Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Die Juden in Deutschland III.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 131 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9038025-9038028-423321--394-185364- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
131 jeher seine Leser auf die verderbliche Thätigkeit der Juden hinweist und die Interessen des reellen Kaufmannsstandes, des soliden Handwerks und der Landleute vertritt. (Antisem. .Monatsblatt, 1. 9. 99). Als im November 1900 in dem bekannten Meineidsprozeß Masloff zu Könitz der Arbeiter Masloff zu 1 Jahr Zuchthaus verurteilt worden war, weil er bei seiner ersten zeugeneidlichen Vernehmung den Fleischdiebstahl verschwiegen hatte, da brachten die Judenblätter so haarsträubende Berichte zu Gunsten des arg blosgestellten Lewy (Könitz), daß sich die Verteidiger zn einer öffentlichen Erklärung genötigt sahen, in der sie die Bedeutung des Spruches klarstellten. Sie ist weiter unten in der Abhandlung über den Konitzer Mord abgedruckt. Im Januar 1901 brachten die Münchener Tagesblätter den Bericht einer Verhandlung gegen einen hochbetagten „Pfründner", der wegen Sittlichkeitsvergehens verurteilt worden war. Die Pfründner des St. Josefshospitals erlassen nun im katholischen „Neuen Münchener Tageblatts folgende Feststellung: „Um gegen üble Nachrede und falschen Verdacht gesichert zu sein, konstatieren wir, daß es der 83jährige Pfründner Anton.Blumgart, ein getaufter Jude, war, welcher in zwei Instanzen wegen Sittlichkeitsvergehens zu einem Monate Gefängnis verurteilt wurde. Der Herr Berichterstatter hätte im Interesse zahlreicher alter und ehrbarer Männer den Namen des Wüstlings der Oeffentlichkeit preisgeben sollen. Es ist eben Thatsache, daß, wenn es sich um einen jüdischen Schweinpelz handelt, die Preffe fast ohne Ausnahme eine ganz besondere „Diskretion" an den Tag legt." („Deutsches Blatt", 26. Januar 1901.) Das tollste aber ist folgendes Vorkommnis aus neuester Zeit, welches von Berliner Antisemiten gebührend festgenagelt und durch Massenverbreitung eines Flugblattes bekannt gegeben wurde. Bei Gelegenheit einer Judendebatte kam der Abg. Schneider am 10.11.99 im österr. Reichsrat auf den Fall von Tisz a-Eszlar zu sprechen und führte folgendes aus: Im Jahre 1883 wurde in Tisza-Eszlar (Ungarn) die 14 jährige Esther Salymosi unter Umständen ermordet, die auf Juden als Thäter hindeuteten. Die Leiden Söhne des Tempeldieners Scharf sagten aus, daß ihr in der Synagoge der Hals durchschnitten worden sei. Die verdächtigen Juden wurden angeklagt und — freigesprochen. Dann fuhr Schneider wörtlich fort: „Nun, der Ritualmord wurde in Tisza-Eszlar zur Evidenz erwiesen. Dennoch wurden die Schuldigen freigesprochen. Heute, da der Mann tot ist, kann ich Ihnen die Aufklärung für den Freispruch geben. Graf Andrassy (bekanntlich Leiter des österreichisch-ungarischen Reichsministeriums) wurde gefragt: „Glauben Sie, daß ein Ritualmord vorliegt?" — „O", sagte er, „selbstverständlich, er ist erwiesen; dieses läßt sich absolut nicht bestreiten." — „Ja, warum habt ihr denn nicht verurteilt?" — „Ja", sagte Andrassy, „da hätte am andern Tage das Volk vielleicht 20,000 Juden totgeschlagen, und woher nehmen wir dann das Geld, wenn wir keine Juden haben?" Diese Mitteilung des Abg. Schneider hatte natürlich die gewaltigste Erregung zur Folge, und die Gegner suchten die Wirkung abzuschwächen, indem sie dazwischen riefen: „Wem hat er es gesagt?" Da erhob sich der Abg. Prinz Liechtenstein und erklärte: „Mir hat er es gesagt!" — Wie ein unerwarteter Blitzstrahl beleuchtete dieser kurze Zwischenfall die Lage.. Und was hat nun, lieber Leser, deine Zeitung über diesen Vorfall geschrieben? — Die doch gewiß sensationelle Behauptung des Abg. Schneider wurde von denselben Blättern, die sonst das liebe lange Jahr auf der Jagd nach „Sensationen" zur Unterhaltung ihrer Leser sind, ängstlich vertuscht. Warum? Fragt die Juden!