Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Die Juden in Deutschland III.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 121 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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121 thal-Garbath und schließlich durch Beseitigung des trauten Namens „Rösenthal" nur noch I. Garbaty. („Staatsbürger-Zeitung", 29. Juli 1899.) Am 14. November 1899 brachte das Hamburger Handelsregister die Eintragung, daß der Fonds- und Wechselmakler Hermann Baruch seinen Namen in Barden abgeändert habe. Ende Dezember berief die Berliner Königliche Oper einen neuen Dirigenten, der stch Bruno Walter nennt, aber nach dem „Berliner Börsen Courier" noch vor wenigen Jahren Bruno Schlesinger hieß. Und Herr Dr. Jüdel (Berlin, Keithstraße) läßt einfach das anstößige „ü" aus seinem Namen weg und nennt stch fortan Or. Jdel. („Staatsbürger-Zeitung", 6. Januar 1900.) Zur selben Zeit drohte die Regierung den Brüdern, Hotelbesitzer und Hauptlehrer Kurczewski je 150 Mark Geldstrafe an, wenn sie nicht ihren angeborenen Namen Kurze führten. Das war zwar ganz in der Ordnung, aber das Recht, seinen Namen zu andern, scheint sonach im Deutschen Reiche nur der Jude zu haben. („Antisemitisches Monatsblatt", 1. Februar 1900.) Am 14. Februar 1900 wies der Abgeordnete Werner im Preußischen Landtage darauf hin, was für unerträgliche I Zustände dadurch entstehen, daß zahlreiche Behörden es Juden gestatten, ihre charakteristischen Namen mit deutsch klingenden, d. h. solchen, die deutsche Familien führen, zu vertauschen. Das Verständnis für die Bedeutung dieser Frage scheint jedoch in Regierungskreiscn immer noch nicht erwacht zu sein. Wenigstens konnte der Rechtsanwalt Max Kohn in Berlin Rundschreiben versenden. er werde stch vom 1. April d I. ab Kornelius nennen; unter den Eintragungen in das Hamburger Handelsregister findet fich unterm 5. April die Bekanntmachung, dem Kaufmann Pin- -eus, Dundee und Hamburg, sei sein Name in „Paullig" verändert worden. Wenige Tage später teilten die Zeitungen mit, dem Amtsrichter Cohn in Bartenstein sei gestattet, stch Clar zu nennen, den drei Söhnen des Professors Krakauer in Breslau, den Namen Karsen zu führen, der Familie Schm ul zu Wreschen, sich Salvach zu nennen. („Antisemitisches Monatsblatt", 1. Mai 1900) Endlich im Mai 1900, als die Zeitungsmeldungen von jüdischen Namensänderungen sich fortgesetzt häuften, sah sich derpreußische Minister des Innern veranlaßt, durch Cirkularerlaß an die zuständigen Behörden zu bestimmen, daß künftig solchen jüdischen Gesuchen nicht ohne die vorher einzuholende Ermächtigung des Ministers Folge gegeben werden dürfe. („Staatsbürger-Zeitung", 30. Mai 1900.) Es war auch wirklich die höchste Zeit! Der erfindungsreiche Jude weiß fich aber trotzdem zu helfen: er läßt fich einfach — adoptieren. Im „Hamburger Fremdenblatt" vom 17. Februar 1901 finden wir folgende Anzeige: „Hierdurch beehre ich mich ergebenst anzuzeigen, daß ich die Herren Dr. jur. Hugo Ernst Jonassohn und Richard.,Bruno Jonassohn adoptiert habe. Halle a. S., Februar 1901. Professor Dr. Alfred Kirchhoff. — Unter Bezugnahme auf vorstehende Anzeige beehren wir uns hierdurch ergebenst mitzuteilen, daß wir hinfort den Familiennamen Kirchhoff führen werden, Hamburg, Februar 1901. Dr. jur. Hugo Ernst Jonassohn. Richard Bruno Jonassohn. ä. Sehen wir uns nun einmal das Verhalten einzelner behördlicher Organe in verschiedenen Zweigen unserer Verwaltung gegenüber dem Judentum etwas genauer an. a. Die Schulbehörden. Die jüdischen Kinder brauchen an ihren Festtagen die Schule nicht zu besuchen, sie können ferner nicht gezwungen werden, am Sonnabend zu schreiben. Der ganze Schulorganismus muß darauf Rücksicht nehmen und wird dadurch nicht unerheblich beeinflußt. Die jüdischen Kinder haben ferner das Vorrecht, daß sie keinen Unterricht in der Religion nachzuweisen brauchen und beim Reifeexamen keine Religionsprüfung