Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Die nationalliberale Partei im Wahlkampfe.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 201 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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201 gehts in der bekannten Manier, die wir aus den Abwehrmilleilungen her kennen, weiter. Dann heißt es großmütig: „Wir reden nicht von den Leuß und „Genossen", die im Zuchthaus endeten. Schurken können sich in jede Partei einschlängeln!" (Ei, ei Herr nationalliberaler Artikelschreiber, sollten Sie diese Erfahrung vielleicht im eigenen Lager gemacht haben?) Als Kronzeugen werden die Herren v. Gerlach und H. G. Erdmannsdörfer mit seiner „fesselnden" Abhandlung genannt! Die Herren find einander wert! — Ja wenn man aber dann selber mal sich zu verteidigen hat: Da heißt es denn gleich: Die Antisemiten „erfrechen sich" persönlich zu werden und dann zeigt sich die nationalliberale „Bildung". Da wird dann frisch von der Leber heruntergeschimpft. In einem Flugblatt aus dem Kreise Norden-Emden-Leer heißt es: „Die Thalsache, daß die Mehrheit der Wähler trotz des gewaltigen gräflichen Einflusses Herrn Franzius zum Vertreter gewählt hat (1893) beweist mehr (!), als 100 schmutzige antisemitische Flugblätter, die den Kampf in der gemeinsten Weise führen! Und nun wagen es die Antisemiten, die Glaubwürdigkeit unserer Kandidaten anzuzweifeln und brüsten sich damit, daß zwei nüchterne Genossen schwören wollen! Ja das Schwören verstehen die Antisemiten meisterhaft! Nur jammerschade, daß sie so häufig falsch schwören. Die Meineide sind bei ihnen anscheinend eine billige Ware! Leuß!!! Doch Schwamm drüber, wer Pech anfaßl, besudelt sich!! Einer vom Mittelstände." (?) Nun Herr vr. Flex, wie gefällt Ihnen der Anstand? — Auch im Kreise Wittmund-Aurich hieß es bei der Nachwahl 1900, wenn nichts mehr zog: „die Antisemiten schwören Meineide! Was würden nun die Herren sagen, wenn wir nach diesem Muster folgende Sätze aufstellten: 1. Die Nationalliberalen werden wegen fortgesetzten Verstoßes gegen das Nahrungsmittelgesetz mit Gefängnis bestraft. (Mohr.) 2. Die Nationalliberalen flicken Schienen und gefährden durch solchen Betrug des Fiskus das Leben von hunderten von Reisenden. (Prozeß Bahre-Fußangel.) 3. Die Nationalliberalen benutzen ihre Stellung als Abgeordnete zu eigennützigen Zwecken. (Abgeordneter vom Heede.) Ueber diesen berichtete die „Deutsche Volkswacht", 27. März 1895: Der nationalliberale Landtagsabgeordnete vom Heede, welcher bekanntlich im vorigen Jahre durch Selbstmord aus dem Leben schied, ist durch die jüngsten Verhandlungen vor der Strafkammer zu Hagen auch entlarvt worden als ein Mann, der seine parlamentarische Stellung im Abgeordnetenhause und im Provinzialausschutz benutzte, um persönliche Vorteile sich zu verschaffen. Der Staatsanwalt sprach es in seinem Plaidoyer aus, daß vom Heede ein durch und durch schlechter Charakter sei. der^ sein Landtagsmandat zu eigennützigen Zwecken mißbraucht hätte. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Volksbank erklärte als Zeuge, es habe sich herausgestellt, daß vom Heede von dem Bauunternehmer Sönderob in Berlin 120000 Mark erhalten hätte, dafür, daß er diesem den Bau der Kreis Altenaer Schmalspurbahn verschafft hätte, und aus einem in der Verhandlung verlesenen Briefe vom Heedes ging hervor, daß Sönderob ihm noch. 60000 Mark versprochen hätte, wenn er ihm den Bau eines anderen im Kreise Altena geplanten Kleinbahn- Projektes verschaffte. Wenn wir so verallgemeinern wollten, so Ware das Wohl nicht anständig, aber — nationalliberal! — Einer ganz besonderen Vorliebe der Nationalliberalen erfreut sich auch der Abgeordnete Stöcker, der gegen den Nationalliberalen Kreutz dem alten Recken sich wieder zuwandte? Ebenfalls die National-Liberalen! Und das find dieselben Herren, die am vorlautesten mit dem Namen Bismarcks krebsen gehen!