Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Der Konitzer Mord.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 182 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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182 Äewy beim Besuch der Lappen-Lewy nicht zu Hause gewesen wäre. Die Lappen-Lewy war nach der Aussage der Mutter Lewy etwa eine Stunde zum Besuch, dies kann demnach nur zwischen 9 und 10 oder zwischen 6 und 7 Uhr gewesen sein. Da .Frau Prell die Roß vor 8 Uhr besucht und sich drei Stunden bei ihr aufgehalten hat, die Roß ihr aber dabei schon von ihrem Besuche bei Lewy erzählte, so muß die Lappen-Lewy, welche nach eigener Angabe mit der Roß bei Adolf Lewy im Hausezusammengetroffen ist, in der Zeit von 6- bis 7 Uhr dort gewesen sein. Danach ist die Zeitangabe der Roß bezüglich ihrer Anwesenheit bei Lewy richtig. Die Aussagen der Lindenstraußschen Eheleute, bezüglich ihrer Rückkehr, aus Konarschin werden unterstützt durch folgende Zeugen: Besitzer Franz Spilski. Ich bin mit zwei Töchtern des Zoddek Lewy nach Konarschin *) gefahren, gegen Vs5 Uhr fuhren wir nach Könitz zurück, wo wir um V28 Uhr ankamen. Unterwegs habe ich die Lindenstrauß überholt und sind diese später in Könitz angekommen. (B. T. 552. G. 251.) Demgegenüber stehen aber folgende Zeugenaussagen: Kürschner David Nossek. Ich war am 11. März 1900 in Konarschin und bin gegen 5 Uhr zurückgefahren, am Siadtwalde habe ich die Lindenstrauß eingeholt und bin selbst zwischen V28 und 8 Uhr in Könitz angekommen. ‘ (B. T. 552. G. 251.) Pfarrer Kuratowski-Konarschin. Am Mordtage war in Konarschin Ablaß, der um IV2 Uhr nachmittags beendet war. Gleich darauf ist Feierabend geboten worden. (B. T. 569.) Zeuge Zielke. Ich glaube, daß die Lindenstrauß abgefahren sind, als ich aus der Kirche heraustrat. Bestimmt kann ich das nicht sagen, ich hatte aber so den Eindruck, als wenn sie gerade abfuhren. (B. T. 569.) Gensdarm Neubert. Ich habe spätestens um *4 3 Uhr nachmittags Feierabend geboten, wenn ich nachher noch jemand verkaufen gesehen hätte, hätte ich ihn angezeigt. Wenn Lindenstrauß bald eingepackt hat und abgefahren ist, dann konnte er um 6 Uhr in Könitz sein. (B. T. 567, 669. G. 257.) Zeuge Selke <Zierke) aus Abb. Konarschin. Ich habe am Mordtage Lindenstrauß nach der Vesperandacht abfahren sehen. (V. T. 567. G. 257.) Schuhmacher Bennewitz. Am Mordtage habe ich in der. Danziger Straße, abends zwischen 6 und 7 Uhr, das Lindenstraußsche Ehepaar gesehen, besonders die Frau habe ich erkannt. Ich habe mich noch gewundert, daß die Leute, von denen ich wußte, daß sie in Konarschin beim Ablaß Handel trieben, so frühzeitig zurückgekommen waren. (B. T. 552. G. 251.) Frau Kohls. Ich habe Lindenstrauß am Mordtage des abends um 6 Uhr, höchstens um 1I21 Uhr in Könitz gesehen. kB. T. 567. 257.) . Der Sachverhalt liegt hier so, daß nach den Aussagen der Helene Lewy, der Lappen-Lewy, der Pauline Lewy und der Lindenstraußschen Eheleute, welch' letztere Aussagen durch die Bekundungen des Spilski und Nossek unterstützt zu werden scheinen, die Helene Lewy erst nach 9 Uhr ihre Mutter, welche schon seit einer Stunde, also seit 8 Uhr im Adolf Lewyschen Hause weilte, abgeholt und dabei die Frau Roß getroffen hat; dies wird widerlegt durch die Aussagen des Adolf Lewy, der bis 9 Uhr zu Hause gewesen sein und die Lappen-Lewy nicht gesehen haben will, und vor allen Dingen durch die ganz unbeteiligte Frau Prill, die von 8—11 Uhr mit der Frau Roß zusammen gewesen ist, so daß letztere um 9 Uhr mit der Helene Lewy nicht zusammen getroffen sein kann. Entweder haben hiernach Adolf Lewy, Frau Prill und Frau Roß einen Meineid geleistet oder die Helene Lewy, die Lappen-Lewy, die Pauline Lewy und die Lindenstraußschen Eheleute, eine andere Möglichkeit ist nicht vorhanden. Jedenfalls aber ist ein einwandsfreier Alibibeweis von der Helene Lewy nicht erbracht, worden. i) Konarschin ist von Könitz etwa 15 Kilometer entfernt.