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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1901-01-01 · Die Juden in Deutschland III. · p. Seite 109

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1901
Issue
Die Juden in Deutschland III.
Date
1901-01-01
Page
Seite 109 (sequence 10)
Language
German
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109 — ^,daß ohne den Willen ihres Gemahls keine Kriege zu stände kommen könnten". Demnach hätten die Monarchen schon eins ihrer wichtigsten Rechte, die Entscheidung über Krieg und Frieden, an den König der Könige, Rothschild, abtreten müssen. Nun einige Beispiele für das Gesagte: a. Besonders ist der Großherzog Friedrich von Baden stets dem jüdischen Liebeswerben ausgesetzt gewesen. Vielleicht nehmen ihn die Luden nicht ganz mit Unrecht als ihren Freund in Anspruch, obwohl auch Aeußerungen des Herrschers bekannt geworden sind, die auf große Zuneigung zu den Juden nicht gerade schließen lassen. Im Jahre 1895 richtete der Großherzog anläßlich des Ablebens des Juden Adolf Bielefeld, der lange Jahre dem Oberrate der badischen Israeliten als Mitglied angehörte, an dessen Sohn, Herrn Konsul Joses Bielefeld, das nachstehende Telegramm: „Die Großherzogin und ich senden Ihnen unser herzlichstes Beileid an dem Verluste Ihres verehrten Vaters. Wir teilen Ihre tiefe Trauer im Andenken an die verdienstvolle Lebensbahn Ihres lieben Vaters. Unsere Mitempfindung an Ihrem Schmerze ist eine recht innige. In treuem Gedächtnis bleibt die werte Erinnerung an die Lebenszeit Ihres Vaters, unseres lieben Zeitgenossen. Friedrich, Großherzog." Die „Deutsche Wacht" (16. Juli 1895) knüpft daran die Frage: „Wird den übrigen deutschen Landeskindern in Baden dieselbe Teilnahme bewiesen?" Im August 1899 ging der Jude Dr. Berliner in St. Moritz den Großherzog von Baden an, und bald darauf verkündete die Judenpresse der ganzen Welt, der Großherzog habe mit Bezug auf die Antisemiten geäußert: „Sie wissen. .Herr Doktor, wie sich auch in unserem Vaterlande eine gewisse Partei zusammengethan hat, um sich politisch aufzuspielen, aber nur aus Eigennutz und speziellem Interesse, ein Verderbnis unserer Zeit, aber sie wird nicht mehr schaden; denn sie hört auf und verschwindet." Ist die Aeußerung wirklich gefallen, so beweist sie eben nur, daß der Großherzog leider über unsere ideale und wahrhaft nationale Beilegung äußerst schlecht unterrichtet ist. — Wie weit das Judentum aber dem Groß- Herzog gegenüber zu gehen wagt, mag man daraus ersehen, daß am Neujahrstage 1.900, als das Großherzogliche Paar im Hoftheater zu Karlsruhe erschien, der Jude Prof. Gold sch mit „in kurzen warmen Worten den Gefühlen der Treue zum .Fürstenhaus Ausdruck gab, die in ein Hoch ausklangen". („Deutsch-soziale Blätter". 18. Januar 1900.) b. Vom Könige Wilhelm II. von Württemberg erzählt das „Deutsche Volksblatt" vom 16. Januar 1901 folgende Geschichte: Der jüdische Schriftsteller .Martin Stein hatte den König'zum Jahreswechsel angedichtet und empfing dafür u)as nachstehende huldvolle Schreiben: „Ew. Wohlgeboren beehre ich mich höchstem Befehle gemäß mitzuteilen, daß Se. Majestät der König von Württemberg, mein -gnädigster Herr, Ihre poetischen Glück- und Segenswünsche aus Anlaß der Jahreswende mit Wohlgefallen entgegengenommen hat und Ihnen für die dadurch bethätigte Aufmerksamkeit Allerhöchst Seinen verbindlichsten Dank aussprechen läßt. Mit hochachtungsvollen Gesinnungen der Kabinetschef (gez.) Gemmingen." e. Auch an unseren Kaiser Wilhelm II. drängen sich die Juden mit großer Zähigkeit heran und es mutz den Vaterlandsfreund mit Wehmut erfüllen, daß dieser Gesellschaft nicht immer dieselbe gebührende Abfertigung zuteil geworden Ist, deren sich z. B. die Freifrau Karl von Rothschild (Frankfurt a. M.) rühmen darf.

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