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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1901-01-01 · Die Juden in Deutschland III. · p. Seite 110

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1901
Issue
Die Juden in Deutschland III.
Date
1901-01-01
Page
Seite 110 (sequence 11)
Language
German
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Wie die „Frankfurter Zeitung" mitteilt, schrieb die Freifrau Karl von. Rothschild am 29. März 1890 folgenden Brief an Kaiser Wilhelm II., dessen schon im Jahrbuch für 1897, S. 108, kurz Erwähnung gethan ist. Hier ist der Ort, ihn vollständig abzudrucken. „Darf eine völlig Fremde Verzeihung hoffen, wenn sie es wagt, Ew. Kaiserlichen Majestät in einer Angelegenheit, die ihr sehr am Herzen liegt, zu nahen? Es ermutigt mich dazu der Gedanke, daß mein seliger Gatte, Baron Karl von Rothschild, viele Jahre lang durch die Freundschaft und das Vertrauen des hochverehrten Großvaters Ew. K. Majestät ausgezeichnet worden, und daß ich selbst, während eines Zeitraumes von 20 Jahren, zahlreiche Beweise gnädigster Zuneigung von seiten der Kaiserin Augusta empfangen habe, deren Andenken mir stets teuer bleiben wird. Ew. Kaiserl. Majestät haben jüngst eine so erhabene Vorurteilslosigkeit, so tiefes Mitgefühl für die Armen und Bedrückten, soviel Fürsorge, Scharfblick und Festigkeit bekundet, daß es die tiefste Bewunderung erregen, die freudigsten Erwartungen nicht nur für Deutschland, sondern für ganz Europa erwecken muß. So darf auch ich denn hoffen, den Gerechtigkeitssinn Ew. K. Majestät nicht vergebens anzurufen,' wenn ich Sie beschwöre, die Lage Ihrer jüdischen Unterthanen in gnädige Erwägung ziehen und hierbei fremdem Vorurteil und Uebelwollen keinen Einfluß gestatten zu wollen. Glauben Sie mir, dieselben gehören zu Ew. Majestät.getreuesten und ergebensten Unterthanen, und ich denke, es dürste sich kein einziger Fall finden, wo sie gegen ihr Vaterland sich vergangen hätten.2) Was ist's, das gegen sie vorgebracht Dazu bemerkt die „Deutsche Wacl „Diese Aufdringlichkeit und Kriecherei vor hochstehenden Persönlichkeiten, nur um für sich oder seine Leute etwas herauszuschlagen, ist echt jüdisch. Darin handelt die hochgeborene Freifrau von Rothschild genau so jüdisch und genau so verächtlich, wie der jüdische Schnorrer aus Polen. Die Schale mag anders sein, der Kern ist derselbe. Er verändert sich weder durch den Lauf der Jahrhunderte, noch durch den Besitz von Milliarden, noch durch den Umgang mit wird? Sie lieben das Geld, heißt esl ihr einziges Begehren sei, Reichtümer anzuhäufen. Aber welche andere Laufbahn, als die des Handels und des Gelderwerbes ist ihnen offen gelassen worden? In welcher anderen- Weise konnten sie ihren-Verstand, ihre Beharrlichkeit, ihre Tyatkraft zur Geltung bringen? Bis ganz vor kurzem war ihnen nicht ein einziger Amtsberuf, sei es im Bereiche der Wissenschaft, sei es im Staatsdienst,, zugänglich gewesen; Geschlecht auf Ge- . schlecht ging dahin und sie hatten immer nur eine Möglichkeit vor Augen: diejenige, sich ein Vermögen zu machen. Schon hatte dieser ungerechte Zustand sich glücklich zu bessern begonnen, aber ach! nun droht er, durch eine seltsame Rückkehr zur Härte und zum Vorurteil, aufs neue hervorzubrechen. Ew. K. Majestät ist zu gerecht, zu erleuchtet, um solche Behandlung eines Teils Ihrer Unterthanen zuzulassen; Sie werden dem Antriebe Ihres eigenen Herzens,, der Leuchte Ihres eigenen Geistes,. dem Zuge der Gnade und der Gerechtigkeit folgen und der Engherzigkeit derer kein Gehör geben,, welche, dem Geiste ihrer eigenen. Religion zum Trotz, die das Erbarmen und Wohlwollen gegen, alle unsere Nebenmenschen predigt, einen Teil der Unterthanen Ew.. Majestät, auf dessen Hingebung und Vaterlandsliebe Sie vertrauensvoll rechnen dürfen, verfolgen und mit grenzenloser Ungerechtigkeit behandeln möchten." („Tägl. Rundschau", 22. Dezember 1894.)- vom 24. Dezember 1894: Kaisern und Königen, noch durch Ber--' schwägerung mit Fürsten und Herzögen. — Wie widerlich ist diese Anhäufung byzantinischer Schmeicheleien: erhabene Vorurteilslosigkeit, Fürsorge, Scharfblick und Festigkeit, tiefste Bewunderung, Gerechtigkeitssinn, Erleuchtung, Antrieb des eigenen Herzens, Leuchte des eigenen Geistes, Zug der Gnade und Gerechtigkeit . . . Unseren Kaiser Wilhelm I. einen Freund des Judenmiüionärs zu nennen,, das ist jüdische Uebertreibung, die ge-- 9 Vergl. darüber Antisemitisches Jahrbuch I960, S. 41 ss.

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