Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Die Juden in Deutschland III.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 136 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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136 Berufen und sogar in Regierungs kreisen ein. Ganz besonders bevorzugt wird jüdischerseits die juristische' und medizinische Laufbahn, weil „hier am meisten zu machen ist"; doch verschmähen sie auch die philologische Laufbahn nicht, wie im Antis. Jahrb. von 1900, S. 207, nachgewiesen wird. Ueber die Verjudung des Rechtsanwalts- und Aerztestandes lese man die betreffenden Abschnitte im Antis. Katech. (S. 264 ff. u. S. 267 ff.) und bei Stille (Judentum, S. 64 ff.) nach. Wir können hier nur kurz darauf eingehen. Im Jahre 1896 betrug der Prozentsatz der Juden unter den Rechtsanwälten in den einzelnen Oberlandesgerichtsbezirken Preußens in Breslau 33 v. H., Frankfurt a. M. 27 v. H., Posen 25 v. H., Marienwerder 20 v. H., in Kassel und Celle je 15, Königsberg 13, Kiel 12, Stettin 11, Naumburg 8, Köln 7 und Hamm 6 v. H. Ganz übermäßig war die Zahl jüdischer Anwälte in Berlin, sie betrug beim Kammergericht 54, beim Landgericht und Amtsgericht 1. 54, beim Landgericht und Amtsgericht II. 47 v. H. Und das ist mittlerweile noch schlimmer geworden: In der weiter unten zu erwähnenden Judendebatte des preußischen Abgeordneten-Hauses vom 31. Januar 1901 gab der Justizminister an, daß unter 851 Berliner Rechtsanwälten 526 und unter 176 Berliner Notaren 65 jüdische seien! In Wirklichkeit ist die jüdische Ziffer noch viel ungeheuerlicher, wenn man die getauften Juden berücksichtigt. Die „Staatsbürger-Zeitung" rechnet aus, daß gegenwärtig in Berlin etwa 656 jüdische und nur 266 deutsche Anwälte seien. Wir haben also in der Reichshauptstadt so zu sagen einen jüdischen Rechtsanwaltsstand: unter diesen Umständen kann es nicht Wunder nehmen, daß die gesamte Berliner Rechtspflege soviel an Ansehen eingebüßt hat, daß es kaum noch etwas davon zu verlieren giebt. („Staatsbürger-Zeitung", 1. Februar 1901). Nicht ganz so ungeheuerlich steht es mit der Verjudung des ärztlichen Berufs, aber doch immerhin schlimm genug. In Frankfurt a. M. sind 52 v. H., in Berlin 60 v. H. (s. a. Seite 104) aller Aerzte Juden, in anderen Großstädten ist es nicht viel besser. Es ist nur naturgemäß, daß in demselben Maße, wie die Juden in die genannten Stände eindringen, sich auch die Klagen der deutschen Anwälte und Aerzte über jüdische Schmutzkonkurrenz und Schädigung der Berufsehre mehren. Noch in frischem Andenken steht das eigentümliche Verhalten der Verteidiger im Sternbergprozeß Dr. Sello und Werthauer. Wir erinnern ferner an den famosen Rechtsanwalt Fritz Friedmann (Berlin) und an Dr. William Goldschmidt (Hamburg) u. s. w. Der letztgenannte verduftete im Jahre 1896 gerade noch rechtzeitig nach Amerika, nachdem er dem Geflügelhändler Michelsohn bei seinen Warenschwindeleien geholfen und sich auch selbst seine Reisekasse gefüllt hatte; Michelsohn erhielt vier Jahre Zuchthaus. Die „Staatsbürger-Zeitung" vom 18. Oktober 1900 berichtet aus Frankfurt a. M.: Der noch junge jüdische Rechtsanwalt Dr. Sigismund Marx sprang heute Mittag aus seinem im vierten Stock gelegenen Bureau zum Fenster hinaus in den Hof und blieb sofort tot, nachdem er vorher vergeblich versucht hatte, sich das Leben durch Oeffnen der Pulsadern zu nehmen. Betrügereien in ihm anvertrauten Konkursverwaltungen und Verluste bei leichtsinnigen.Spekulationen an der Börse haben den Juden in den Tod getrieben. Fast possenhaft-parodistisch wirkte es, daß dieser Mann einen Brief'hinterließ, in dem er bat, man möge ihn sezieren und sein Gehirn untersuchen: Er glaube, daß er nicht normal gewesen sei. Und wirklich hat der gefällige Hofrat Dr. Weigert zu Frankfurt a. M. Anzeichen für die von dem Selbstmörder vermutete Anomalie