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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1901-01-01 · Der Konitzer Mord. · p. Seite 178

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1901
Issue
Der Konitzer Mord.
Date
1901-01-01
Page
Seite 178 (sequence 17)
Language
German
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178 Mörder oder seinen Helfern stehend oder man nahm an, daß diese Personen, angelockt durch die Aussicht auf Erlangung der ausgesetzten hohen Belohnung, sich in Phantasiegebilden ergingen; endlich aber wurde oft auch, vermutet, daß diese aussagenden Pexsonen aus irgend welchen Gründen den Verdacht der Täterschaft nach einer bestimmten Seite hin von vornherein für begründet hielten, und nun durch diese subjektive Auffassung veranlaßt, unwillkürlich ihre einseitig gefaßte Meinung mit den beobachteten Thatsachen vermischten und dadurch eine ganz falsche Darstellung der von ihnen thatsächlich gemachten Beobachtungen gaben. Anders liegt es aber bei den erwähnten drei Prozessen. Hier tritt der Mord und die Mörder mehr in den Hintergrund, hier handelt es sich teilweise auch um andere Strafthaten und Thäter, die Möglichkeit einer objektiven Aussage, vor allen Dingen aber einer objektiven Prüfung und Bewertung der einzelnen Bekundungen, schon infolge der Gegenüberstellung der einzelnen sich widersprechenden Zeugen, war daher gegeben. Diese Verhandlungen sind auch mit so anerkennenswerter Breite geführt und es ist auf alle von jeder Seite herkommenden Anregungen zur Zeugenvernehmung so erschöpfend eingegangen worden, daß man Wohl annehmen kannes giebt keine mehr irgendwie für den Mord Bedeutung habende Bekundung, die nicht mindestens in einem dieser Prozesse gemacht worden wäre. Es kommen hier zunächst direkt in Frage: 1. Der Fleischermeister Adolf Lewy. 2. Moritz Lewy. 3. Hugo Lewy. 4. Helene Lewy. 5. Jsraelski. Prüfen wir daher den Alibibeweis dieser Personen. Es bekunden: I. Bezüglich -es Adolf Lewh. *) Adolf Lewy. Am 11. März 1900 ging ich nach dem Kaffee, etwa um 5 Uhr, zu Falkenberg (Schankwirtschaft), wo ich Karten spielte. Gegen 7 Uhr war ich wieder zu Hause, wo ich meinen Sohn Hugo mit dem Gespann erwartete. Meine Söhne waren zu dieser Zeit noch nicht zu Hause, kamen aber bald darauf. Meine Schwester Pauline Lewy (Lappenlewy genannt) habe ich an diesem Sonntage nicht gesehen, auch Frau Roß nicht. Mein Sohn Hugo brachte, soweit ich mich erinnere, als er mit dem Gespann nach Hause kam, kein Vieh mit. Dagegen habe ich einige Schafe im Stall gehabt. Ich habe dann das Pferd ausgespannt, während Hugo in die warme Stube ging. Dann bin ich um 9 Uhr wieder zu Falkenberg gegangen, wo ich bis 10 Uhr blieb. Von da aus bin ich mit der Fettviehhändlerin Joseph, die ich nach Hause begleitete, über den Markt und bei meinem Hause vorbeigegangen. Einen Lichtschein habe ich in meinem Keller nicht wahrgenommen. Ich kam dann gleich zurück und ging in mein Haus, wo ich meine Frau antraft Moritz war entweder schon zu Hause, oder er kam gleich darauf und sah noch einmal nach dem Pferde. Im Stall ist er höchstens eine Viertelstunde gewesen. Das Zuschließen des Hauses besorge ich stets selbst, habe es also auch am 11. März gethan, dann ging ich schlafen. Ich glaube nicht, daß ich an jenem Tage Fleisch an der Hinteren Remise hängen hatte. Wenu mir ein Stück Fleisch von 5—6 Pfund abhanden kommt, so würde ich das wohl bemerken. Am 11. März 1900 ist mir meines Wissens kein Fleisch gestohlen. Es ist möglich, daß ich nach 10 Uhr noch einmal in den Keller gegangen bin um y Es handelt sich bei Adolf Lewy um den Nachmittag und die Nacht des Mordtages, dann um seinen Spaziergang am 3. oder 6. April in der Nähe der Fundstelle des Kopfes und endlich um seine Begleitung, der Helene Lewy am Mittwoch vor Ostern 1900.

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