Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Der Konitzer Mord.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 167 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/9038025-9038028-423322--431-185400- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
167 sogenannten „Spüle" standen und berieten. was zu thun Ware, bemerkte ich, während ich ganz zufällig an der offenen Stelle herum ins Waffer blickte, einen Gegenstand darin liegen. Der alte Winter stieß den Gegenstand mit dem Stocke an und wir zogen ein in braunes Packpapier gehülltes Packet heraus. Nach Entfernung der Papierhülle wurde Sackleinwand sichtbar, in welche ein Gegenstand eingenäht war. Wir schnitten die Naht auf und fanden in dem Sacke einen menschlichen Brustkorb. Beim weiteren Suchen, an dem sich dann noch einige Männer beteiligten, wurde ein zweiter bloßer Körperteil (der untere Bauchteil ohne Eingeweide) mit einem Hakenstocke herausgezogen. (Z. Fall Jsraelski.) Bauunternehmer Winter-Prechlau (Vater des Ermordeten). Als wir das Packet aus dem See zogen, dachte ich im ersten Augenblicke gar nicht an meinen Sohn, ich glaubte vielmehr, es sei eine Kindesleiche im Sacke drin. Ich erkannte dann aber sofort die Leiche meines Sohnes. Meine Frau und ich hatten ihn kurze Zeit vorher beim Waschen zu sehen Gelegenheit und wir wunderten uns noch damals über seinen zarten, weißen Teint und seine schöne, stark gewölbte Brust. Im Wasser aus dem wir das Packet zogen, waren keine Spuren von Blut, aus dem B. Der Fund auf dem Knabe Gustav Müller aus Könitz. Ich entdeckte den Arm und zwar in gekrümmter Stellung an dem Staketenzaune, des Friedhofes, den Tag vermag ich nicht mehr genau anzugeben. Mit dem Bäckerlehrling Grabowski zusammen trug ich den Arm dann zur Polizei, wobei es mir auffiel, daß der Arm nicht starr, sondern weich war. Neben dem Arm an der Fundstelle lag ein Stück Packpapier, auf dem sich Blutflecke befanden. Die Schnittfläche des Armes war rot, aber ganz trocken, der Arm selbst war ganz weiß. Der Schnee unter dem Arme war etwas fortgetaut. Der Arm lag dicht an der Staketenthür, er kann also nicht hinübergeworfen sein, sonst hätte er viel weiter abliegen müssen. Als ich den Arm aufgehoben hatte, steckte ich ihn in einen Sack und brachte ihn so zur Polizei, der Sack ist nicht blutig geworden. (B. T. 547, G. 249, St. 504.) Bäckerlehrling Grabowski aus Könitz. Ich erfuhr von dem Arbeitsburschen Müller, daß dieser den Arm auf dem Packet selbst lief etwas dünnrötliche Flüssigkeit heraus. (Z. Fall Jsraelski.) Fräulein Lange-Konitz. Ich war beim Auffinden des Oberkörpers am Dienstag im Mönchsee zugegen. Herr Winter schrie, als er den Oberkörper sah: „Mein Gott, das ist ja mein Sohn!" Im Waffer des Sees habe ich keine Spur von rötlicher Färbung wahrgenommen, erst als das Packet auf dem Trockenen lag, bemerkte ich, daß eine schwach-rötliche Flüssigkeit aus dem Packet in geringer Menge floß. (Z. Fall Jsraelski.) Bürgermeister Deditius-Konitz. Sofort nach dem Bekanntwerden von dem Auffinden des köpf- und gliederlosen Rumpfes durch den Vater des Ermordeten begab ich mich in amtlicher Eigenschaft an die Fundstelle im Mönchsee. Ich sah dort in der aufgetrennten Sackleinwand den Oberkörper eines Menschen, etwas später wurde dann noch der bloße Unterleib gefunden. Die Arbeiter, die mit den Absuchungsarbeiten betraut waren, meinten, sie hätten bemerkt, das im Wasser noch ein Körperteil wäre, nach ihrer Ansicht sei es ein Arm; diese Annahme war jedoch nicht zutreffend, denn acht Tage später wurde bei der fortgesetzten Durchsuchung des Sees ein Oberschenkel heraus gefischt. (Z. Fall Jsraelski.) evangelischen Kirchhofe. Kirchhofe gefunden habe und ging deshalb mit Müller zusammen dorthin. Müller kletterte über die Mauer und reichte mir ein blutbeflecktes Stück Papier durch die Staketenthüre hindurch. Das Papier fühlte sich feucht an. (G. 249, B. T. 547.) Polizeikommissar Kriesch-Könitz. Die Knaben, die den Arm Winters auf das Polizeibureau brachten, brachten gleichzeitig auch das dabei gefundene Papier mit, welches Blutflecke aufwies. Gefroren war der Arm nicht, auch nicht steif. Die einzelnen Staketen an der Staketenthür des Kirchhofes stehen so weit von einander ab, daß man den Arm sehr wohl hindurchstecken konnte. An der Fundstelle ist der Zaun 2,40 Meter hoch. (B. T. 547, G. 249.) Bürgermeister Deditius, Könitz. Am Donnerstag den 15. März 1900 früh wurde an der inneren Kirchhofsmauer des hiesigen evangelischen Friedhofes ein Arm des Ermordeten vorgefunden. Die Untersuchungsbeamten