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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1901-01-01 · Die nationalliberale Partei im Wahlkampfe. · p. Seite 202

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1901
Issue
Die nationalliberale Partei im Wahlkampfe.
Date
1901-01-01
Page
Seite 202 (sequence 4)
Language
German
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202 im Siegerlande kandidierte. Wie „anständig" die „gebildeten" Nationalliberalen hier den Kampf führten, geht aus folgenden Zeitungsnachrichten hervor: Ferner: Ebenda, 29. Juni 1898. „Die „ Sieg-Lahr-Zeitung " der Herren von Bildung und Besitz nannte Stöcker einen „Klopffechter", eine „Schande für die evangelische Kirche", eine „Kautschuknatur" u. dergl. m. Daß der Freisinn für den Stöcker- Gegner eintrat, war selbstverständlich. Der Herausgeber des freisinnigen Blattes trat am Stichwahltage eine siebenmonatliche Gefängnisstrafe an, nachdem-er noch durch wüstes Schimpfen seiner Partei . mehr geschadet als genützt. Daß Stöcker „auf die Stufe von Tingel-Tangel- Mädchen herabgesunken" sei und stets „mit einem Fuße im Zuchthause" stehe, das war so einer von den Kraftausdrücken, mit denen man versucht hatte. Stöcker aus den Herzen der Wähler zu reißen." „Das Volk", 9. Juli 1898. „Und dabei wurde et (Stöcker), diesmal wie noch nie, mit Schmutz beworfen, verleumdet und herabgesetzt, und eine Menge Flugblätter verbreitet, die nur persönlich ihn herabwürdigten, nie sachlich fast ihn bekämpften. Gelogen ist in diesem Wahlkampfe in den drei Kreisen Siegen, Dillenburg und Wetzlar, wie wir es noch nie erlebt haben! Daß das jegliche Autorität untergraben muß. wenn die Arbeiter es mit Fäusten greifen können, wie ihre Herren lügen, sich als Schützer von „Altar" und „Religion" aufspielen, während sie als völlig gleichgiltig oder unkirchlich vielfach bekannt und in diesem Punkte nicht besser als die Sozialdemokraten sind, liegt auf der Hand, und das ist auch eine Erklärung, warum an so manchen Orten die Sozialdemokratie zunimmt." Trotz aller dieser „feinen" Mittel gelangte Stöcker zum Siege, obwohl nationalliberale Arbeitgeber an Wahlbeeinflussungen das denkbar Möglichste leisteten. So berichtete „Das Volk" s24. November 1898), es sei festgestellt, „daß Arbeitgeber ihren Arbeitern liberale Stimmzettel gegeben haben, mit der Drohung, daß, wenn die Arbeiter Stöcker wählten und nicht Kreutz, sie ihre Entlassung zu gewärtigen hätten. Manche haben zugesügt, sie könnten dann ja sich von Stöcker beschäftigen lassen." „Stöcker wäre glänzend gewählt worden (der Unterschied bei der Stichwahl betrug nur wenige Stimmen. D. Verf.), wenn nicht an so vielen Orten — rühmliche Ausnahmen abgerechnet — die Arbeiter zur Wahl des liberalen Kandidaten aufgefordert und mit Kreutz-Stimmzetteln von ihren Vorgesetzten oder Vorgeschobenen versehen wären." Und doch beklagen diese Herren sich so oft über „gräflichen Einfluß" und „Landrätliche Beeinflussung", ja sie möchten am liebsten die schuldigen Beamten gleich exemplarisch bestraft wissen, wenn sie auch einmal ihre eigene, d. h. nicht nationalliberale Meinung haben und in diesem Falle kommt es auch auf eine kleine Denunziation nichts an, so z. B. in einem Falle in Hannover. Wir lassen hier wieder zwei Zeitungsausschnitte folgen: „Staatsbürger-Zeitung vom 27. Januar 1898": Im Reichstagswahlkreise Hildesheim hat der Bund der Landwirte im Verein mit den Konservativen den Hofbesitzer Feldmann als Kandidaten für die nächsten Reichstagswahlen aufgestellt. Der diesbezügliche Wahlaufruf wendet sich in scharfer Weise gegen das unzuverlässige Verhalten der Nationalliberalen und wirft ihnen vor, daß sie die Landwirtschaft und den Mittelstand dem Großkapital opferten. Dieser Aufruf war der nationalliberalen Partei um so unangenehmer, als ihr Besitzstand gerade in der Provinz Hannover gefährdet ist und sie deshalb den zukünftigen Wahlen nicht ohne Sorge entgegen-, sieht. Jener Aufruf des Bundes der Landwirte war nun auch von den drei Landräten Kirchner in Alfeld, von Rhaden in Gronau und Ueckert in Hildesheim unteri) Man vergleiche das Verhalten der nationalliberalen Presse bei der Maßregelung jener Landräte, die am 19. August 1899 gegen die Kanalvorlage stimmten.

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