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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1901-01-01 · Diplomatie und Hochfinanz in der rumänischen Judenfrage. · p. Seite 93

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1901
Issue
Diplomatie und Hochfinanz in der rumänischen Judenfrage.
Date
1901-01-01
Page
Seite 93 (sequence 25)
Language
German
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93 werde soviel wie möglich daran mildern. Fürst Bismarck verstehe Wohl, daß man in einer so wichtigen Frage nicht im Eilmarsch, sondern in Etappen Vorgehen müsse. In Rumänien gäbe es viele Juden, und zwar seien sie in gewissen Teilen des Landes zusammengedrängt; daß früher keine einschränkenden Gesetze gegen ihre Einwanderung existiert hätten, sei ein Mangel an Voraussicht gewesen, der heute die Lage sehr erschwere. Die Rumänen müßten den Kampf auf ökonomischem Gebiete eröffnen: arbeiten und sparen, Bodenkreditbanken auf Gegenseitigkeit gründen u. f. w. Solche Banken hätten viel dazu beigetragen, den preußischen Grundbesitz zu kräftigen. Ein Appell König Karls. An den deutschen Generalkonsul Bamberg schrieb König Karl — damals noch Fürst — am 5. Juli 1879: „Was die aufrichtigen und vorurteilslos an die Judenfrage herantretenden Leute besonders besorgt macht, ist die starke Verschuldung des Großgrundbesitzes; Rumänien hat keine Majorate, die Güter gehen aus einer Hand in die andere, und von dem Tage ab, wo die Juden dieselben kaufen könnten, würden ihnen alle von Rechtswegen zufallen, da sämtliche Hypotheken in ihren Händen sind! Deshalb herrscht hier eine so starke Strömung, den Erwerb von Grundbesitz an den Genuß der politischen Rechte zu knüpfen." Am 24. Februar 1880 schrieb Fürst Karl Anton seinem Sohn: „Für Deutschland und die Mächte wäre es jetzt an der Zeit, Rumänien ein gewisses Entgegenkommen zu bezeigen, nachdem man so lange an ihm — gleichsam als an einem aoaü'rs-äoulsur — herumgezerrt und seine vitalen Interessen geschädigt hat! Jede Sache hat aber auch ihre drollige Seite: so setzt in Preußen die evangelische Pastorenpartei mit einigem Erfolge eine antisemitische Bewegung in Scene, und die konservative Partei unterstützt dieses recht gefahrvolle Experiment, während zur selben Zeit die deutsche Regierung den Bestrebungen der Alliance israelite in Rumänien allen Vorschub leistet oder doch geleistet hat — als ob die orientalischen Juden besser wären als die occidentalen! Wenn es so fortgeht, erleben wir hier noch eine Judenhetze, und sodann müßten die übrigen Großmächte das Deutsche Reich in Verruf erklären, wenn sie anders den Forderungen des Berliner Vertrags treu bleiben wollten!" Kaiser Wilhelms Eingreifen. In einem Briefe vom 9. Juli 1879 hatte Fürst Karl. Anton von Hohenzollern die Hoffnung ausgesprochen, den Kaiser Wilhelm in der Mainau Ende Juli zu sehen und in aller Offenheit das Kapitel Rumänien mit ihm zu besprechen. In der That traf Fürst Karl Anton mit Kaiser Wilhelm Ende Juli zusammen und berichtete einem Sohne ausführlich über seine Unterredungen mit dem Kaiser. Fürst Karl Anton erhielt dabei den Eindruck, daß man offenbar den Kaiser nicht auf der Höhe der Situation gehalten habe. Fürst Karl Anton schrieb: Er schob alsbald die ganze Schuld auf England, welches die Judenfrage am rücksichtslosesten betreibe und von dessen Politik die deutsche sich nicht trennen könne. „Als ich ihm nun das gerade Gegenteil bewies und mit der sich in England immer mehr Bahn brechenden Mäßigung das schroffe, den Umständen nirgends Rechnung tragende Auftreten Deutschlands verglich, war der Kaiser aufs höchste erstaunt, er wollte es gar nicht glauben und sagte, daß die Judenfrage ihm überhaupt antipathisch sei, da er von Polen und Rußland her ähnliche Verhältnisse kenne; hätte er nicht während des

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