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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1901-01-01 · Der Konitzer Mord. · p. Seite 188

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1901
Issue
Der Konitzer Mord.
Date
1901-01-01
Page
Seite 188 (sequence 27)
Language
German
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— 188 ich, derselbe kam oft zu Hoffmanns. Ich war nicht ärgerlich, daß Anna Hoffmann mit Winter verkehrte. Ich nannte Anna „du", weil sie noch nicht eingesegnet war. Ich wurde mehr zur Familie gezogen, weil Herr Hoffmann meinen Vater kannte. Einige Male sagte Wilhelm Hoffmann zu uns: „Wir wollen einmal den Winter fortbringen, er hat vor der Thüre nichts zu suchen." Daß ich eine Aeußerung, wie sie das Mädchen Hoppe bekundet hat, mal in der Küche habe fallen lassen, ist möglich, aber ernsthaft habe ich diese Aeußerung nicht genommen. Es ist auch möglich, daß ich s. Z. die Gymnasiasten angerempelt habe. (Z. Fall Speisinger.) II. Floßmeister Steinke. Im Oktober 1899 war ich in Prechlau bei dem Fleischermeister Eisenstädt im Laden und sprach mit dem alten Winter, daß er mir ein Haus bauen sollte. Als Winter hinausgegangen war, sagte Eisenstädt zu mir, ^der Sohn da von dem ist gut zum schlachten." Ich sagte: „Es ist ein netter Sohn, den er hat, aber zum schlachten doch zu schade." Eisenstädt erwiderte mir daraus: „Wie heißt, zu schade?" Ich hielt die Sache selbstverständlich für einen Scherz und sagte zu Eisenstädt: „Ich könnte solch Fleisch aber nicht essen", worauf er erwiderte: „Dann giebt es wenigstens Blut." (St. 516, G. 254, B. T. 559.) Schneidermeister Beyer. Ich kam Ende November oder Anfang Dezember 1899 in den Meyerschen Laden und hörte dabei einen lauten und erregten Wortwechsel zwischen Mathäus Meyer und seiner im März 1900 verstorbenen Tochter Jenny, sie waren beide in großer Aufregung und Jenny sagte, wie ich ganz deutlich hörte, zu ihrem Vater: Was willst (oder hast) Du von Winter? Ich dachte, es handelte sich um eine Liebes- oder Heiratsangelegenheit und fragte den Mathäus Meyer, was er denn von dem Winter bekomme. Mathäus Meyer sagte: „Nichts." Ich fragte darauf,' wer Winter eigentlich sei, worauf Mathäus Meyer erwiderte: „Ein Gymnasiast aus Prechlau." Jenny Meyer setzte noch etwas hinzu, was ich nicht verstand, worauf Meyer erwiderte: Was kümmerts mich, schweig still, ich ziehe ja weg. (St. 518, B. T. 562, G. 255.) Besitzerwitwe Hellwig. Im November v. I. bin ich mit meinem Sohn zu Meyers zum Einkauf gewesen. Aus der Hinterstube kam Meyer, seine Frau und die Tochter mit einem fremden Juden heraus, letzterer hatte ein braunes Buch unter dem Arm. Als er weg war, fragt'e ich Mathäus Meyer, ob der Abgaben haben wollte, denn sie waren alle so still. Meyer sagte: Abgaben wohl, nicht, aber er werde ihm schon soviel geben, daß er zufrieden sei. Frau Meyer sägte aber: es handelt sich um eine Verschreibung gegen einen jungen Herren. Die Tochter sagte, wir möchten doch dem jungen Herren, sie nannte' ihn Ernst Winter, Nachricht geben. Mathäus Meyer sagte: Wenn sie ihn kennen, sagen sie ihm, daß er sich in Acht nehme. Frau Meyer meinte, er solle nicht so viel sagen, aber Mathäus erwiderte darauf: „Die Hellwigs werden uns schon nicht verraten." Währenddem kam ein junger Mann vorbei. Frau Meyer rief: „Da kommt er ja." Als er unterm Fenster war, sagte sie aber: „Nein, das ist er nicht." Die Tochter fragte mich, ob wir katholisch wären, was wir bejahten. Darauf meinte sie: „Er ist evangelisch." Mein Sohn fragte, was er denn verschuldet habe, ob sie ihn umbringen wollten. Frau Meyer entgegnete: „Umbringen nicht, aber etwas ähnliches, auch sagte sie etwas von Blut und fragte ich, ob sie denn das Blut zum Händewaschen oder für die Mazzes haben wollten? Nein, sagte sie, dazu nicht, nur zum Glück, damit die alten Kunden bleiben und neue hinzukommen. (St. 609, G. 255, lB. T. 553.) Besitzer Hellwig bestätigt diese Angaben der Mutter wörtlich und setzt hinzu: Der fremde Jude hat, als er uns sah, sofort den Hut aufgesetzt und ins. Gesicht gezogen und den Blick nach unren— gerichtet, damit wir ihn nicht erkennen konnten. Die Meyers waren alle so aufgeregt, als ob ein Unglück passiert sei. Als Frau Meyer sagte, es handele sich um eine Verschreibung wegen eines jungen Herren, fragte ich im Scherz, ob sie ihn verklagen oder umbringen wollten. Da ich die ganze Sache mehr als Scherz auffaßte. meinte ich das „Umbringen" auch nicht wörtlich, sondern ob sie ihm die Jacke durchprügeln oder sonst Schaden anthun wollten. Frau Meyer fragte noch ihren Mann, ob es wohl rauskommen würde, worauf er erwiderte, es werde gewiß herauskommen, auch sprachen sie, was ich nicht genau Hörte, vom Wegbringen und vom Mönchsee, Muskendorfersee. und - Lichnausee. Frau Meyer sagte auch zu mir: Wenn sie den Winter kennen, so jagen sie ihm, er solle weg-

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