Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Der Konitzer Mord.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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163 28. März wurde die Brusthöhle geöffnet, das Herz ebenfalls, die Herzklappen zeigten stch intakt, doch konstatierten wir völlige Ausblutung. Die Lunge war auf der Schnittfläche ziemlich dunkelror, sie war an einer Seite lose, an der anderen an das Rippenfell angewachsen. Auf Grund des Obduktionsbefundes mußten wir annehmen, daß der Tod durch Verblutung herbeigeführt sei, und zwar infolge Durchtrennung des Halses. Wir glaubten, es sei der Tötung eine Beschädigung des Kopfes, der noch nicht gefunden war, vorangegangen. Am 15. April fand dann eine Sektion des Kopfes statt, der sich als völlig intakt erwies. Der Kopf war so gut erhalten, daß ich sofort sagen konnte: „Das ist der Winter." Ich erkannte ihn sogleich, denn ich hatte ihn, obwohl ich seinen Namen nicht kannte, in der Familie Lange gesehen, wohin ich als Hausarzt gekommen war. Der Kopf war eben sehr gut erhalten. Die Blutgefäße des Kopfes erwiesen sich ebenfalls als blutleer. Am 16. und 17. Mai nahmen wir unter Zuziehung des Herrn Sanitätsrat Dr. Mlttenzweig eine Nachobduttion vor. Wir stellten dabei fest, daß der Verblutung ein hochgradiger Erstickungsanfall vorangegangen ist, es bewiesen das die Lungen, sie hatten eine blaßbläulich-marmorierte Färbung, nahezu grau. Der Lungenüberzug war hellgraurötlich zu bezeichnen. Die Brustfelle sahen anders aus, als die Rippenfelle. Daß die Verblutung, die totale Ausblutung erst an der Leiche erfolgt ist, muß ich entschieden bestreiten. Das Herz muß noch in Thätigkeit gewesen sein, als das Blut ausströmte, sonst wäre eine derartige Ausblutung unmöglich. Ich muß behaupten, daß die Zerlegung der Leiche von sachkundiger Hand geschehen ist. Das beweist der Probeschnitt am Knie. Es ist oberhalb des Knies eingeschnitten worden. Als der Thäter merkte, daß er in den Oberschenkel kam, machte er unterhalb den richtigen Schnitt. Das beweist, daß ein Tierschlächter das Messer geführt hat. Ich resümiere mich dahin: Es ist wahrscheinlich, daß Winter an Verblutung gestorben ist, es ist höchst wahrscheinlich, daß der Ermordung ein Erstickungs- Versuch vorangegangen ist, es ist ausgeschlossen, daß die Verblutung erst nach dem Tode erfolgte. St. 613. Ich glaube, es müssen allein 3—4 Männer zum Halten des Winter bei seiner Tötung notwendig gewesen sein, denn er wird sich doch gewehrt haben, auch muß man ihm doch mit ziemlicher Gewalt erst den Kragen und das Chemisett entfernt haben, um den Hals für den Schnitt frei zu bekommen. Es ist auffällig, daß bei dem Zertrennen des Unterschenkels vom Oberschenkel der Trennschnitt, ebenso wie bei dem Morde in Skurz im Jahre 1885, oberhalb anstatt, wie es sachgemäß ist, unterhalb der Kniescheibe geführt ist und kann man hiernach auf denselben Thäter schließen. (Z. Prozeß Jsraelski, B. T. 547. G. 249). Sachverständiger Dr. Puppe- Berlin. Im Gegensatz zu den anderen Gutachtern bin ich der einzige, der die Leichenteile nicht in Augenschein genommen hat. Das Protokoll giebt aber ein vollständiges Bild. Besonderen Wert lege ich auf die Petechien am Gesicht. Beim Zustandekommen derselben muß eine Steigerung des Blutdruckes nach dem Gesicht stattgefunden haben. Das ist unmöglich, wenn die Blutzufuhr abgeschnitten wird. Die Petechien find aber ein wesentliches Kriterium des Erstickungstodes. Die Annahme, aus der Anämie der Organe als Todesursache Verblutung des Körpers herzuleiten, erscheint doch zweifelhaft und unsicher. Bei. der Sektion waren außer dem Herzen nur die Lungen vorhanden, alle übrigen inneren Organe fehlten. Die roten Schnittflächen der Lunge sprechen gegen eine Verblutung. Das Blut kann auch nach dem Tode aus dem Körper gelangt sein, namentlich durch Einwirkung des Wassers. Alles spricht dafür, daß der Tod infolge Erstickens erfolgt ist. Die in der Speiseröhre gefundenen Speisereste können sehr wohl auf mechanischem Wege in den Schlund gelgngt sein, z. B. beim Transportieren der Leiche, und dort schon vor dev Durchschneidung des Halses hineinge-- bracht worden sein. Wären die Speisereste durch Erbrechen beim Verblutungstode in den Rachenraum gekommen, so hätte man sie auch in den Luftwegen finden muffen. Es ist viel wahrscheinlicher, daß Winter an Erstickung als an Verblutung gestorben ist. Die für die Verblutung sprechenden Thatsachen und Erscheinungen sind unsicher. Die Halsschnittwunde ist nicht anders, als die Wunden an anderen Teilen, sie hat auch keine vitale Reaktion. Ich bin der Ansicht, daß der Kopß schon -lange,... vielleicht bald nach dem Morde, an der Fundstelle im Graben geil*