Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Die Juden in Deutschland III.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 140 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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140 leichtfertig den Vorwurf der Gesetzes- oder Verfassungsverletzung machen, den Fall durch Erhebung der Anklage zur gerichtlichen Entscheidung brächten, so würden die Juden sehr bald lernen, was ihnen jetzt fehlt, — mehr Bescheidenheit. Im Februar 1900 richteten dann die hessischen Juden eine Eingabe an den Landtag, in der sie sich über die Nichtanstellung der Juden im Richteramt beschwerten. Sie gebrauchen darin den alten Trick, zu behaupten, daß den jüdischen Bewerbern verfassungsmäßig ein Recht auf Anstellung als Richter zustehe, sie schildern mit bekannter jüdischer Bescheidenheit die großen Verdienste, die die Juden um Deutschland sich erworben hätten, und erklären dreist: „Wir fordern unser Recht, das fünfzig Jahre ungerechter Zurücksetzung nicht aufheben konnten!" Der Justizminister Dittmar erklärte rundweg, er sei jederzeit bereit, in eine Diskussion über die Nichtanstellung von Juden einzutreten. Seine Ansichten hierüber, die ja jedermann zur Genüge kenne, würde er nur durch einstimmiges Votum der gesamten Landesvertretung rektifizieren lassen. (Bravo!) („ Ztaatsbürger-Zeitung", 19. Februar 1900.) Eine ähnliche Zurückweisung hat sich nun neuerdings das vorlaute Judentum auch im Preußischen Abgeordnetenhaus durch den Justizminister vr. Schönstedt zugezogen und das kam so: Bei den Landtagswahlen im Herbst 1898 setzten die Juden, die bis dahin keinen von ihren Leuten mehr im Preußischen Abgeordnetenhaus-gehabt hatten, die Wahl zweier Juden durch, nämlich der freisinnigen Abgeordneten vr. Hirsch im I. Berliner Wahlkreise und Landgerichtsrat Peltasohn aus Bromberg im Wahlkreise Mogilno-Znin-Wongrowitz. Es war großer Jubel in Israel, aber alsbald erhob sich auch eben so großes Murren, wie wir das ja so oft in der Bibel lesen. Es hieß: „Was thun denn nun unsere jüdischen Abgeordneten? wir hören ja nichts von ihnen". Herr Peltasohn hielt es also für nötig, Thaten sehen zu lassen, und bei der Beratung des Justiz-Etats fragte er am 31. Januar 1901 den Preußischen Justizminister, warum er die jüdischen Rechtsanwälte in Posen und Berlin länger auf ihre Ernennung zum Notar warten lasse als die christlichen (soll heißen: deutschen). Weiter beklagte er, daß noch nie ein Jude zum Staatsanwalt ernannt und seit 10 Jahren kein jüdischer Richter bei einem Oberlandesgericht mehr ernannt worden sei; überhaupt seien unter dem jetzigen Minister jüdische Richter nicht mehr befördert worden. Wenn auch die Zahl der jüdischen Rechtsanwälte verhältnismäßig größer als die der christlichen sei, so dürften doch die jüdischen Anwälte „dafür nicht bestraft werden". Aus der Antwort des Justizministers seien die folgenden Sätze als die wichtigsten nach dem stenographischen Bericht im Reichsanzeiger wörtlich angeführt: „Meine Herren, ich glaube, daß der Herr Abg. Peltasohn in seiner Anfrage und Beschwerde von einem unrichtigen Gesichtspunkt ausgegangen ist, nämlich von dem, daß bei der Ernennung von Notaren das Interesse der konkurrierenden Rechtsanwälte das Maßgebende sei, nicht aber das Interesse der Bevölkerung. (Sehr richtig!) ..... .... Unter den in Berlin ansässigen 851 Rechtsanwälten befinden sich 526 jüdische (hört, hört!), also etwa 3/5 sämtlicher Anwälte gehören dem jüdischen Glauben an. Unter den 176 Notaren befinden sich 65 jüdische, also etwas über V31). Der Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung zur Gesamtbevölkerung in Berlin beträgt 5,14. (Hört, hört!) .. Von dem mir gesetzlich zugewiesenen Ernennungsrecht mache ich Gebrauch nach bestem Wissen und Gewissen, und maßgebend ist dabei an erster Stelle das Interesse der Bevölkerung. Ich glaube aber, daß ich es der Bevölkerung gegenüber nicht würde verantworten können, wenn ich beispielsweise hier in Berlin die jüdischen Notare in demselben Umfange wie die christlichen nach Maßgabe ihres *) Herrn Peltasohn und seinen Leuten genügt es nicht, daß mehr als ein Drittel der Notare jüdisch ist. Jüdische Bescheidenheit!