Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Der Konitzer Mord.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 166 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/9038025-9038028-423322--430-185399- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
166 Schnitt begonnen hat. Dem Durchschneiden des Zwerchfelles messe ich keine Bedeutung zu. Alles ist aber eine Wahrscheinlichkeits-Diagnose. Eine bestimmte Diagnose ist für mich nicht mehr möglich gewesen, da ich erst verhältnismäßig spät die unvollständigen Leichenteile besichtigt habe. (G. 249. B. T. 547. Z. Fall Masloff.) Sach verständiger, Schlachthaustierarzt Wendt-Konitz. Der Schnitt wird unterhalb des Kehlkopfes mit einem haarscharfen, schartenlosen Meffer ausgeführt. Das Schneiden wird bei allen Tieren in der gleichen Weise ausgeführt. Der Schächter darf nach dem Ritus das Messer hin- und herziehen, er darf aber dabei nicht anhalten. In vorliegendem Falle ist der Schnitt ebenfalls unterhalb des Kehlkopfes geführt; danach ist es möglich, daß es ein Schächtschnitt ist. Es kann auch bei Winter zuerst der Schächtschnitt ausgeführt und dann der Kopf durch den weiteren verlängerten Schnitt ähnlich wie dies von den Fleischern nach der Schächtung der Tiere gemacht wird, vom Körper abgelöst bezw. losgetrennt worden sein. (Z. Fall Jsraelski.) Sachverständiger, Gerichtschemiker Dr. Bischofs-Berlin. Ich habe die mir zugesandten Speisereste untersucht, welche sich in Winters Speiseröhre vorgefunden hatten. Dieselben setzten sich aus Hühnerreis, Kartoffeln, Gurken und Fleischresten zusammen. Ihre mikroskopische Untersuchung ergab, daß sie dem Verdauungsprozeß erst kurze Zeit ausgesetzt waren. Die Struktur der Zellen in den Kartoffeln. ließ sich noch deutlich erkennen, auch war noch der Stärkemehlinhalt der Zellen vorhanden. An den Gurkenresten waren die Spuren der Verdauung kaum zu bemerken. Die Fleischreste zeigten noch deutlich die Querstreifen der Muskelfasern — im B. T. heißt es hier noch: die Fleischreste schienen von Schweinefleisch herzurühren —. Die Speisereste können aus dem Magen nach der Speiseröhre durch Erbrechen oder durch Druck auf mechanischem Wege gelangt sein. Ich habe eine Reihe von Versuchen angestellt, um mittelst verschiedener Verdauungs-Flüssigkeiten die Dauer des Verdauungsprozesses festzustellen und resümiere mich dahin, daß, wenn die Speisen, welche Winter um 1 Uhr genossen, dem normalen Verdauungssafte ausgesetzt waren, sie. in den gegenwärtigen Zustand etwa um 4 Uhr nachmittags gelangen mußten. Wenn man dagegen annimmt, daß diese Teile einer geringeren Menge Magensaft ausgesetzt waren, so muß der Tod spätestens zwischen 6 und 7 Uhr eingetreten sein. Narkotische Stoffe habe ich unter den Speiseresten nicht vorgefunden, auch das Vorhandensein von Alkohol war nicht mehr festzustellen, da andererseits die Speisereste durch den Alkohol besser hätten conserviert sein müssen. Bezüglich des Befundes von Chloroform kann ich nur sagen, daß ich nichts vorgefunden habe, doch ist bei der überaus flüchtigen Natur des Chloroforms immerhin ein Verschwinden vor der Untersuchung möglich. (G. 251. B. T. 552.) Auch über die zur Zeit des Todes des Winter herrschenden Witterungs- Verhältnisse ist als Sachverständiger Professor Paschotta, Leiter des meteorologischen Observatoriums in Könitz vernommen, welcher hierüber bekundet: In der Nacht vom 11. zum 12. März 1900 war Frost und 2 — 3 Grad Kälte, es lag ziemlich hoch Schnee. Der Mond fftand so über dem Mönchsee, daß die hintere Straße ohne Schatten war, dagegen konnte der Mond nicht in die Höft der Häuser der Danziger Straße scheinen. (B. T. 547. G. 249) Bezüglich der Begleitumstände bei der Auffindung der einzelnen Leichenteile konnten Feststellungen nur auf Grund nachstehender Zeugenaussagen gemacht werden. A. Die.Funde im Mönchsee. Bäckermeister Lange aus Könitz (Pensionsvater des Winter). Am 13. März 1900'morgens machte der alte Winter bei der Polizei die Anzeige, daß sein Sohn verschwunden sei. Gegen 11 Uhr machte auch meine Frau Anzeige bei dem Direktor des hiesigen Gymnasiums. Gleich nach dem Mittagessen holte ich den bei Klavon weilenden alten Winter ab und wir gingen beide in die Stadt, um uns bei den verschiedensten Leuten nach Ernst zu erkundigen. Wir wollten auch den Wald absuchen und an den Mönchsee gehen. Winter schlug das letztere vor, indem er sagte: „Ernst läuft gern Schlittschuhe." Es lag daher Grund zur Annahme vor, daß er möglicherweise ertrunken sein konnte, um so mehr, als der gefrorene See bereits schwache Stellen aufwies. Eine sogenannte „Einbruchstelle" war aber nicht zu bemerken. Als wir an der