Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Der Konitzer Mord.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 195 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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195 Kennt hie christliche oder jüdische Religion überhaupt Menschenopfer als Sühnemittel und schreibt sie dem Blute entsühnende Kraft zu? So ungeheuerlich es Wohl manchem im ersten Augenblicke erscheinen mag, bezüglich des Christentums müffen wir diese Frage entschieden bejahen. Das Christentum steht und fällt mit dem Glauben an den Opfertod Christi und die entsühnende Kraft seines vergossenen Blutes. Der sündlose Gottmensch Christus nahm die Sünde der Menschheit auf sich, opferte sich für sie und sühnte so die Schuld der an ihn Glaubenden mit seinem Martertode. Hier haben wir das Menschenopfer und bei der Abendmahlseinsetzung stoßen wir auf den Blutglauben, denn es heißt: „Trinket alle daraus, das ist mein Blut, welches für Euch vergossen wird, „für viele zur Vergebung der Sünden." Nach der christlichen Lehre genügt diese Selbstopferung des Gottmenschen zur Entsühnung der ganzen Welt, sie verlangt keine neuen derartigen Opfer, sie verlangt nur den Glauben an die entsühnende Kraft dieses Opfers. Anders ist es bei der jüdischen Religion. Noch heute wie vor tausenden von Jahren vollzieht der Priester das Opfer, wenn auch meistenteils symbolisch, nach den von Moses gegebenen Vorschriften und harrt das Volk des Messias, der da kommen soll. Es giebt keine Race, die sich durch die Jahrtausende so unverfälscht in ihrer äußeren Erscheinung erhalten hat, als die jüdische, es giebt aber auch keine Religionsgemeinschaft, die so streng an den von den Vätern überkommenen Religionsgebräuchen festhält, wie die Juden. Die von den Juden nach den mosaischen, noch heute überall giltigen Vorschriften, zu bringenden Opfer sind wie das Brand-, Speise-, Schuld- und Sündopfer, sehr verschiedenartig, sie bestehen teilweise in der Darbringung der Erzeugnisse des Bodens, wie Mehl, Oel, Weihrauch oder in der Tötung lebender Tiere, wie Rinder, Schafe, Ziegenböcke und Turteltauben. *) Ueber die Ceremonien bei der Opferung von Tieren finden wir im dritten Buch Moses Kapitel 4 unter anderem folgendes bestimmt: „(5) Und der Priester, der gesalbt ist, soll des Farren?) Blut nehmen und in „die Hütte des. Stiftes bringen" „(6) und soll seinen Finger in das Blut tauchen und damit siebenmal sprengen „vor dem Herrn, vor dem Vorhang im Heiligen" „(7) und soll desselben Blut thun auf die Hörner des Räucheraltars, der vor „dem Herrn in der Hütte des Stiftes steht, und alles Blut gießen an den Boden des „Brandopferaltars, der vor der Thür der Hütte des Stiftes steht" „(8) und alles Fett des Sündopfers soll er heben, nämlich das „Fett am Eingeweide" „(9) die zwei Nieren mit dem Fett, das daran ist an den Lenden „und das Netz über der Leber, an den Nieren abgerissen" „(10) Gleichwie er gebet vom Ochsen ein Dankopfer und soll es anzünden „auf dem Brandopferaltar" „(11) aber das Fell des Farren mit allem Fleisch samt dem Kopf „und Schenkel und das Eingeweide und den Mist" *) Angeblich hat ein Teil dieser Opferungen nach der Zerstörung des Tempels in Jerusalem ausgehört und ist an deren Stelle das Gebet getreten. 2) Rindvieh (mannbarer Stier). 13*