Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Der Konitzer Mord.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 190 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/9038025-9038028-423322--454-185423- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
190 — Kutscher Paglau. Die fünf fremden Juden kamen kurz vor dem Morde in Könitz an, es kann am 5. März 1900 gewesen sein. Herr Noffek war selbst auf dem Bahnhofe, was uns auffiel, weil er so vielen Besuch empfing. Die Leute kämen mit dem gemischten Zuge an, ich weiß das, weil derselbe damals soviel Verspätung hatte. Von den fünf Juden waren einige, ich glaube zwei, fein gekleidet, die anderen waren ganz ordinär angezogen. Der eine von diesen fünf Juden war der Händler' Studinski aus Czersk. Später erfuhr ich von Dickmann, daß alle diese Juden vor Lewinskis Haus gefahren seien und dah Lewinski den Kutscher bezahlt habe. Ich weiß bestimmt, daß einer der Juden der Händler Studinski gewesen ist, den ich schon , lange kenne. (St. 516. G. 256. B. T. 565). Telegraphist Brennenkamp. Am 6. März 1900 bin ich in Gesellschaft von fünf Juden mit dem Hotelomnibus nach Könitz gefahren. Es ist mir aufgefallen, daß die Gesellschaft eine recht gemischte gewesen ist. Namentlich einer der Leute machte auf mich einen verkommenen unangenehmen Eindruck. Die Leute sprachen von Geschäften und ich konnte entnehmen, daß einer der Leute ein Schlächter aus Schlochau war und daß ein anderer aus Czersk war. Der Händler Studinski aus Czersk hat Ähnlichkeit mit dem einen der Männer, die mit mir in dem Omnibus fuhren. Ich machte diese Fahrt an einem Tage, an dem der v.-Zug den gemischten Zug reglementswidrig schon überholt hatte; wie ich aus dem Stationsbuch festgestellt habe, ist dies nur ' zweimal und zwar am 24. Februar und am 6. März geschehen, ich bin daher damals am 6. März mit den fünf Juden zusammen gefahren. (St. 516, 522. B. T. 560, 565). Malermeister Schönberg. Mir sind am Tage des Mordes oder schon am Tage vorher eine Anzahl fremde Juden in Könitz aufgefallen. Es waren etwa 11—13, die in Gruppen in kurzen Abständen voneinander vom Bahnhofe in die Stadt hineingingen. Sie gingen bis zu dem Spediteur Leßschen Hause und sah ich, daß. als sie dort ankamen, schon einige auf dem Hausflur standen oder auf den Treppenstufen saßen. Einige standen auch vor der Thüre. Es waren mir alles ganz fremde Gesichter und dachte ich, ihrer ganzen Erscheinung nach, daß sie bei den Juden eine be. sondere Rolle spielen müßten. (St. 519- G. 256. B. T. 564). Sekundaner Stolls. Am 11. März fuhr ich um 7 Uhr 45 Minuten abends von Schlochau nach Könitz und zwar IV. Klasse. Als ich einstieg, bemerkte ich, daß in meinem. Wagen ausschließlich Juden saßen und daß ich dort der einzige Christ war. Ich konnte nicht verstehend wovon sie sich unterhielten; was mir auffiel, war, daß. sie sich alle in einer sehr freudigen Stimmung befanden. Da sich die Juden sehr frech benahmen und sehr viel Lärm machten, auch ihre Gesellschaft mir nicht paßte, stieg ich auf der nächsten Station in ein Frauenabteil um. Die Juden stiegen dann sämtlich später in Könitz aus. (St. 510. B. T. 554). Frau Rentmeister Lucke-Tuchel. Ich war am 11. März des Abends in Tuchel auf dem Bahnhofe und sah in dem nach Könitz fahrenden Zuge mehrere jüdische Männer, die einen unangenehmen; widerwärtigen Eindruck auf mich machten. Ich machte die Frau Gerichtssekretär von Warzewski, die ihren Sohn zur Bahn brachte, noch auf diese Leute aufmerksam. (St. 522. B. T. 567).' Frau Gerichtssekretär von Warzewski. Am 11. März brachte ich meinen Sohn, der in Könitz das Gymnasium besucht, zu dem Sechsuhr-Zuge zur Bahn. Frau Rentmeister Lucke machte mich noch, auf einige in dem Zuge befindliche Juden aufmerksam, indem sie sagte: „Sehen Sie bloß einmal diese widerwärtigen Juden". Es schienen zwei Personen zu sein, die von Laskowitz nach Könitz fuhren. (St. 522. B. T. 567). Kutscherfrau Bettin. Ich kann mit aller Bestimmtheit behaupten, daß der jüdische Kantor Haller (ein jüdischer Kantor ist Kultusbeamter der betreffenden Gemeinde und als solcher Vorbeter und Schächter) aus Tuchel am 11. März 1900 mittags in den Zug nach Könitz eingestiegen ist. Ich weiß dies so bestimmt, da an jenem Tage der Schmied Müller in Tuchel beerdigt ist.*) (St. 516, 522. B. T. 567. G. 257). Tempeldiener Nossek. Am 11. März 1900 war der jüdische Kantor aus Schlochau bei mir zum *) Es ist amtlich festgestellt worden, daß der Schmied Müller in Tuchel am II. März 1900 beerdigt worden ist.