Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Der Konitzer Mord.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 184 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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184 — Keiner der in Frage kommenden Personen ist es also gelungen, einen solchen Alibibeweis zu erbringen, daß man sich sagen müßte, die über die Auffindung der Leichenteile vernommenen Zeugen hätten sich bei ihren Beobachtungen in der Zeit oder in der Person geirrt, und daraus entspringt nun als notwendige Folge der bestimmte Verdacht der Mitthäterschaft gegen diese Personen. Das Bild der That aber, das sich nun auf Grund der bisher hier erörterten Bekundungen vor unserem geistigen Auge entwickelt, ist notgedrungen folgendes: Am 11. März 1900 ist in dem Keller des Fleischermeisters Adolf Lewy die Leiche des Ernst Winter von vier Männern zerlegt und zum Teil verpackt worden, gegen V2I2 Uhr nachts sind dann der verpackte Rumpf und die anderen noch im See aufgefundenen Leichenteile im Beisein des Adolf Lewy und mit Hülfe des Moritz Lewy von zwei bisher unbekannten Personen bei der Spüle, in den Mönchsee versenkt, während Helene Lewy bei den Aufräumungs- und Reinigungsarbeiten, das Scheuern des Kellers hat bis gegen 1/212 Uhr gedauert, behilflich gewesen ist. Einige Leichenteile, Kleider oder sonstige zum Morde oder zur Zerlegung der Leiche benutzten Gegenstände sind, nachdem ein Teil der ersteren schon zwischen 10 und 11 Uhr des Sonntag Abend in der Synagoge verbrannt waren, von Jsraelski am Montag Morgen zusammen mit einem anderen Manne, wahrscheinlich dem Händler Studinski, in blutigen Säcken fortgeschafft worden. Die Uhrkette des Ernst Winter und die Zigarrentasche desselben blieben zunächst noch in der Lewyschen Wohnung zurück und wurden erst beiseite geschafft, nachdem unbeteiligte Personen auf dieselben aufmerksam geworden waren. Ferner blieben bei Lewy noch ein Arm und der Kopf des Winter zurück. Die Fortschaffung des Armes aus der Lewyschen Wohnung unternahm Jsraelski am 15. März 1900 früh morgens, indem er den Arm erst in Packpapier einwickelte, dann dieses Packet in seinen Lumpensack hüllte und zum evangelischen Kirchhofe trug. Hier erwartete ihn schon Helene Lewy, die ihm das Packet abnahm und es, während Jsraelski weiterging, durch die Staketenthüre auf den Kirchhof warf. Die Fortschaffung des Kopfes machte infolge des sich schon immer mehr unter dem Volke verbreitenden Verdachtes der Thäterschaft gegen die Juden bedeutend größere Schwierigkeiten und wurde mit derselben so lange wie möglich gezögert. Inzwischen rückte das jüdische Osterfest immer näher, über das hinaus gläubige Juden unreine Gegenstände nicht beherbergen dürfen, und Adolf Lewy begab sich daher vor die Stadt, um' einen für die Verschleppung geeigneten Ort zu ermitteln. Auch zur Fortschaffung des Kopfes wurde Jsraelski ausersehen, der als notorischer Säufer am wenigsten unter dem Verdachte stand, direkt mit der That in Verbindung zu stehen, und dessen Beschäftigung als Handelsjude mit dem Lumpensacke auf dem Rücken ein Gelingen des Vorhabens am ehesten wahrscheinlich erscheinen ließ. Zu diesem Behufe brachte Helene Lewy, der zum Schutze für alle Zwischenfälle Adolf Lewy in einiger Entfernung folgte, am Mittwoch den 11. April 1900 abends den Kopf zu Jsraelski, welcher ihn dann an: Charfreitag, dem letzten Termine vor dem jüdischen Osterfeste, am Vormittage an die Fundstelle schaffte. Selbstverständlich sind dies nur Kombinationen, die sich allerdings streng in den Grenzen der bisher ermittelten Thatsächen halten, zu deren Erweis für ihre Richtigkeit aber noch sehr viel gehört. Vor allem müssen wir uns gegenwärtig halten, daß allein das Mißlingen des Alibibeweises noch lange nicht ein Beweis für die Richtigkeit der beschuldigenden Behauptung ist. Es giebt im Leben soviel Lausend Zeitpunkte, über deren Verbringen wir uns keinen Zeugen verschaffen können, daß wir diesen Umstand uns