Mannheim
Compact Memory

Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1901-01-01 · Die nationalliberale Partei im Wahlkampfe. · p. Seite 204

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1901
Issue
Die nationalliberale Partei im Wahlkampfe.
Date
1901-01-01
Page
Seite 204 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/9038025-9038028-423323--469-185437
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

204 Das allerschlimmste aber, was sich je auf dem Gebiete der Wahlfälschungen Zugetragen hat, hat sich der national-liberale Bürgermeister Hetzel I und 5 Gemeinderäte im Dorfe Sand in Baden geleistet. Wir geben darüber der „Deutschen Volkswacht" (7. Dezember 1898) das Wort: ..Am Samstag 3. Dezember kam in Offenburg die national-liberale Wahlfälschungsgeschichte .in dem Dorfe Sand zur gerichtlichen Verhandlung. Der Bürgermeister Hetzel I und fünf Gemeinderäte von Sand waren beschuldigt. veranlaßt oder zugelassen zu haben, daß für 16 im Wahllokale nicht erschienene Wahlberechtigte von andern Personen auf den Namen des nationalliberalen Kandidaten Oberst a.D. Rheinau lautende Stimmzettel abgegeben wurden. Das genügte aber dem Borsitzenden der Wahlkommission, Hetzel, nicht, er hat nach einem Geständnis weitere 70 Rheinauzettel in die Urne geworfen und die notwendige Beurkundung vorgenommen. Die Angeschuldigten sind geständig, sie haben in der Voruntersuchung teilweise zugegeben, daß für mehrere nicht erschienene Wähler „auf Grund einer Entschließung des ganzen Wahlvorstandes" die Wahlzettel abgegeben wurden, weil die Wähler selbst durch die Heuernte abgehalten waren. Auf Befragen des Verteidigers, warum er die Zettel in die Urne geworfen habe, erklärte er, er habe für Kaiser und Reich eintreten wollen. Nach einstündiger Beratung wurde Hetzel zu zwei Monaten und die Beisitzer zu ein bis drei Wochen Gefängnis und den Kosten verurteilt." In der That eine recht saubere Art, Wahlerfolge zu erzielen! Eine recht beliebte Kampsesart ist bei den National-Liberalen die persönliche Verleumdung und Verdächtigung des betreffenden Gegenkandidaten. So bekam es der Abgeordnete Möller fertig, dem Abgeordneten vr. Hahn vorzuwerfen, („Deutsche Wacht" 6. März 1898.) er betriebe die politische Agitation nur als Geschäft. Auch das Wort vom „Geschäftsantisemitismus" ist den National-Liberalen geläufig. .Sie können die Antwort in den „Hamburger Nachrichten", jenem Blatte, das einst dem Fürsten Bismarck so nahe stand, Nachlesen. Diese kennzeichnen die Partei als „gehässig in der Wahlagitation" und sagen, daß ihr Eintreten für die preußische Kanalvorlage nur um des eigenen Vorteils willen geschehe. Das ist bitter! — Kann es wohl eine größere Dreistigkeitgeben, als wenn eine Partei, die doch notorisch die Interessen des Großhandels und der Industrie vertritt und davon lebt, einer anderen „Geschäftspolitik" vorwirft? — Derselbe Herr Abgeordnete Möller erlaubte es sich auch einmal, die Antisemiten als „Pestbeule" hinzustellen! Sehr geistreich! Bei den badischen Landtagswahlen von 1898 suchten die „gebildeten" Herren ferner, als keines ihrer Agitationsmittelchen mehr Erfolg hatte, den Kandidaten der Antisemiten, Mampel, als zu ungebildet lächerlich zu machen, allerdings ohne das gewünschte Resultat. Bei den Reichstagswahlen von 1898 wurde in dem Flugblatt des nationalliberalen Kandidaten Jebsen im Kreise Apenrade-Flensburg der vom Bund der Landwirte unterstützte antisemitische Gegenkandidat Raab als „bisher für den Bund der Landwirte unannehmbar" verdächtigt. Doch die Wähler werkten die Absicht und Herr Jebsen wurde verstimmt, als er seinem antisemitischen Gegner im Wahlkampfe unterlag. — Aus Hessen meldet der „Deutsche Volksbote" vom 4. November 1899 aus Anlaß der hessischen Landtagswahlen: „Aus dem hessischen Wahlkreis Nidda. Wir hatten geglaubt, den Wahlkampf in diesseitigem Kreise ohne alle persönlichen Angriffe führen zu können und haben dies auch Herrn Erk gegenüber in strengster Weise eingehalten. Leider haben wir uns in diesem Herrn getäuscht. Nach übereinstimmenden Berichten aus Fauerbach nnd Gelnhaar bestehen die „Reden" Erks wesentlich in persönlichen Angriffen auf seine Gegner. In Gelnhaar nannte er unseren Kandidaten Schuch Manschetten-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.