Mannheim
Compact Memory

Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1901-01-01 · Diplomatie und Hochfinanz in der rumänischen Judenfrage. · p. Seite 98

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1901
Issue
Diplomatie und Hochfinanz in der rumänischen Judenfrage.
Date
1901-01-01
Page
Seite 98 (sequence 30)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/9038025-9038028-423320--360-185331
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

98 der Berliner Friedensverhandlungen von 1879 konnte Fürst Karl von Rumänien mit Recht von einer „organisierten Verfolgung Rumäniens" sprechen. Aus den angeführten Thatsachen, die, wie schon gesagt, dem halbamtlichen Werke „Aus dem Leben König Karls von Rumänien" entnommen und unbestreitbar sind, geht hervor, welchen erstaunlichen Einfluß viele Jahre hindurch die jüdische Agitation auf die öffentliche Meinung in Europa, ja selbst auf die Diplomatieder Großmächte ausgeübt hat. Erst als der Bogen zu straff gezogen wurde, bewirkte die jüdische Ueberhebung einen Rückschlag zunächst in den Kreisen der Mächte, sodann aber auch bei der öffentlichen Meinung Europas. So kam es, daß schließlich die jüdische Agitation gegen Rumänien, obwohl sie ihre ganze Kraft eingesetzt hatte, fehlschlug- Rumänien machte Zugeständnisse lediglich in der Form. Artikel 44 des Berliner Friedens wurde durch.Artikel 6 der rumänischen Verfassung in Kraft gesetzt, aber nur auf dem Papier. Die staatsbürgerliche Gleichstellung der Juden in Rumänien ist nicht durchgeführt worden und wird in absehbarer Zeit nicht durchgeführt werden weil sich dazu kein rumänischer Staatsmann bereit finden lassen kann. Im Oktober 1900 veröffentlichten die jüdischen Gemeinden einen Proteste worin sie ihre alten Forderungen aufs neue erhoben und begründeten. Allein die Presse nahm keinerlei Kenntnis davon, nur das „Berliner Tageblatt" besprach diesen- Protest am 20. Oktober und wetterte gegen die früheren rumänischen Minister undsprach von „ungeheuerlichen Schandthaten", welche die Minister König Karols. au den rumänischen Israeliten unausgesetzt verüben dürfen. „Das ist ja die verruchte' Bosheit jener rumänischen Machthaber, daß sie mit einer Stirn von Bronze die Behauptung in die Welt schleudern, es gäbe für sie gar keine rumänische Judenfrage, diese sei längst gesetzlich geregelt" u. s. w. Von jüdischer Seite wurde die rumänische Judenfrage am 31. Juli 1900 im englischen Unterhause zur Sprache gebracht, indessen erklärte Parlamentsuntersekretär Brodrick, daß gute Gründe für die Behauptung, es seien die rumänischen Judeu durch üble Behandlung von Seiten der Behörden zur Auswanderung gedrängt worden, nicht vorhanden seien. Da die englische Regierung keine Klagen erhielt,, könne sie auch keine Vorstellungen bei der rumänischen Regierung erheben. In Bukarest würde man übrigens derartige Vorstellungen ernstlich zurückgewiesen Hallen,, da man dort die Behandlung der rumänischen Juden als eine innere Angelegenheit betrachtet. England wäre beiläufig bemerkt die letzte. Macht, die solche Vorstellungen erheben könnte, denn es ließ sich gerade damals in Südafrika die grausamsten Vergewaltigungen der Buren und ihrer Familien zu Schulden kommen. Unter den Mächten ist auch sonst ein entschiedener Umschwung ein getreten.. Heute wird sich keine Macht finden, um auf Rumänien einen Druck im Interesse der dortigen Juden auszuüben. Im Gegenteil, alle Staaten, selbst die liberale ungarische Regierung, beeilten sich, als die Auswanderung der rumänischen Juden im Frühjahr 1900 begann, mit den schärfsten Maßregeln diese Elemente zurückzuhalten und erkannten dadurch auch ihrerseits an, daß Rumänien gute Gründe hatte und in seinem Recht war, als es die Gewährung der bürgerlichen Gleichberechtigung an seine jüdische Bevölkerung verweigerte. Wer daraus schließen wollte, daß der jüdische Einfluß auf die öffentliche Meinung wie auf die Diplomatie gebrochen worden ist, würde sich täuschen. Nochheute besteht die ^llianee ImaelLte Univorsolls mit ihrer weitverzweigten Organisation, mit ihren offiziellen Agenten, mit ihren zahllosen freiwilligen Helfern, mit ihren Affiliierten vei der Hochfinanz und mit der allzeit dienstbereiten jüdischen und judenfreundlichen Presse. Aber diese Organisation hat lange nicht mehr den Einfluß.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.