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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1901-01-01 · Der Konitzer Mord. · p. Seite 165

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1901
Issue
Der Konitzer Mord.
Date
1901-01-01
Page
Seite 165 (sequence 4)
Language
German
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165 Wie lange Zeit, die Zerlegung und Verpackung der Leiche in Anspruch genommen hat, kommt auf die Geschicklichkeit der Thäter und auf die Anzahl der Leute an. Jedenfalls muß es mindestens eine Stunde gedauert haben. Die Zerlegung der Leiche kann nur von einem Manne ausgeführt sein, — ich stehe da ganz auf dem Standpunkte des Kollegen Müller —der zwar nicht die menschliche, wohl aber die Tier- Anatomie sehr wohl kannte. Meine erste Annahme war, daß Winter überrascht worden ist. Jetzt glaube ich, daß Winter ein Kopfkissen oder Tuch aus Mund und Nase gelegt worden ist, und daß er, durch den Mangel an Sauerstoff und die Ueberfülle von Kohlensäure in eine Betäubung geraten ist. Nehmen wir an — und ich stehe hier auch wieder ganz auf dem Standpunkte des Herrn Dr. Müller —, daß es mehrere Leute waren, so ist es sehr schnell gemacht worden. Die Leute wußten eben, was sie wollten. (St. 513.) - Ich resümiere mich dahin, daß es ganz unwahrscheinlich ist, daß Winter durch Erstickung infolge angewendeter Gewalt gestorben ist, dagegen ist fast mit Sicherheit anzunehmen, daß er infolge von Verblutung hervorgerufen durch mindestens zwei Schnitte gestorben ist. (G. 251.) Gerichtsphysikus Dr. Störmer- Berlin. Nach meiner Ansicht liegt hier eine Kombination von Erstickung und Verblutung vor. Die Vorgefundenen Zeichen genügen für mich, um.die Diagnose auf Verblutung zu stellen. Die typischen Zeichen von Verblutung sind allerdings oft noch viel prägnanter vorhanden. Das Herz war blutleer. Wir haben die Verpflichtung. wenn wir eine Sektion machen, die vier Herzkammern auf Blutinhalt zu untersuchen. Die Beinhaut des Schädels war blaß. Ich stellte fest, daß die Sehnenhaube. man nennt es in Laienkreisen „Kopsschwarte", die sogenannten Petechien zeigte. Zu 90 Prozent ist das ein Grund für die Annahme der Erstickung. Wenn Sie mich fragen, wie ich mir die Erstickung denke, so muß ich sagen, es sind zwei Arten denkbar. Winter kann überfallen sein und die Erstickungserscheinungen sind auf Einatmen von Blut Zurückzuführen, oder aber es ist Winter ein Kissen auf das Gesicht gepreßt worden. Die letztere Annahme ist die wahrscheinlichere. Gewöhnlich sieht eine tote Lunge blaßgrau aus, aber, wohlverstanden nur im typischen Falle von Verblutung. Es kann sein, daß die leider Gottes stattgehabte Einwirkung von Spiritus die dunkelrote Färbung hervorgebracht hat, oder daß durch die vorangegangene Erstickung sehr viel Blut in die Lunge gedrungen ist. Wenn mir jemand sagt, daß keine vitalen Reaktionen vorhanden gewesen sind, so muß ich dem entgegenhalten, daß bei sehr schnellem Tode solche Reaktionen fehlen können. Wenn der Tod sehr schnell eintritt, so hören die vitalen Reaktionen auf. Ich habe das bei Selbstmördern beobachtet, die sich den Hals durchschnitten hatten. Vitale Reaktionen, d. h. die Schnittflächen sind mit Blut belegt, oder es dringt Blut in das Gewebe ein, auch zieht sich die Haut an der Schnittfläche zurück. Die Verblutung kann unmöglich nach dem Tode erfolgt sein, etwa dadurch, daß die Leichenteile zwei Tage im Wasser gelegen haben; erstens genügt die Zeit nicht, dann werden die Schnitte auch durch die Muskeln komprimiert. Bezüglich der Todeszeit bin ich ganz der Ansicht des Herrn Dr. Mittenzweig. Die Zerstückelung kann nur von jemandem vorgenommen sein, der mit der Zerlegung von Kadavern vertraut war, der sich viel mit Leichen beschäftigt. Wir haben uns das auf den ersten Blick gesagt. Die Auslösung des Oberschenkels z. B. ist so kunstgerecht und mit großem Sachverständnis ausgeführt, so daß ich ganz positiv behaupten kann, das hat ein anatomisch Gebildeter gethan. Es ist auch postmortal geschehen. Wir haben bei der Obduktion über die Technik des Verbrechers gestaunt. Es ist ein Kunststück, die Wirbelsäule zu trennen. Meine Herren, verzeihen Sie, wenn ich in dieser ernsten Stunde auf ein komisches Beispiel Hinweise: Es ist Ihnen allen gewiß bekannt geworden, wie schwer es ist, die Wirbelsäule eines Hasen zu zerlegen. Der Koch hilft sich stets, indem er die Wirbelsäule einfach zerhaut. Hier ist die Wirbelsäule geradezu meisterhaft getrennt. Das <kann nur ein Anatom gethan haben. (St. 513.) Der Zacken am Halse wird erklärlich, wenn man annimmt, daß der Kopf in Krämpfen hin und her geworfen wurde. Ich neige der Ansicht zu, daß der Schnitt bei entblößtem Halse ausgeführt ist. Wenn beim Durchstechen der Halsschlagader die Luftröhre nicht gleich durchschnitten wurde, konnte der Ermordete noch einen Schrei ausstoßen. Es fehlt jeder Anhalt, ob ein seitlicher Stich gemacht ist, oder wo der

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