Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1903
- Issue
- Ein Musterprozeß vom Ende des 19. Jahrhunderts.
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 Woyda als Lügnerin hinzustellen; für die erste gute Nachricht sollte sie ein paar hundert Mark bekommen, später würde es Tausende geben. Sehr thätig scheint der Jnseraten-Agent Wolfs gewesen zu sein. Er hat Reisen gemacht und im ganzen wohl 3000 Mark erhalten. Seine Ausgabe war nach seiner eigenen Angabe, das gegen Sternberg geschmiedete „Komplott" zu enthüllen. Er hat sich an Blümke herangemacht und ihm von Begründung eines Konfektionsgeschäfts und 15 000 Mark gesprochen, ihn auch dreimal ins Theater geschickt. Er setzt seinerseits die Zeugen Wißmann und Häusler in Bewegung, die sich an die Angehörigen der Woyda heranmachen müssen. Als die „Post" einen Sternberg ungünstigen Artikel bringt, versucht er auf Schultzes Veranlassung durch Bestechung vom Metteur des Blattes den Verfasser herauszubekommen. Er versucht mit seiner Frau, die 14jährige Slotkow auszuholen, und die Schnörwange bezeugt, daß Wolff zu ihr laut, daß es alle Anwesenden hören mutzten, gesagt habe, sie möchte die Wahrheit sagen, daß er aber leise hinzugesetzt habe, sie brauche ja den Angeklagten nicht zu kennen. Wolff arbeitete besonders mit der Obsthändlerin Stabs aus der Friedrichstraße zusammen, die ihm gegen Entgelt diejenigen jugendlichen Dirnen zusührte die etwas zur Sache aussagen konnten. Sie versichert, daß sie die Mädchen immer ermahnt habe, „die Wahrheit zu sagen." Diese Stabs hat u. a. anch die Zeugin Schnörwange beeinflußt: Wenn alles gut geht, würde sie „ihr gutes haben." An die Zeugin Pfeffer, Slernbergs ehemalige Haushälterin und Geliebte, machen sich Luppa und ein gewisser Direktor Poppe heran und bieten ihr für einen belastenden Brief der Fischer 1000 Mark. Diese Anerbietungen werden, nachdem sie abgelehnt sind, immer wieder gemacht und u. a. rät ihr die Suchardt, 3—5000 Mark für den Brief zu fordern. Neben den angeführten begegnen uns noch folgende Agenten: Ein Herr Ebstein-Silz, der verschwunden ist. Er scheint eine große Rolle gespielt zu haben und hat unter andern die Agentin Bieber veranlaßt, sich an die Schwester der Fischer heranzumachen. — Eine Frau Schönseld, die als Agentin des Detektivbureaus Vogt Recherchen anstellte; eine Frau Kother, die sich, um Beobachtungen anzustellen, in dem Hause einmieten mußte, wo Blümkes wohnten, auch sonst Reisen machte und über 3000 Mark bezogen haben dürste. Die Angeklagte Scheding, die sich an die Schwester der Woyda heranmachte, von allen Agentinnen der Partei wohl eine der harmlosesten, die viel weniger auf die Anklagebank gehörte als die meisten andern. Auch die Zeugin Hausmann hat sich zu Gunsten Sternbergs bemüht, indem sie dem Direktor Luppa, dem Haupt der ganzen Partei, die Nachricht hinterbrachte, daß die Callis auf der Polizei vernommen worden sei und Sternbergs Photogramm rekognosziert habe. Sie erwartete dafür eine Belohnung ging aber leer aus. Der Zeuge Kelbe sollte sich auf Häuslers Veranlassung an die Schwester der Woyda heranmachen. Zeuge Karl Munthe hatte sich „aus Freundschaft für den Angeklagten" in der Sache Fourna^on um Zurücknahme des Strafantrages, den die Eltern des Mädchens wegen Deflorierung gestellt hatten, bemüht. In gemeinsamer Beratung zwischen ihm, Sternberg und Luppa sei festgestellt worden, daß solche Bemühungen nicht unzulässig seien. Am 8. November wurde dem Gerichtshof ein junger Mann, ein Bote aus dem Luppaschen Bureau, vorgeführt, der schon mehrere Tage auf den Gerichtskorridoren oder vor dem Gerichtsgebäude befremdlichen Verkehr mit den Zeuginnen unterhalten hatte. Er beteuerte, daß er sich mit ihnen nur über gleichgiltige Dinge unterhalten habe. Der Schriftsteller, Zeuge Ludwig Ritters Haus, ist Freund des Sternbergschen