Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Der Konitzer Mord.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 175 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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175 Mutter Anna Rotz, ob jte ihnen nicht den Knecht bezeichnen könne, der am Sonntag, den 11. März, in der Rähmestratze Männer getroffen habe, die etwas getragen hätten. Meine Mutter unterhielt sich darauf mit ihnen, ich hörte aber nicht, was meine Mutter damals sagte. Kaum waren diese beiden Herren fort, als uns einfiel, die Buchstaben E. W. könnten Ernst Winter bedeuten. Am, Montag darauf ging meine Mutter zum Zahnarzt Meibauer und machte ihm dann Mitteilung. Am Tage der Auffindung der Leichenteile kam Frau Lewy des Abends zwischen acht und neun Uhr in unsere Wohnung in der Poststallstraße und sagte bald nach ihrem Eintritt, was für ein schrecklicher Mord passiert, wäre; ihre Söhne seien wie zerschlagen und könnten gar nichts effen. Frau Lewy sagte bei dieser Gelegenheit auch: „Gott mag bewahren meinen Mann und meine Söhne". Meine Mutter äußerte nach ihrem Weggange: „Wenn nur der Mord nicht bei Lewys passiert sei, sie sei am Sonntag, also am 11. März, am Abend bei Lewys gewesen, und da sei es ihr so unheimlich vorgekommen, als sie im Hausflur gewesen sei, habe sie so ejn „Rumoren" gehört, und die Tochter der sogenannten Lappen-Lewy (Helene) sei mit der brennenden Lampe aus dem Keller über den Hof gekommen, und als sie in die Stube gekommen und meine Mutter gesehen habe, sei. sie ganz verlegen gewesen. Am Tage darauf erzählte meine Mutter, sie sei bei Lewys gewesen, und als auf den Mord die Sprache gekommen sei, habe Frau Lewy gesagt, meine Mutter möge sie nicht aufregen: an dem ganzen Winter sei nicht so viel dran, als die ganze Aufregung groß sei. Meiner Mutter war dies ausgefallen, weil am Tage zuvor die Lewy anders gesprochen habe. In der Woche vor Ostern half meine Schwester bei Lewy reinmachen. Eines Abends erzählte sie zu Hause, die Frau Lewy schimpfte über Winter und habe gesagt, ihre Söhne hätten ihn gar nicht gekannt und sie, Frau Lewy, kenne ihn auch nicht; meine Schwester meinte damals, letzteres könne doch nicht stimmen, denn sie, meine Schwester, habe an demselben Tage das Photogramm Winters auf seinem Spinde in der Lewyschen Wohnung gefunden. Meine Schwester erzählte auch ein anderes Mal, daß sie auf dem Ofen in der kleinen Stube eine Uhrkette gefunden habe, daß Frau Lewy sie ihr aber sofort weggenommen habe. Meine Mutter hat mir auch einige Zeit nach dem Morde erzählt, daß sie einmal zur Frau Lewy gesagt habe, es wolle niemand bei ihr Aufwartefrau sein, weil die Leute sagten: „Die Juden hätten den Winter ermordet;" dabei hätte sie (Frau Roß) bemerkt, es würde vielleicht doch einmal herauskommen. Darauf hätte Frau Lewy erwidert: „Das .wird im Leben nicht herauskommen. Die jüdische Gemeinde ist sehr reich". „Davon, daß Maslof ein Stück Fleisch gestohlen und die Wegschaffung eines Bündels nach dem Mönchsee gesehen haben soll, habe ich erst nach der polizeilichen Festnahme des Hoffmann gehört. Unter den Wäschestücken befand sich auch ein Laken; nach Angabe der Frau Lewy sollte es ein Gesindelaken gewesen sein. An diesem Laken fielen mir eigentümliche Fasern und Haare auf. Meine Mutter meinte, es würde zum Schlachten benutzt worden sein. Solche Laken pflegten Lewys aber nicht zum Schlachten zu benutzen. Die Fasern auf dem Laken waren solche Adern, als wenn sie von Blut herstammten. Es war so, als wenn das.Laken gebraucht' worden, demnächst gewaschen, aber nicht ordentlich ausgespült worden und die Fasern haften geblieben wären. Mir war dabei so ängstlich und immer so, als ob jemand neben mir stände. Ich habe mir gedacht, daß ich mir etwas einbildete und habe ts deshalb der Polizei nicht angezeigt. Der Landmesserfrau Reichert habe ich es allerdings bald nach der Abgabe der Wäsche erzählt." ft (St. 54l). *) Irr Nummer 541 der „Staatsbürger-Zeitung ist folgende Erklärung veröffentlicht worden: „Durch den Spruch der Herren Geschworenen sind diese drei Angeklagten (Maslof, Frau Maslof und Frau Berg) von der Anklage des Meineids in diesen Fällen freigesprochen. Die Geschworenen haben daher angenommen, daß die Angeklagten nicht Liberführt seien, in diesen Aussagen etwas Unwahres beschworen zu haben. Bernhard Maslof hat nun bei seiner ersten eidlichen Vernehmung vor dem Amtsrichter Pankau von seinen am 8. Juni mitgeteilten Beobachtungen nicht gesagt, daß er aus dem Lewyschen Hofe drei Männer mit einem schweren Gegenstände in einer Umhüllung von Sackleinwand nach der Spüle des Mönchsees habe gehen sehen und daß er nach Entfernung dieser Männer auf dem Lewyschen Hofe Fleisch gestohlen habe. Während die Herren Geschworenen die Frau Maslof und die Frau Berg von der Anklage sämt-