Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Der Konitzer Mord.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 187 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9038025-9038028-423322--451-185420- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
187 offensichtlich zur Verhöhnung der Untersuchungsbehörden jetzt 8/4 Jahre nach dem Morde an verschiedenen Stellen der Stadt und Umgegend von Könitz niedergelegt worden Eine solche beispiellose Frechheit besitzen Augenblicks-Verbrecher nicht. Man unterscheidet bei Morden vornehmlich: 1. den Mord aus Eigennutz (Raubmord pp.), 2. den Mord aus individuellen Gründen (Feindschaft, Rache, Ehrenkränkung, Eifersucht pp.), 3. den Mord aus idealen Gründen (Politik, Religion pp.), 4. den Mord aus anormalen Gründen (Geisteskrankheit, sexuelle und perverse Veranlagung PP.). Vergegenwärtigen wir uns nun noch die anderen in den bisherigen Prozessen gemachten Bekundungen und prüfen wir dieselben alsdann aus obigen Gesichtspunkten : I. Bäckermeister Lange (Pensionsvater des Winter). Ich weiß nur, daß Winter mit der Familie Klavon näher verkehrte, dann mit einer Anzahl Mitschüler vom Gymnasium, und daß - er, wie das alle Gymnasiasten thun, mit Mädchen verkehrte, so mit Fräulein Hoffmann, Caspari, Tuchler u. s. w. (St. 504, B. T. 547. G. 249). Bauunternehmer Winter (Vater des Ermordeten). Mein Sohn war Weihnachten und Neujahr zu Hause. Am Neujahrstage kamen für ihn Postkarten an, auf denen ich die Namen von Judenmädchen las. Ich sagte ihm daraufhin: Was hast Du denn mit den Judenmädchen zu thun? Du wirst doch nicht eine mal heiraten wollen? Er antwortete: Vater, ich habe mit den Mädchen nichts vor. Ich kenne sie nur von der Tanzstunde her und sie sind seitdem sehr anhänglich. Deswegen schicken sie auch nur die Karten. Wir trafen uns auch manchmal auf dem Eise und da habe ich mal eine aufgehoben, als sie hinfiel. In solchen Fällen muß man den Mädchen doch aufhelfen. St. 504. B. T. 547.) Präparand Rückwaldgen.Speisiger. Ich habe Winter häufiger mit der Caspari und der Tuchler, wie auch mit der Hoffmann zusammen gesehen und zwar auf dem Eise und in der Danziger- Schlochauerstraße. Um die Zeit, um welche die Mädchen diesen Winter etwa zum Schlittschuhlaufen gingen und von demselben kamen, habe ich den Winter auch mit diesen in der Rähmstraße gesehen. Es ist stets noch hell gewesen, wenn ich den Winter zusammen mit den Mädchen in der Rähmstraße gesehen habe. Winter selbst hat mir bezüglich seines Geschlechtsverkehrs erzählt, daß er mit den Mädchen, die in einer Fabrik hinter Klavons beschäftigt sind, geschlechtlich verkehre. Im Herbst 1899 kam ich zum Hoffmannschen Fleischergeschäst, um mir Wurst zu holen. Ich sah den Gymnasiasten Winter vor der Thüre des Hoffmannschen Hauses und Fräulein Hoffmann in der Hausthüre stehen. Beide unterhielten sich. Ich sprach Winter an und ging dann in den Laden. Von dort aus bemerkte ich, wie zwei junge Leute, deren einen ich als Fleischerlehrling, jedoch nicht dem Namen nach, kannte, vor dem Hoffmannschen Hause vorbeigingen. Die mir dem Anscheine nach bekannte kleinere Person sagte im Vorübergehen zu Winter: „Dem Grützlöffel soll das noch teuer zu stehen kommen, dem soll das Poussieren auf immer vergehen, wenn ich ihn allein treffe." lZ. Fall Speisiger). Dienstmädchen Hoppe. Ich habe einige Male den Winter mit Anna Hoffmann zusammen gesehen. Damals waren Lehrlinge bei Hoffmann, der Sohn Wilhelm, Welke und Mysikowski. Ich habe nicht gehört, daß diese Personen sich über den Verkehr Winters mit Anna Hoffmann geärgert haben. Einmal hat Karl Welke in der Küche gesagt: Wenn der wieder einmal Herkommen wird, bekommt er eins ins Genick, daß er liegen bleiben wird. (Z. Fall Speisiger). Gymnasiast Hans Boeck. Winter hat sehr viel mit Anna Hoffmann verkehrt. Von einer Bedrohung habe ich nichts erfahren. Winter und ich sind einmal von einem Fleischergesellen, ich glaube es war der Fleischer Welke, angerempelt worden, wir achteten nicht darauf. (Z. Fall Speiflnger.) Fleischergeselle Welke. Ich war bis zum 14. April 1900 bei Hoffmann in Stellung. Winter kannte