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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1903-01-01 · Ein Musterprozeß vom Ende des 19. Jahrhunderts. · p. Seite 11

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1903
Issue
Ein Musterprozeß vom Ende des 19. Jahrhunderts.
Date
1903-01-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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11 Hauses seit 10 Jahren. Er hat sich bemüht, SLernberg freundliche Artikel in die Zeitungen zu bringen; über den Gang der Untersuchung sei er durch Luppa und einen gewissen Münchhausen auf dem Laufenden erhalten worden. Nach der vorstehenden Aufzählung kann man es wohl begreifen, wenn der Staatsanwaltschaftsrat Romen, der die Anklagebehörde im ersten Prozeß vertrat als Zeuge vernommen, aussagte: Es seien viele, in den Annalen der Strafrechtspflege noch nicht dagewesene Verdunkelungsversuche gemacht worden; überall sei er auf Sternbergs Geld gestoßen. Wegen erwiesener Begünstigung seien in den ersten Verhandlungen 16 Personen unbeeidigt geblieben. Dann ist es nur verwunderlich, daß man nichts von Erhebung der Anklage gegen diese 16 Personen gehört hat. — Als am 14. Dezember die Verteidiger die Vertagung des Prozesses bis zum Abschluß der inzwischen eröffneten Untersuchungen wegen Zeugenbeeinflussung beantragen, antwortet ihnen der Vorsitzende: das würde zur Folge haben, daß der Prozeß nimmermehr zu Ende käme, denn es sei ihm ganz klar, daß man noch lange nicht am Ende der Verhaftungen angekommen sei. Und der Staatsanwalt bekundete die gleiche Ueberzeugung. Aber die Agenten der Sternberg-Partei waren auch in Amerika thätig. Sie suchten dort die Kupplerin Fischer-Miller auf und suchten von ihr eine Erklärung zu Gunsten Sternbergs zu erwirken. Sie hat auch wirklich eine von Dr. Fritz Friedmann aufgesetzte eidesstattliche Versicherung zu Gunsten Sternbergs vor dem Notar Kempner in New-Dork unterschrieben, gleichzeitig aber auch eine gegenteilige, Sternberg belastende eidesstattliche Versicherung, deren Text von Eugen Friedmann, dem Vetter Fritz Friedmanns, herrührte. Sie sagt, daß Eugen Friedmann mit der belastenden Versicherung hätte nach Berlin fahren und sie der Verteidigung zum Kaufe anbieten wollen. Er hätte auf 20- bis 25 000 Mark gerechnet. Die Agentin Suchardt wird von dem schon erwähnten Ebstein-Silz aufgefordert, nach Amerika zu reisen, um die eidesstattliche Versicherung von der Margarethe Fischer zu erwirken. Sie bringt von drüben die Auguste Wender, die gleichfalls nach Amerika abgeschoben war, mit zurück. Es waren der Suchardt große Versprechungen für ihre Leistungen gemacht worden, die aber nur zum Teil erfüllt wurden. Nun müssen wir uns noch mit zwei Agentinnen jüdischen Stammes beschäftigen, die besonders interessant sind, einem Fräulein Platho, Besitzerin eines Bankgeschäftes Unter den Linden 16 und einer verwittweten Regierungsrätin Frau v. Gräfe. Auf die Thätigkeit dieser Agentinnen wurde die Aufmerksamkeit durch einen Artikel gelenkt, der am 28. November in der „Staatsbürger-Zeitung" erschien. Er war veranlaßt durch einen Kaufmann Arndt, den die Platho für Sternberg zu interessieren versucht hatte. Arndt sollte die Vermittlung des Bankiers Fritz Behrens für die Begnadigung Sternbergs zu erwirken suchen. Behrens stand im Ruse, als Vorsitzender der freiwilligen Sanitätskolonnen „hohe Beziehungen" zu haben, und lehnte nach Arndts Aussage auch nicht unbedingt ab; er forderte'nur, daß man ihn über die Sache genau unterrichten sollte. Im Prozeß gegen Arndt und die Platho sagte er von sich selbst aus, „daß er wohlthätigen Zwecken diene"; er ist getaufter Jude. („Staatsb.-Ztg." 17. Januar 1901). Die Platho versuchte aber auch, Beziehungen zur Staatsanwaltschaft und sogar, während die Sache in der Revisions- Instanz war, zu Reichsgerichtsräten anzuknüpfen, wie folgender von der „Staatsb. Ztg." vom 3. Dezeryber 1900 veröffentlichter Brief beweist: CH., d. 29. 6. 00. Lieber Herr Arndt! Können Sie morgen früh ermitteln, ob Herr F. B. einen folgender'Reichsgerichtsräte kennt und mir eventl. eine Empfehlung an einen derselben mitgiebt: Vors. v. Bülow, Schmalz, Böttrich,

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