Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Die Juden in Deutschland III.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 143 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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143 Christen oder Juden sind, und wenn dann bei der Auswahl dieser Bestqualifizierlen lauter Christen und gar keine Juden zu Notaren ernannt werden, — nicht einen Ton würde ich 'sagen; das würde ich für durchaus in der Ordnung halten. Aber so liegt die Sache nicht; es handelt sich nicht darum, die für das Notariat moralisch 10) oder beruflich besser Qualifizierten vorzuziehen, sondern nur darum, jemanden vorzuziehen, weil er nicht Jude, sondern Christ ist. .... Ja, man behauptet sogar, daß neben diesen beiden Listen noch eine Liste der Getauften besteht,") die zwischen beiden liegt. Die Getauften werden nicht so gut behandelt wie die Christen und nicht so schlecht behandelt wie die Juden; die find gewissermaßen 8uf6t8 wixt68, und dementsprechend werden sie nicht so rasch Notare, aber doch annähernd so rasch wie die Christen. (Heiterkeit.) . . . Nach den Prinzipien, die der Herr Minister eben ausgestellt hat, könnte auf einmal ein Minister kommen, welcher sagt: Es liegt nicht im Interesse der Bevölkerung, daß in der wesentlich protestantischen Stadt Berlin katholische Notare sind oder jedenfalls nur ein paar katholische Notare,^) vielleicht soviel Notare, wie sie gerade der katholischen Bevölkerung Berlins entsprechen. . . . Wenn Sie etwa glauben, daß das deutsche Volk bereits moralisch so erweicht ist, daß es die Gleichberechtigung der einzelnen Konfessionen nicht ertragen kann — nun gut, so ändern Sie doch die Verfassung; versuchen Sie, ob Sie die Verfassung ändern können, ob das deutsche Volk bereits dafür reif, — oder ich kann sagen — tief genug heruntergekommen ist^)-(Oho! rechts; sehr richtig! bei den Freisinnigen.) Ja, meine Herren, in meinen Augen wäre das eine Art moralischen 'Bankerott, wenn das deutsche Volk soweit wäre .... Wir müssen Herrn Barth dankbar sein, daß er die angeborene Farbenblindheit des Freisinns mit Bezug auf die Judenfrage in so — geschickter Weise zum Ausdruck gebracht hat. Nach freisinniger Auffassung ist also unsere Verfassung dazu da, das deutsche Volk willenlos der Ueberwucherung und Ausbeutung durch jüdische Juristen preiszugeben: Aus Achtung vor der Verfassung dürfen wir die Hände nicht mehr rühren, um uns dagegen zu wehren; die preußischen Behörden dürfen dagegen nichts mehr thun: Stillhalten, heißt die Losung. Das ist nach freisinniger Lehre unsere verfassungsmäßige „Freiheit". — Sollte im Justizministerium eine Liste der getauften Juden im Rechtsanwalts- und Richterstande geführt werden, so würde das gewiß mit Freude zu begrüßen sein, als ein Zeichen, daß dort bereits das Verständnis für die Berechtigung des Rassen-Antisemitismus aufzudämmern beginnt. — Die Debatte über den Gegenstand wurde dann noch einige Tage fortgesetzt, ohne daß etwas neues dabei herausgekommen wäre. Schließlich sprach das Haus dem Minister in zwei Resolutionen seine ausdrückliche Zustimmung zu seinem Verfahren und seinen Ausführungen aus. Allein die Freisinnigen stimmten dagegen, sie haben aber nur noch 35 Stimmen im Hause. Die freisinnige und liberale Presse hielt dafür, daß der Liberalismus durch des Abgeordneten Barth Ausführungen noch nicht genügend bloßgestellt sei, und veranstaltete mit ungeheurem Lärm einen Entrüstungsrummel über die Ausführungen des Justiz-Ministers. Einige Beispiele mögen hier angeführt werden: 10) So liegt die Sache doch! Der Minister und die deutsche Bevölkerung wissen aus Erfahrung, daß Juden die für das Notariat, den Rechtsnnwaltsberuf, den Richterberuf erforderlichen „moralischen" Eigenschaften in der Regel nicht besitzen, und handeln demgemäß. n) Das ist sehr verständig uud muß so bleiben; nur sollten die getauften womöglich noch vorsichtiger behandelt werden, als die anderen Juden. i-) Divide et impera! Nach diesem Spruche sucht hier Barth im Interesse des Judentums zu operieren, indem er die Katholiken gegen die Protestanten hetzt. Beide Teile werden aber klug genug sein, die edle Absicht zu durchschauen und sich von der Bekämpfung des gemeinsamen Gegners nicht abhalten lassen. Aist welchen Bänken saßen doch die Kulturkampfpauker, Herr Barth? 13) Der Redner ist durch die fortgesetzte Judenfchützerei geistig so heruntergekommen, daß er sich den so bitter notwendigen Antisemitismus des deutschen Volkes nur durch „Heruntergekommenheit" erklären kann.