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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1901-01-01 · Der Konitzer Mord. · p. Seite 174

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1901
Issue
Der Konitzer Mord.
Date
1901-01-01
Page
Seite 174 (sequence 13)
Language
German
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174 nicht irren. Ich hörte um 3 Uhr nachmittags mit dem Reinmachen auf; denn nachdem ich das Photogramin Winters gesehen hatte, war es mir so ängstlich, weil mir Winter immer vor Augen stand, und ich an daS Gerücht dachte, daß er bei Lewys getötet worden sei. Ich erzählte beim Nachhausekommen meinen Angehörigen das Vorfinden des Photögramms, es waren darunter mein Mann, meine Schwester Berg und meine Mutter Anna Roß. Diese sagte mir, ich hätte das Photogramm doch nehmen sollen, worauf ich sagte, ich würde es nehmen, wenn ich noch einmal hingehen würde. Ich ging auch am Sonnabend, den 14. April, vormittags um 7l/2 Uhr etwa, hin und blieb bis 9^ Uhr dort. Ich konnte das Photogramm aber nicht mehr an mich nehmen, wiewohl Ich daran dachte, weil die Lewysche Familie zu Hause war. Ich wollte auch nach Ostern noch hingehen, um nachzusehen, ob das Photogramm in der Zigarrentasche noch liege; ich ging auch am Mittwoch, den 25. April, nocb hin, da mir Frau Lewy sagen ließ, ich solle doch zu ihr kommen. Ich war aber kaum dort, als mein Mann mich fortholte mit dem Bemerken, er wolle nicht mehr, daß ich in dem Lewyschen Hause arbeite. Ich habe auch vor kurzem, entweder in dieser Woche, oder in der vorigen Woche, entweder von meiner Mutter oder von meiner Schwester Auguste gehört, daß diese unter der Lewyschen Wäsche ein Taschentuch mit dem Monogramm E. W. gewaschen haben. Meiner Mutter und meiner Schwester Auguste ist erst nachträglich eingefallen, daß dies Monogramm möglicherweise Ernst Winter bedeuten könne." „In der Nacht vom 11. zum 12. März habe ich meinen Mann zwar nach Hause kommen hören, ihn aber nicht gesprochen. Montag, 12. März war ich tagsüber wegen Krankheit zu Bett. Mein Mann hat mir zunächst davon, daß er Fleisch mitgebracht hätte, nichts erzählt. Dienstag stand ich auf und ging an den Schrank. Dort fand ich ein Stück Rindfleisch, ein Kammstück von ungefähr 5 Pfund. Ich fragte meinen Mann, woher das Fleisch stamme. Er erwiderte: „Das kostet Geld." Ich glaubte ihm dies. Am Mittwoch darauf sprachen wir, mein Mann, meine Mutter und ich glaube auch mein Schwager Berg, über die Mordsache. Mein Mann erzählte ungefähr: Er hätte in der Nacht vom 11. zum 12. März in einem Keller Licht gesehen, ein Geräusch gehört, er sei aus Neugjerde nach der Hinterstraße gegangen. hätte vsnTKpr zu Thor gelauscht, hätte hinter einem Thon sprechen hören, hätte durch die Ritze gesehen, es sei ein Mann mitLicht aus einer Thür getreten», dieser .sei wieder zurückgegangen, dann seien mehrere nach dem Thor zu gegangen, er sei weggelaufen, hätte sich am Zaun versteckt, das Thor sei geöffnet worden, es seien Männer gekommen, die etwas nach dem See getragen hätten, er habe hinter ihnen hergesehen, sei nach dem offenen Thorweg gegangen, habe auf dem Hof Fleisch hängen sehen und habe ein Stück davon genommen, wobei er gehört, daß noch andere im Keller ein Gespräch führten. Mein Mann sagte mir, daß das in dem Schranke von mir Vorgefundene Fleisch das gestohlene sei! Ich sagte zu meinem Manne ungefähr: „Sei nur still, daß es nicht unter die Leute kommt, sonst kommst du noch ins Gefängnis und verlierst deine Arbeit." Aus gleichem Grunde habe ich auch dem Kriminal-Kommissarius Wehn gegenüber abgeleugnet, daß mein Mann Fleisch nach Hause gebracht habe. Das Fleisch haben wir im Laufe der Woche aufgegessen." (St. 541.) Gymnasiast Boeck. Die Uhrkette des Ernst Winter war fünfsträhnig und wurde durch einen Schieber festgehalten, der von Nickel war. (St. 510.) e. Frau Berg. „Als ich vor Ostern mit meiner Mutter die Wäsche des Fleischermeisters Lewy wusch, fiel meiner Mutter ein Taschentuch auf und sie fragte mich, ob das vielleicht das Taschentuch wäre, welches mein Mann Johann kurz vorher gefunden hatte. Ich besah darauf das Taschentuch und fand, daß es feiner war, als die meisten Taschentücher von Lewy. Das Taschentuch trug das Monogramm E. W., und zwar waren die Buchstaben mit rotem Zeichengarn gestickt. Wie die Buchstaben lagen, weiß ich nicht genau, sie waren ineinander verschlungen und recht deutlich zu lesen. Ich kann lesen, meine Mutter nicht. Mir fiel die Auszeichnung des Taschentuchs nicht weiter auf; denn in der Lewyschen Wäsche waren verschiedene Monogramme, soweit ich beobachtete z. B. eines P. S., wenn ich nicht irre. Am 22. April d. I. waren nach der Kirche der Zahnarzt Meibauer und ein kleinerer Herr mit langem schwarzen Barte bei uns. Diese fragten meine

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