Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Der Konitzer Mord.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 189 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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189 ziehen, hier bekommen sie ihn doch. Die Tochter meinte, „der geht doch nicht weg, der ist „ihnen" zu'sehr zugethan, sie werde ihm aber eine Karte schreiben." Es wurde dabei noch erwähnt, daß Winter aus Prechlau sei und warnten mich die Meyers, ich solle nicht zu Lewys hinten hineingehen nach Geld. Als ich später einmal, aber noch vor dem Morde, nach Könitz kam, sagte bei der Gelegenheit der Jude Kammer zu mir: Sie sehen so rot und frisch aus. Sie sind wohl gesund. Ich erwiderte: Weshalb sollte ich nicht gesund sein, ich bin ja Soldat gewesen. Darauf sagte Kammer:-Sie müssen viel Blut haben, Sie sind gut dazu! Ich fragte: „Wozu"? Er antwortete aber nur: „Sie sind gut dazu". Als ich noch einmal fragte, schwieg er und ging fort. Im Fortgehen und als er schon 8 bis 10 Schritt fort war, hörte ich. wie er zum Pferdehändler Gumpert sagte: „Dies Jahr ist das Blut sehr teuer, es kostet uns eine halbe Million". Bald darauf kam Gumpert wieder zu mir zurück und sagte, ich solle mich über die Rede des Kammer nicht erschrecken, der habe nur Scherz gemacht. Nach dem Morde dachte ich mir aber, dazu warst du vielleicht bestimmt, das hätte dir auch passieren können. (St. 509, 518. B. T. 553. G. 255.) Pfarrer Berendt. Ich bin früher 13 Jahre in Gehrsdorf, dem Wohnorte der Hellwigs, Pfarrer gewesen, die Hellwigs find durchaus ordentliche und durchaus glaubwürdige Leute; der Bildungsgrad der Mutter ist nicht sehr groß, der Sohn spricht aber sehr gut hochdeutsch, ein anderer Sohn ist katholischer Pfarrer. Ich glaube nicht, daß sich die Leute etwas aus den Fingern gesogen haben, es muß doch eine thatsächliche Unterlage vorhanden gewesen sein. Hellwig ist geistig so entwickelt und selbstständig, daß er sich nichts von Leuten einreden läßt. (St. 518. B. T. 562. G. 265.) Gemeindevorsteher Theiß aus Gehrsdorf. Die beiden Zeugen Hellwig sind durchaus ordentliche und verständige Leute, auch durchaus keine Schwätzer. Ich halte es auch für unmöglich, daß sie sich so etwas aus den Fingern gesogen haben. (St. 518. G. 255. B. T. 562.) Frau Tischlermeister Wiwiorra. Im Dezember 1899 oder im Januar 1900, ich glaube aber eher im Januar, war ich bei Meyer. Im Laden waren Frau Meyer, deren Tochter Rosa und ich. Meyer kam herein und war sehraufgeregt, in seiner Begleitung war ein fremder Mann, der eine Liste in der Hand hatte. 'Frau Meyer warf ihm einen bösen Blick zu. Als er weg war, fragte sie mich, ob ich einen gewissen Ernst Winter kenne. Ich erwiderte „ja", worauf sie sagte: „Das ist nicht gut". Ich bemerkte noch, daß Winter sich für Fräulein Caspari interessiere, sie sagte darauf nochmals: „Das ist nicht gut". Fräulein Meyer sagte dazu: „Mama, was geht das Dich an, was regst Du Dich darüber auf". Als später der Mönchsee abgelassen wurde, habe ich diesen Vorfall dem Bäckermeister Arndt erzählt, wobei eine mir unbekannte Frau zuhörte, diese sagte dann: „Das ist wahr, Frau Meyer sagte auch noch: Man unterschreibe nicht, das ist Mord". (St. 509, 518. B. T. 553, 562. G. 255.) Frau Borchardt. Ich war Mitte Januar dieses Jahres in dem Laden der Meyers. Es waren alle fünf Meyers anwesend, als ich eintrat, und ich hörte deutlich, daß sie etwas von zu unterschreiben sprachen. Die eine sagte: „Vater, . Du sollst nicht unterschreiben, das ist ja ein Mord." Als die Meyers mich sahen, siel es mir auf, daß sie sofort stillschwiegen. (St. 518. G. 255. B. T. 562.) III. Hausdiener Knetter. Es find anfangs März kurz vor dem Morde abends 6% Uhr viele Juden zu dem Destillateur Lewinski gekommen. Der Tempeldiener Nossek war auf dem Bahnhofe sie abzuholen und sagte mir, daß er unseren ganzen Hotelomnibus für sich benutzen würde. Es fuhren fünf Mann mit, das Fahrgeld hat mir Lewinski bezahlt. Außerdem fuhr noch der Hoteldiener von „Priebe" und ein Telegraphist mit dem Omnibus mit. In dem Laden des Destillateurs Lewinski ist mir von diesem das Fahrgeld bezahlt worden. (St. 516. B. T. 560.) Hotelportier Dickmann. Kurz vor Dem Morde, es kann am 9. oder 10. März gewesen sein, sah ich den Tempeldiener Nossek auf dem Bahnhof und bemerkte, wie dieser mit fünf Juden in den Hotelomnibus stieg, drei von diesen fünf Juden hatten Gehpelze an. Als wir bei Lewinski ankamen, stand dieser vor der Thür und bezahlte dann auch das Fahrgeld. Das Lewinskisch> Haus hat zwei Thüren, die eine fühct zu Nossek in die Wohnung, ob nun diese Leute zu Lewinski oder zu Noffek hinemgrngen, das weiß ich nicht mehr. (St. 516. B. T. 560.)