Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Die Juden in Deutschland III.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 133 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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133 — man lese im Jahrbuche 1897, S. 91, den Kampf der Juden gegen Eisenmengers „Entdecktes Judentum" nach — oder sie haben derartige Bücher einfach aufgekauft und beiseite geschafft oder sie haben bei Neuauflagen die ihnen unliebsamen Stellen zu' unterdrücken verstanden. Das Buch des Grafen Hellmuth von Moltke (späteren Generalfeldmarschalls), Darstellung der inneren Verhältnisse in Polen, Berlin 1832, in dem auch die polnische Judenwirtschast schonungslos aufgedeckt wird, ist sehr selten geworden — möglicherweise von Juden ausgekauft. Die Zeitschrift „Vom Fels zum Meer" brachte vor einigen Jahren diese Schrift Moltkes wieder zum Abdruck, aber — sie ließ die auf die Juden bezüglichen Stellen weg oder verstümmelte sie erheblich. *) Auch in den späteren Sammlungen Mollkescher Schriften sucht man diese Stellen meist vergeblich. Theodor Fontane hat ein ergreifendes Gedicht über den Blutmord geschrieben, eine Bearbeitung, eines alten schottischen Blutmordliedes. Dies Gedicht, die „Jüdin" betitelt, ist in der 2. Auflage der Fontane'schen Gedichte von 1875 noch zu finden (S. 298); die Auflage ist jedoch sehr selten geworden und in der nächsten Auflage fehlt es bereits. Wir lassen das Gedicht hier folgen, um es vor dem völligen Verschwinden zu bewahren: „Die Jüdin". Durch Mirryland rinnt der Regen, Und durch Mirryland rinnt der Po, Und die Mirryland-Knaben beim Ballspiel Durchrennen es ebenso. Ausschaute die Judentochter:' „Komm Knab und speise mit mir!" „„Nicht ohne meine Gespielen Tret ich ein bei Dir."" Sie nahm einen roten Apfel In ihre weiße Hand; — Da brach der rote Apfel Des Knaben Widerstand. Sie hatte ein silbernes Messer, Das trennte gut und schnitt; Des Knaben Blut und Leben Trennte sie heut damit. Erst floß es rot und dunkel, Dann floß es dünn und hell. Zuletzt, da floß sein Herzblut, — Hin sank er auf der Schwell. Sie hüllte in Blei den Knaben, .„Schlaf fest!" sie leise rief, Sie trug ihn an den Ziehbrunn, War fünfzig Faden tief. — Nun klingen die Abendglocken, Und die heilige Mess' ist aus, Die Mütter, raschen Ganges, Tragen den Segen nach Haus. Sie denken ihrer Kinder, Und es lächelt ihr Gesicht; Sie finden ihre Kinder, Nur Lady Anna nicht. Sie leget nicht ab den Mantel, Ihr Herz ist bang und schwer, Sie läuft in die Judenvorstadt, — Wachte da keiner mehr. „O sprich, lieb Wilm, mein Süßer, Wo deine Mutter Dich find't?" „„Am Ziehbrunn. Lady Anna!"" Klang eine Stimm' im Wind. Lady Anna lief zum Ziehbrunn, Sie warf zur Erde sich: „O du mein Wilm, mein Süßer, Nur ein einzig Wörtlein sprich". „„Der Brunnen ist tief, lieb Mutter, Und das Blei ist gar so schwer, Und ein silbern Messer im Herzen, — Ich kann nicht sprechen mehr. Geh heim, geh heim, lieb Mutter, Kann länger nicht bei Dir stehn, lieber Mirryland weit über Will ich Dich Wiedersehn"". („Deulsch-soziale Blätter" v. 7. Febr. 1901.) Wie ängstlich man auch von nichtjüdischer Seite aus darauf bedacht ist, dem auserwählten Volke nicht auf die Zehen zu treten, zeigt eine geistreiche, aber geschmack- und pietätlose Aenderung, die der Geheime Regierungsrat und Schulrat vr. Beruh. Schulz zu Münster i. W. in der 10. Auflage seines deutschen Lesebuches für höhere Lehranstalten S. 498 in dem Rückertschen Gedichte „Vom Bäumlein, das. andere Blätter hat gewollt", vorgenommen hat. In der ursprünglichen Fassung heißt es: i) Antisemiten-Katechismus, S. 52 ff.