Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Diplomatie und Hochfinanz in der rumänischen Judenfrage.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 97 (sequence 29)
- Language
- German
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97 Im Grunde genommen hattendie Mächte ihre Forderungen nur auf dem Papier durchgesetzt. Thatsächlich blieb es den gesetzgebenden Körperschaften Rumäniens Vorbehalten, von Fall zu Fall die Naturalisation der Juden zu genehmigen oder nicht. Diese Genehmigung wurde später nur in wenigen Fällen zugestanden. Mit dieser Lösung waren., die Staatsmänner des Auslandes wenig zufrieden. Aus Paris wurde gemeldet, daß zur Verwischung des ungünstigen Eindrucks die Kammern sofort einer beträchtlichen Anzahl von Juden das Bürgerrecht verleihen müßten. Das geschah dann auch insofern, als 900 Juden, die unter rumänischer Fahne den Feldzug mitgemacht hatten, en bioc die Naturalisation erhielten. Fürst Karl erklärte später diese, wenn auch unvollständige Lösung der Judenfrage für die einzige Möglichkeit mit dem Hinzufügen, daß die rumänischen Juden vernünftig genug seien, um sich zufrieden zu geben. Noch immer zögerten die Mächte mit der Anerkennung Rumäniens. In Paris und London war man dazu bereit, jedoch mit einem Vorbehalt. Man wollte vorher auf das Rundschreiben der rumänischen Regierung und den Artikel 44 des Berliner Vertrages eine Antwort erteilen. Rumänien erklärte indessen, in dem Akte der Anerkennung seiner Unabhängigkeit keine Klausel dulden, zu können, sondern eine bedingungslose Anerkennung erhalten zu wollen. Darauf versicherte man von Paris aus, man wolle nur das Bedauern der Mächte darüber ausdrücken, daß die Reform zu Gunsten der Juden in Rumänien vorläufig noch nicht habe weiter .ausgedehnt werden können, und die Hoffnung, daß dies allmählich' geschehen werde. In ihrer gemeinsamen Note von Mitte Februar 1880, worin Deutschland England und Frankreich die Unabhängigkeit Rumäniens anerkannten, wurde die Abänderung der rumänischen Verfassung als nicht ganz genügend bemängelt und die Erwartung hinzugefügt, daß der gute Wille der rumänischen Regierung mehr und Mehr dieliberale Anschauung verwirklichen würde. Wie Radowitz später mitteilte, war es Deutschland, das England und Frankreich davon abhielt, das Naturalisationsgesetz für ungenügend zu erklären. „Es war eine der schwersten politischen Geburten", schrieb Fürst Karl Anton unterm 23. Februar an seinen Sohn, „die endliche Anerkennung der vollen rumänischen Unabhängigkeit." Fürst Karl Anton meinte dann mit Bezug auf die Bemängelung der Mächte, „alles, was drum und dran hängt, paßt in mehr als einer Hinsicht ebensogut auf alle anderen Staaten, die von den Bestimmungen des Berliner Vertrags betroffen worden sind, und bei denen man offenbar ein anderes und rücksichtsvolleres Maß anwendet als gerade bei dem schwergeprüften und über alle Gebühr hingehaltenen Rumänien!" In einem längeren Brief vom 12. März 1880 schüttete Fürst Karl dem Deutschen Kronprinzen sein Herz aus. „Es war eine harte und schwierige Zeit, die auf einen siegreichen Krieg folgte, an den sich so viele Hoffnungen und Erwartungen .geknüpft hatten; und es gehörte große Geduld und viel Selbstvertrauen dazu, sich in das Unvermeidliche zu fügen und all die Bedingungen zu erfüllen, die gestellt wurden, um Rumänien in die europäische Staatenfamilie auszunehmen." Damals und heute. Genug davon. Seit der Wiederaufrichtung Rumäniens unter dem Hohen- Zollernfürsten agitierte und intriguierte das europäische Judentum durch seine Organe insbesondere durch seine Presse und Vereine, nicht zuletzt aber auch durch die Hoch- >finanz zu Gunsten der rumänischen Juden und ihrer Emanzipation. Um die Zeit