Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Diplomatie und Hochfinanz in der rumänischen Judenfrage.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 26)
- Language
- German
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94 Berliner Kongresses an seinen Wunden darniedergelegen, so würde er niemals die Ausrollung dieser Frage in der heutigen Ausdehnung zugegeben haben! — Kurz, und gut, ich habe die Ueberzeugung, daß der Reichskanzler den Kaiser in dieser Angelegenheit nicht befragt, oder sie ihm nicht erschöpfend vorgetragen hat. Wenn nun auch mein Francparler keine direkten Wirkungen haben wird, so ist es doch gewiß, heilsam gewesen, dem Kaiser die Augen zu öffnen; er wird jedenfalls den Forderungen. Bismarcks einigen Widerstand entgegensetzen und sich genauer und gründlicher orientieren. Ich sagte ihm noch, dieses Verfahren hieße, Rumänien in die Arme Rußlands treiben, und bei aller persönlichen Sympathie für den Kaiser Alexander, könne man sich nicht verhehlen, daß dadurch eine vollständige Verrückung des Gleichgewichts im Osten Europas eintreten müßte! Alles das sah der Kaiser ein und würdigte es; er drückte nebenbei sein Bedauern darüber aus, daß er Dir noch nicht den Schwarzen Adler habe verleihen können, es solle aber umgehend geschehen, sobald die Judenfrage von der Tagesordnung verschwunden sein werde." Wie er selbst später schrieb, hat Fürst Karl Anton bei dem Zusammensein mit dem alten Kaiser eine kräftige Lanze in der rumänischen Judenfrage für seinen Sohn gebrochen. In seiner Antwort klagte Fürst Karl, daß die unglückselige Judenfrage zn einem wahren Riesenkampf geworden sei, der mit dem In- und Auslande aus^ gefochten werden müsse. Fürst Karl schrieb seinem Vater Ende Juli 1879 ferner, daß er die Entlassung des Ministeriums angenommen habe. Sodann beriet er sich mit den Parteihäuptern und verlangte, daß die Volksvertretung für die Juden frage eine Lösung fände, die vor allem die ökonomischen Interessen des Landes wahrte und den Großmächten die Möglichkeit verschaffte, sich zufrieden zu geben. Zum Schluffe erklärte der Fürst, die Mittel würden gefunden werden, um den Jntriguen Einhalt zu thun; er könnte nicht zulassen, daß Europa Grund gegeben würde, deo so schwer erkämpften Selbständigkeit des Landes die Sanktion zu verweigern: Von heute ab würde er nur an der Spitze eines unabhängigen,, durch europäisches Recht garantierten Rumäniens stehen; sollte es aber anders kommen, so würde die Geschichte diejenigen verantwortlich machen, die die Katastrophe heraufbeschworen! Aus dem Brief des Fürsten Karl von Ende Juli 1879 ist ersichtlich, daß. nunmehr die Großmächte, die noch vor kurzem sehr drohend auftraten, ihre Anforderungen bedeutend ermäßigten. „Wir hatten", schreibt Fürst Karl, „einen Wochenlangen Depeschenwechsel mit allen Kabinetten, welche die Theorie der Judenemanzipation vertraten, während wir uns auf das Terrain der Naturalisation stellten, gleichzeitig aber versprachen, dieses Prinzip durch sofortige Aufnahme einer größeren Anzahl von Israeliten als rumänische Bürger zu konsakrieren." Fürst. Karl hoffte endlich, daß die Judenfrage zur allseitigen Befriedigung von der Tagesordnung verschwinden werde. „Die Großmächte", schreibt er, „sind dieser Angelegenheit müde und durch all die Aufschübe und Schwierigkeiten weniger anspruchsvoll, geworden, so daß sie sich mit billigen Vorschlägen einverstanden erklären werden. Uebrigens haben sich unterdessen die Dispositionen in Berlin gebessert, man zeigt sich dort nachgiebiger, ein Umschwung, der nach dem Bruche des eisernen Kanzlers mit den Nationalliberalen (also Laster) — wie der Fürst einschaltet — eingetreten ist." Hochbedeutsam war ein Schreiben des Kaisers Wilhelm vom 25. Juli 1879 aus Gastein an den Fürsten Karl Anton von Hohenzollern, worin es hieß: „Was Rumänien betrifft, so habe ich, wie Du weißt, von Haus aus den Kongreßbeschluß', in der Judenfrage aufs äußerste gemißbiüigt, freilich nur axres coup, da ich die Geschäfte nicht führte. ° Seitdem habe ich mich natürlich nur für die strikte Aus--