Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Der Konitzer Mord.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 176 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/9038025-9038028-423322--440-185409- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
176 Bäckergeselle Tuszek-Konitz. Ich arbeitete bei Anger. Ich habe an dem Mordtage nichts auffälliges auf dem Nachbargrundstücke bemerkt. Zwischen 10 und 3/4l-i Uhr abends bin ich mehrere Male die Danzigerftraße auf- und. abgegangen ohne etwas verdächtiges wahrzunehmen. Ich sah kein Licht im Lewyschen Keller, habe auch nicht den Maslof vor den Kellerfenstern liegen sehen. In dem Angerschen Keller ist aber vor zwölf Uhr nachts kein Licht gewesen. (B. T. 548, G. 251.) Fabrikarbeiterin Gatz-Konitz. Den Ernst Winter habe ich bei Lebzeiten gekannt, ich habe ihn aber niemals in der Hirschschen Wohnung (dem Lewyschen Hause) gesehen.. Ich war bis zum 3. April er. bei Hirsch in Stellung. Am 11. März nachmittags ist mir nichts besonderes ausgefallen, es war ganz ruhig, ich habe keinen fremden Menschen gesehen, nachmittags um 2 Uhr war ich im Keller, habe aber nichts auffallendes bemerkt. Abends gegen 7 Uhr war ich wieder in der Küche, auch um diese Zeit habe ich nichts ausfälliges bemerkt. Um ^8 Uhr ging ich fort zu meiner Freundin, dem Dienstmädchen Zachowska bei Praetorius, wir beide gingen bis zum Bahnhof und von dort zurück bis zum Sch loch aller Thor hin und her. Gegen 9 Uhr gingen wir in die Mauerstraße an das Fenster des Dienstmädchens von .Anger und klopften. Dasselbe schien schon zu schlafen, denn sie gab keine Antwort. Zu dieser Zeit hörten wir aus dem benachbarten Zimmer, wo die Lewyschen Söhne schlafen, ein Geräusch, als ob man ein Brett mehrere Male auf den- Fußboden fallen läßt, ich machte noch die Bemerkung: „der Moritz macht sich jetzt sein Bett." licher angeblich geleisteten Meineide freisprachen, haben sie Bernhard Maslof wegen Verschweigens der hervorgehobenen Umstände der wissentlichen Verletzung der Eidespflicht bei seiner.ersten eidlichen Aussage vom 2. Mai cr. schuldig erkannt, aber unter Anwendung des mildernden 8 157 St.-G.-B. zum Ausdruck gebracht, daß Maslof seine Schuldbeobachtungen verschwiegen, um sich der ihm bei Angabe des Fleischdiebstahls drohenden strafrechtlichen Verfolgung zu entziehen. In Uebereinstimmung mit dem gefällten Geschworenenverdikt hat der Schwurgerichtspräsident auch verkündet, daß nach dem freisprechenden Verdikt der Herren Geschworenen die Unrichtigkeit der von Maslof am 8. Juni cr. gemachten Aussage nicht erwiesen und daß mit dieser Feststellung bei Abmesiung der Strafe zu rechnen sei. Wir überlassen es der Oeffentlichkeit, zu prüfen, ob hiernach das „Berliner Tageblatt" Recht hat, wenn es in einem Kapitel über „Wahrheit" schreibt: „Für seine besondere Fähigkeit, Dinge zu sehen und zu verkünden, die sich nicht zugetragen haben, ist der Arbeiter und Gelegenheits- Es war gegen 10 Uhr. Anderes Geräusch habe ich, .während wir uns etwa eine halbe Stunde im-der -Mauerstraße aufhielten, nicht wahrgenommen. (Z. Fall Maslof. B. T. 548, G. 250.) . Hausbesitzer Laaß. Am 11. März gegen ^12 Uhr nachts ging ich mit dem Händler.Scheel aus dem Lokal von Rhode fort. Wir gingen gemeinschaftlich durch dieDanzigerstra'ße, es schlug gerade ^12 Uhr. Ich sah in. einem Keller Licht und machte noch die Bemerkung: „Das muß schon später sein, der Bäcker hat schon allf." Es fiel mir dies auf, denn sonst machte der Bäcker Anger später Licht in seiner Kellerbackstube. Es war ein trübes Licht, ich nahm an, es wäre das Haus des Bäckers Anger. , (Z. Fall Maslof. B. T. 552, G. 251.) Händler Scheel-Konitz. Als ich mit Laaß am Lewyschen Hause war, schlug es gerade ^12 Uhr. Laaß machte mich aufmerksam, daß im Bäckerkeüer schon Licht brenne. Es war aber Lewys Keller und ich sagte deshalb: Meinetwegen, er. wird sich Wohl zum Wochenmarkte vorbereiten. (Z. Fall Maslof. B. T. 552, G. 251.) Putzwarenhändlerin Reichau- . Könitz. Am 11. März 1900 kam ich mit dem Danziger Zuge nach 11 Uhr abends von Danzig zurück. Ich kam vom Bahnhofe die Danzigerstraße entlang und bemerkte in einem Keller, ob bei Lewh oder Anger, weiß ich nicht, Licht. Wie mir später Anger erzählte, hatte er erst nach 12 Uhr den Keller erleuchtet. Ich habe aber tatsächlich Licht gesehen. Es kann daher der Angersche Keller nicht in Frage kommen. (Z. Fall Maslof. B. T. 552, G. 251.) dieb Maslof zu einem Jahre Zuchthaus verurteilt worden. Das Gericht ist bei Festsetzung der Strafe von der Erwägung ausgegangen, daß es genügt, vor der Oeffentlichkeit den Beweis der völligen Haltlosigkeit der Maslofschen Behauptungen zu erbringen und die schwer verdächtigte Familie Lewy von allen Anwürfen zu reinigen." Die Oeffentlichkeit mag ferner selbst ein Urteil abgeben darüber, ob die „Volkszeitung" die Sachlage richtig beurteilt, wenn sie schreibt: „Das Urteil bedeutet, daß die Ermordung Winters nicht im Lewyschen Hause stattgefunden hat, wie aus der jetzt als meineidig erwiesenen Aussage Maslofs den antisemitischen Wünschen gemäß hervorgehen sollte." Könitz, den 15. November 1900. Rechtsanwalt 1)r. Vogel, Rechtsanwalt Zielewski, Verteidiger Verteidiger von Bernhard Maslof. der Frau Maslof. Rechtsanwalt Heyer, Verteidiger der Frau Berg."