeugin abgelehnt hätte? Justizrat Dr. Sello, gleichfalls Verteidiger Sternbergs, hat dem Detektiv-Direkor Schultze 50 000 Mark Extra-Honorar „für den Fall eines Erfolges", d. h. der Freisprechung, zugesichert, wie es scheint schon vor dem ersten Prozesse. Sehr treffend bemerkt dazu der Staatsanwalt, daß dies Versprechen selbst auf einen einwandsfreien Mann verheerend wirken und zur Anwendung unlauterer Mittel führen würde, wie viel mehr bei Schultze, der „anrüchig bis in die Knochen" gewesen sei. — Weiter hat Sello zugegeben, daß er einen Brief der Miller an Sternberg in dessen Auftrag geöffnet habe, während er ihn uneröffnet dem Vorsitzenden hätte übergeben müssen. Das Befremdlichste aber war, daß Sello nach den Aussagen Thiels seit Anfang März darum gewußt haben soll, daß dieser Kriminal-Kommissar für die Sternberg-Partei thätig sei. Thiel gab darüber Folgendes an: Er sei mit Luppa zusammen bei Sello . gewesen an einem Sonntage anfangs März. Luppa hätte ihn