Mannheim
Compact Memory

Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1901-01-01 · Diplomatie und Hochfinanz in der rumänischen Judenfrage. · p. Seite 95

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1901
Issue
Diplomatie und Hochfinanz in der rumänischen Judenfrage.
Date
1901-01-01
Page
Seite 95 (sequence 27)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9038025-9038028-423320--357-185328
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

95 sührung der Kongretzbestimmungen aussprechen müssen, jedoch bei jeder. Gelegenheit, verlangt, daß man. in der Judenfrage nicht dränge, denn ich weiß aus Erfahrung, was die Juden in jenen Gegenden sind — angefangen mit Posen, Polen, Litauen und Wolhynien —, und die rumänischen Juden sollen noch schlimmer sein! Die ganze-Judenfrage dort ist von England so heftig verfochten worden; Lord Odo- Ruffel selbst hat mir auf meine Vorstellungen das eingestanden, und zwar mit einer Geste, die sein Nichteinverständnis andeutete. Diese meine Stellung zur Judenfrage, von der die Anerkennung des Vetters als selbständigen Souveräns abhängt, habe ich dem Fürsten von Hohenzollern auseinandergesetzt, als er sich bei mir über diezu große Schärfe.unserer Note sehr erregt beklagte, ich fügte jedoch hinzu, daß die fragliche Note mir unbekannt sei. Auf meine Nachfrage dieserhalb ist mir gerade gestern ein neuester Erlaß nach Bukarest vorgelegt worden, der dahin geht, daß die Konferenzmächte sich begnügen würden, wenn nur die Aufhebung des hemmenden Artikels der rumänischen Verfassung als Prinzip anerkannt, der Ausführungsmodus aber einer späteren Zeit Vorbehalten würde, bis nach der Verständigung zwischen Regierung und Kammer. Wenn dieser Modus 'angenommen würde, so stände der Anerkennung des Fürsten nichts mehr im Wege. Ich trage Dir auf, das in. Krauchenwies genau mitzuteilen, sowie daß ich glaube, Karl von Rumänien mit seinem Ministerium, das freilich eben gewechselt ist, solle diesen Modus annehmen, und die Kammern müßten dann Selbstbeschränkung üben! Du wirst dich erinnern,, daß ich immer die Partei des rumänischen Gouvernements nahm, wenn in früheren Zeiten Excesse zwischen Christen und Juden vorkamen, während England immer die andere Seite Hielt, weil es in jedem Juden einen gebildeten Rothschild sieht." Mitte August trafen in Bukarest Nachrichten ein, die Kaiser Wilhelms Ankündigung bestätigten. Alle Mächte zeigten sich mit der Durchführung des Judenartikels des Berliner Vertrags einverstanden, einerlei, ob nach Kategorien oder nach Listen, wenn nur das Prinzip sofort Anwendung findet durch eine größere Anzahl Naturalisierungen von Juden. Gleichzeitig meldete der rumänische Vertreter aus Petersburg, daß Minister von Giers sich sehr wohlwollend über die rumänische Judenfrage ausgesprochen habe. Am 20. August konnte Fürst Karl seinem Vater mitteilen, daß er mit der Judenfrage, mit dieser harten Nuß, doch zu Ende kommen werde. „Jetzt schon hat sich in Berlin der Wind zu unseren Gunsten gedreht, wozu zwei Faktoren beigetragen haben mögen: die Intervention des deutschen Kaisers, die ich Dir, lieber Vater, verdanke — sein Brief an die Kaiserin ist für mich von hohem Wert —, und der Auftrag, den ich Sturdza gegeben, nämlich Radowitz in Berlin zu erklären, daß mir das Vorgehen Bismarcks, welches hier nur ernste, von mir nicht mehr zu bewältigende Komplikationen herbeiführen müsse, rein unbegreiflich sei! In den Listen werden dieselben Juden figurieren, die die Kategorien umfaßt hätten, nur namentlich aufgeführt. O'est uns üns88s ä'avseat. — In Wien und Berlin sagte man, daß man auf dem Prinzip bestehe, welches sofort für eine gewisse Anzahl von Juden zur Anwendung kommen müsse; der wocku8 sei unsere Sache." In der „Kreuzzeitung" vom 30. und 31. Juli 1879 veröffentlichte Professor Dr. Geffcken in Straßburg zwei Aufsätze über die Judenfrage. Fürst Karl Anton schrieb dazu seinem Sohne: „Es macht sich allgemein eine mildere Auffassung geltend, und wesentlich tragen dazu die Angriffe der russischen Presse gegen die deutsche Politik bei. Es ist ein wahrer Segen für Rumänien, daß durch einen sich anbahnenden Widerstreit deutscher und russischer Interessen Deutschland wider Willen zur Parteinahme für Rumänien sich gezwungen sehen muß!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.