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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1901-01-01 · Der Konitzer Mord. · p. Seite 173

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1901
Issue
Der Konitzer Mord.
Date
1901-01-01
Page
Seite 173 (sequence 12)
Language
German
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173 Ton. Ich sah durch eine Ritze, die sich zwischen der Schwelle und dem unteren Thürteile, und eine zweite Ritze, welche ctn dem Zusammenschluß der beiden Thorflügel war, hindurch. '/ Anfangs konnte ich nichts sehen, weil es auf dem Hofe dunkel war. Nach ungefähr fünf Minuten wurde im Innern des Hofes eine Thür' geöffnet, aus der Thüröffnung trat ein Mann auf den Hof. Ich habe diesen- Mann deutlich als denjenigen erkannt, den ich später als Lewy kennen-lernte. Ich konnte den Mann deutlich erkennen, weil aus dem Raum, aus dem derselbe herausgetreten war, Lichtschimmer auf den Hof drang. Lewy blieb mit vorgestrecktem Kopf, in lauschender Stellung auf dem Hofe stehen. Als Lewy ungefähr fünf Minuten so gestanden hatte, kamen zwei andere Männer durch die Thüröffnung, der eine trug ein Licht. Ich habe diese beiden nicht erkennen können,' sie sprachen ungefähr eine Minute mit dem alten Lewy und gingen dann mit diesem zusammen dorthin, woher sie gekommen waren, zurück. Es wurde auf dem Hofe wieder dunkel, woraus ich schließe, daß sie die Thür hinter sich geschlossen haben. Während der alte Lewy und die beiden anderen auf dem Hofe standen, wurde weiter hinter ihnen noch von anderen Leuten gesprochen. Auch damals hörte ich noch immer das gurgelnde Geräusch, jedoch nicht mehr so laut, wie früher. Ich verweilte jetzt noch ungefähr IV2 Stunden in liegender, beziehungsweise knieender Stellung, Das gurgelnde Geräusch hörte nach ungefähr V4 Stunde auf, das Gespräch dauerte fort. Während dieser 1V2 Stunden kam mir der Gedanke, daß ich mich vor demjenigen Hof befinden könnte, auf welchem ich acht Tage vorher Fleisch hatte hängen sehen. Die Thorflügel schienen mir schlecht versichert, ich konnte sie zurückdrücken, und nun entschloß ich mich, so lange zu warten, bis es in dem Hause ruhig werden würde, um dann Fleisch zu stehlen. Es wurde plötzlich die Thür geöffnet, durch welche vorhin Lewy getreten war, der Hof wurde hell, ich verließ meinen Standort und versteckte mich an dem Zaun in der Nähe der Esflgfabrik. Es wurde der Thorflügel geöffnet und drei Leute traten heraus, zwei trugen ein Bündel, einer ging unmittelbar hinter ihnen her. Alle drei waren junge Leute. Der eine der Bündelträger kann der Statur nach der Kneifer- Lewy gewesen sein. Genau habe ich, ihn nicht erkennen können, weil ich ihn nur von hinten gesehen habe. Die Leute trugen an dem Bündel schwer. Die Umhüllung des Bündels bestand aus Sackleinwand. Die-Leute gingen die Rähmstraße entlang und bogen dort-nach dem Mönchsee ab, wo der Weg nach der Spüle geht und spätev die Leichenteile, gefunden find. Ich war nicht weiter neugierig, was die Leute dort vorbatten, sprang vielmehr von meinem Versteck auf, ging durch den -nunmehr geöffneten Thorweg und stahl dort ein Stück Fleisch. Auf dem Hofe war es dunkel, ich tappte unmittelbar hinter dem Thorwege nach links, stieß mit dem Kopf an einen harten Gegenstand,. faßte' danach, merkte daß es Fleisch war, nahm dieses an mich und ging damit nach Hause. Während ich auf dem Hofe war, drang aus dem Keller des Hauses Stimmengewirr zu mir, auch vernahm ich ein Geräusch, als ob im Keller gescheuert würde. Der Weg nach Hause führte, mich durch die Mauerstraße nach der der Mönchseespüle abgelegenen Richtung, weshalb ich von den Bündelträgern nichts mehr gesehen habe." (St. 541.) b. Frau Maslof: „Ich habe auf Ersuchen des alten Lewy und der Frau Lewy, welche nacheinander zu mir kamen, vom 9. bis 13. April d. I. bei Lewy reingemacht. Wenn ich nicht irre, am Mittwoch, dem.11. April vormittags, fand ich beim Reinmachen der Stube, in welcher die beiden jungen Lewys schlafen, auf dem Ofen etwas, in graues Zeug eingewickeltes; ich machte dies auf und zog aus dem zusammengelegten Zeug eine weiße Uhrkette heraus von Silber, oder Nickell Ich hatte die Kette kaum in Händen, als die Frau Lewy mir sagte, ich möchte ihr die Kette nur geben, die gehöre dem Moritz, worauf ich ihr dieselbe sofort gab. Am Charfreitage vormittags machte ich in der Wohnstube der Lewyschen Eheleure rein und zwar unter anderem auch das Wäschespind. Auf dem Wäschespind lagen allerhand Briefschaften und Schriftstücke, sowie eine lederne Zigarrentasche. Ich machte dieselbe zufällig auf und fand darin, in seidenes Papier eingewickelt, das Photogramm des Ernst Winter. Ich habe-Ernst Winter zwar bei Lebzeiten nicht gekannt, ich habe mir aber das Photogramm desselben im Schaufenster von Heyn angesehen. Das Photogramm, welches ich in der Zigarrentasche vorfand, war dasselbe, es ist bestimmt dasjenige Winters gewesen, ich kann mich darin

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