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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1901-01-01 · Der Konitzer Mord. · p. Seite 193

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1901
Issue
Der Konitzer Mord.
Date
1901-01-01
Page
Seite 193 (sequence 32)
Language
German
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193 Phantasie gefunden. Diese beiden alten Mütterchen von 60 und 80 Jahren und diese kräftige gesunde Frau in den Dreißigern sollten solchen Phantasien zugänglich gemacht worden sein, sollten, teils schon an der Schwelle des Todes stehend, es vermocht haben, nicht allein solche Unwahrheiten zu beschwören, sondern noch ganz bestimmte Personen der direkten Thäterschaft eines so entsetzlichen Verbrechens wahrheitswidrig zu bezichtigen und zumal noch in einem Strafverfahren, daß ihnen zum Bewußtsein bringen mußte, wie schwer jede Lüge vor Gericht geahndet wird? Nein, jeder einsichtige Mensch wird hier Wohl das Vorliegen eines Meineides von seiten dieser drei Zeugen für ausgeschlossen halten müssen. Dann bleibt aber die Thatsache bestehen, daß der halbe Idiot Alex Prinz schon vor Auffindung der Leichenteile darum gewußt hat, daß Winter nicht verunglückt oder in Abenteurerlust in die Welt gewandert, sondern daß er ermordet war; - auch darin hatte er recht, daß ein kreisrunder Halsschnitt dem Winter beigebracht war, und da er dies alles so genau und den Thatsachen entsprechend wußte, so wäre es doch direkt unlogisch, ihm nicht auch in seinen weiteren Angaben über die Vollbringer der That zu glauben. Augenscheinlich fehlte ihm bei der Ausplauderei das Bewußtsein, um welche Strafthat es sich handelte, bei ihm im Vordergründe stand das Gefühl, daß er oder seine Glaubensgenossen durch diese Handlung etwas verdienten, er hatte oft das in gleicher Weise vollzogene Schächten der Schlachttiere beobachtet und konnte nun den Begriff Mensch und Tier nicht auseinanderhalten; das einzige, was ihm nur noch besonders hervorhebenswert erschien, war hier der Umstand, daß nicht der gewöhnliche Schächter allein, sondern noch andere Kultusbeamte die That vollbrachten. Man könnte vielleicht sagen, daß hier bei dem Halb-Jdioten auch einmal die Phantasie zum Durchbruch gekommen sei und ihn veranlaßt habe, den Frauen ein Märchen aufzubinden; das wäre zwar schwer wahrscheinlich, aber immerhin möglich; absolut unmöglich ist es aber, daß sich solch eine Phantasie dann aber auch so völlig mit dem späteren thatsächlichen Befunde decken könnte. Doch weiter erinnern wir uns Wohl noch der Aussage der Gastwirtin Przyworski (S. 183), nach der Jsraelski eines Tages sich über den Mord dahin geäußert hat: „Es sind nicht einer, nicht zwei dabei gewesen, sondern vier haben es gemacht." Alex Prinz hat drei Personen verraten, den Konitzer, den Schlochauer und den Elbinger Schächter; die Frau Bettin, aus den Zeugen der dritten Gruppe, bekundet nun, daß sie am Mittag des Mordtages den Kantor Haller aus Tuchel nach Könitz habe jahren sehen; damit wäre dann auch die von Jsraelski angegebene Zahl der Thäter erreicht. Aber Prinz hat auch weiter noch den.Thatort verraten: „Bei Lewy im Keller." — Und endlich giebt er uns auch Aufschluß über den Beweggrund der That: „es wüxde viel Geld dafür bezahlt, denn das Blut sei jetzt sehr teuer und es kämen mehr als 1000 Thaler ein, das Blut würde überall hin verschickt, worauf das' Geld einkomme." Die Zeugenaussage der fünften Gruppe würde wenig von Bedeutung sein, wenn sie nicht im Hinblick auf die Ausplauderei des Alex Prinz, für die er übrigens, wie er selber sagt, in der Synagoge auf das fürchterlichste „verkloppt" worden ist, als ein Hinweis auf die Mitthäterschaft oder zum mindesten die Mitwissenschaft des Rabbiners Kellermann gelten könnte. Es mag hier noch erwähnt werden, daß der bezichtigte jüdische Kantor aus Schlochau bald nach dem Morde spurlos verschwunden 13

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