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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1901-01-01 · Die Juden in Deutschland III. · p. Seite 126

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1901
Issue
Die Juden in Deutschland III.
Date
1901-01-01
Page
Seite 126 (sequence 27)
Language
German
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1261— hätten. Wahrlich ein schlechter Beweis für die so oft vom Regierungstisch verkündeten wohlwollenden Gesinnungen für das deutsche Handwerk! („Deutsch-soziale Blätter", 12. April 1900.) Die Kaiserliche Oberpostdirektion zu Berlin hat es für angezeigt gehalten, die zur Illumination am 18. Januar notwendigen Kerzen von einem Juden entnehmen zu lassen und zwar ans dem Geschäfte von Ferd. Jacoby, Alexanderstr. 63. Man sucht vergeblich nach Gründen, weshalb gerade einem Juden das Geschäft zugewendet werden mußte. („Staatsbürger Zeitung", 1. Februar 1901.) 6. Dem allzugroßen Entgegenkommen vieler Behörden gegenüber dem Judentum entspricht das häufige feindselige Verhalten derselben Organe gegen die Antisemiten. lieber die unzähligen Chikanierereien, die die antisemitischen Beamten von seiten ihrer Vorgesetzten zu erleiden haben und über die unglaublichen Schwierigkeiten, die der antisemitischen Agitation von seiten der meisten Behörden in den Weg gelegt werden, insbesondere beim Anmelden, Bekanntmachen und Abhalten der Versammlungen ließen sich ganze Bände schreiben, ohne das Thema zu erschöpfen. Wir begnügen uns mit der Anführung einiger besonders drastischer Beispiele. Im Jahre 1896 fand in Mainz eine Nachwahl zum Reichstage statt. Unserem Kandidaten, dem Bauer Wolf aus Stadecken, wurde auf sein Ansuchen die Stadthalle zur Abhaltung einer Versammlung von der Bürgermeisterei verweigert. Da erneuerten 14 angesehene Bürger von Mainz, darunter verschiedene Gymnasiallehrer, ein Landgerichtsrat, ein Rechtsanwalt das Gesuch, in dem sie ausführten, daß keiner von ihnen der deutsch-sozialen Reformpartei angehöre, daß aber nach dem Grundsatz: „Gleiches Recht für Alle" die Stadthalle, die allen übrigen Parteien offen stehe, auch den Antisemiten überlassen werden müsse. Das Gesuch wurde bewilligt. Doch nun erhob sich in der Mainzer Judenpresse, die sonst immer nach „Toleranz" für ihre Schützlinge schreit, eine unerhört wüste Hetze gegen die Antragsteller. Den Grundsatz „Gleiches Recht für alle" erkennt der Jude nur an, wenn es gilt, Vorteile für sich herauszuschlagen. Sobald er aber Antisemitismus wittert, verliert er die Besinnung, mit der „Toleranz" ist's aus, das Schimpfregister wird aufgezogen. Das Großherzogliche Gymnasium wurde als Brutstätte des Religionshasses gebrandmarkt, ein deutscher Richter wurde wegen seiner politischen Gesinnung verdächtigt, man rief nach der Polizei und nach der Behörde. Der Jude Hertzog, Pächter der Anschlagssäulen/ weigerte sich, die Bekanntmachung der Versammlung anzukleben, der bekannte Oskar Lehmann schrieb einen zwei Spalten langen Schmähartikel gegen den Antisemitismus. Der Oberschulrat Soldan äußerte in einer öffentlichen nationalliberalen Versammlung, er verurteile als Mensch die Handlungsweise dieser antisemitischen Herren auf das schärfste und was er als Beamter thun werde, solle man bald erfahren. Kurze Zeit darauf wurde Herr Oberlehrer Berger, den man als Urheber des Gesuchs ansah, strafweise von Mainz nach Wimpfen versetzt. („Frankfurter Post", 1. Dezember 1896.) Anfang November 1899 verkündeten Maueranschläge zu Elberfeld, daß der Reichstagsabgeordnete Raab dort über das Thema: „Die Juden sind unser Unglück" sprechen würde.. Die städtische Polizei-Verwaltung sah in dem Thema eine Beschimpfung des Judentums und ließ deshalb die bösen Worte „Die Juden sind unser Unglück" durch Ueberkleben unleserlich machen. Der im städtischen Verlage erscheinende „Tägliche Anzeiger" ging sogar noch weiter, er verweigerte einfach die Aufnahme der Ankündigung in seinen Anzeigenteil, während alle übrigen Zeitungen

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