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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1901-01-01 · Die nationalliberale Partei im Wahlkampfe. · p. Seite 203

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1901
Issue
Die nationalliberale Partei im Wahlkampfe.
Date
1901-01-01
Page
Seite 203 (sequence 5)
Language
German
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203 schrieben worden. Dieser Umstand kam der nationalliberalen Partei sehr erwünscht, ihre Presse fiel sofort über jene Landräte her und verlangte von der Regierung ihre Maßregelung, weil in der Unterzeichnung des Wahlaufrufs durch die Landräte eine ungehörige Wahlbeeinflussung liege und weil der Aufruf nach seinem ganzen Inhalte geradezu eine Verhöhnung der Politik der Sammlung darstelle." Dazu bemerkt die „Tägliche Rundschau" vom 29. Januar 1898: „Der edle Eifer, die drei hannoverschen Landräte, die sich gestattet haben, über eine geeignete Wirtschaftspolitik des Reichs eine eigene Meinung zu äußern, mit irgend einem Denkzettel zu mahnen, findet in der „Post" keinen Anklang: „Es entspricht auch durchaus der Wahrheit nicht, wenn die „Nationalliberale Korrespondenz" behauptet, daß jener Aufruf und seine Unterzeichnung durch die genannten drei Landräte die Entrüstung aller nationalgesinnten Hannoveraner hervorgerufen habe. Man verwechselt hier national-liberal mit national-gesinnt. Der Nationalliberalismus hat zu einem guten Teile durch Verfehlungen auf wirtschaftspolitischem Gebiete das Monopol der nationalen Gesinnung auch in Hannover verloren, und die Unterzeichner des von der „Nationalliberalen Korrespondenz" bemängelten Aufrufs können zum großen Teile mit Recht für sich dasselbe Maß nationaler Gesinnung in Anspruch nehmen, wie die Nationalliberalen." Sie scheinen es gar nicht ungern zu sehen, wenn sich behördlicher Einfluß für sie gegen verhaßte Gegner geltend macht. So wurde im Kreise Wetzlar nach dem Siege des nationalliberalen Krämer die Giltigkeit der Wahl angefochten, weil zwei Landräte und viele Bürgermeister den Abgeordneten Krämer aufgestellt haben („Das Volk" 30. Juni 1898) und geradezu erschreckende Bilder von amtlicher Wahlmache und roher Vergewaltigung werden aus Anlaß des Protestes, der gegen die Wahl des nationalliberalen Abgeordneten Boltz-Saarbrücken erhoben wurde und der nicht weniger als 92 (!) Folioseiten umfaßte, von der „Bremer Bürger-Zeitung", 11. Mai 1900, entworfen. Danach wurden die nationalliberalen Zettel „alle dreiviertel Stunden auf andere Weise gefaltet und stets dem kontrollierenden Beamten, der sich im Wahllokal befand, ein Muster vorgelegt, mit dem Bedeuten: Die Zettel „seien jetzt so" gefaltet! Da wußten Meister die Arbeiter truppweise kontrollieren, ja die Direktoren der Stahlwerke selber hielten es ihrer nicht für unwürdig, „sich über die Leute zu bücken und, wie es im Protest heißt, in die noch nicht gefalteten Zettel zu blicken, welchem Gebaren die Arbeiter nicht entgegenzutreten wagten aus Furcht, ihr Brot zu verlieren!" Das ist die Art und Weise, wie nationalliberale Gewalthaber ihre Arbeiter einschüchtern: willst du nicht so wie wir, und Wenns auch gegen deine Ueberzeugung ist, dann fort mit dir, ins Elend mit Weib und Kind! Das ist die Art, wie diese Herren ihren „Besitz" gegenüber ihren Untergebenen bethätigen. das ist die Art wie nationalliberaler Zwang 4000 Stimmen, wie der Kommissionsbericht sagt, aufbringt, die sonst dem Gegner zugefallen wären! Und das ist die Art, so schließt die „Bremer Bürger-Zeitung", wie die nationalliberalen Stumm-Kulis „gewählt" werden! — Eine derbe, aber wohlverdiente Zurechtweisung. Uns sind aus eigenen Erfahrungen genug Fälle bekannt, wo man es ebenso machte; wir wollen nur an die Thatsache erinnern, daß während des Wahlkampfes im Kreise Aurich-Wittmund nationalliberale Vertrauensleute und Ortsschulzen antisemitische Versammlungen zu sprengen versuchten; daß ferner während des Wahlaktes aus dem Vorraum die antisemitischen Zettel stets und im Handumdrehen entwendet wurden und daß ganz genau kontrolliert wurde, daß auch ja jeder nationalliberale Zettel abgab! Nur immer hübsch fein und anständig, Herr vr. Flex!

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