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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1901-01-01 · Diplomatie und Hochfinanz in der rumänischen Judenfrage. · p. Seite 92

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1901
Issue
Diplomatie und Hochfinanz in der rumänischen Judenfrage.
Date
1901-01-01
Page
Seite 92 (sequence 24)
Language
German
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92 zum Ausgangspunkt einer allgemein europäischen machen, und es ist nicht zu zweifeln, daß sehr böse Tage Dir bevorstehen .... Alles das zusammengenommen macht mich doch sehr besorgt, und ich finde mit Dir diese Krisis die allergefährlichste, welche Du während Deiner Regierungszeit zu überstehen gehabt hast. Ich glaube jedoch, es ließe sich immerhin ein Ausweg finden, formell den Ansprüchen des Bkrliner Kongresses und materiell den berechtigten Interessen Rumäniens gerecht zu werden. . Nur keine Restriktionen und Ausnahmebestimmungen, die stets einen Grund bieten würden, daß die entscheidenden Mächte sich nicht für befriedigt erachten könnten." Am 16. Juli 1879 telegraphierte der Vertreter Rumäniens SLurdza aus Berlin, daß von Radowitz ihm gesagt habe, Rumänien müsse sich durchaus den Bedingungen des Vertrages fügen; je länger es zögere, desto mehr reize es die Großmächte. Die Mächte hätten einen Kollektivschritt nur deshalb aufgeschoben, damit Rumänien eine Frist erhalte, nachzudenken; sollte letzteres aber hartnäckig bleiben und den Artikel 44 unausgeführt lassen, dann habe Radowitz Instruktion, gegen Rumänien vorzugehen, und Europa sei entschlossen, die Mittel zur Durchsetzung seines Willens zu finden. Zwei Tage später meldet Sturdza aus Berlin, daß Radowitz ihm gesagt habe, eine Vertagung der rumänischen Kammer würde einen sehr schlechten Eindruck machen; die Mächte verlangten ja nur, daß das Prinzip religiöser Gleichstellung in die Konstitution eingefügt, und dann ein loyaler Anfang, dieses Prinzip zur Anwendung zu bringen, gemacht werde. Der englische Generalkonsul White, der aus London zurückgekehrt war, schilderte dem Fürsten die Gefahren, denen Rumänien sich durch Verschleppung der Judenfrage anssetze. Auch Frankreich empfahl Nachgiebigkeit, gerade weil es Rumänien wohlwolle. Zu Gunsten der Juden stellte man Anfang August 1879 in Berlin folgende Bedingungen: Anerkennung und Anwendung des Prinzips, insbesondere Gleichberechtigung der Juden, die unter den Fahnen gedient, in Rumänien das Gymnasium oder die Realschule durchgemacht oder akademische Grade erworben oder im Auslande Universitätsgrad erlangt oder dem Staate Schenkungen gemacht oder in Rumänien Wohlthätigkeits- und Erziehungsanstalten errichtet oder ein Werk in rumänischer Sprache veröffentlicht oder eine bedeutende Industrieanlage errichtet haben. Fürst Bismarck gab in einer Unterredung mit dem rumänischen Minister Sturdza am 29. Juli 1879 zu, daß der Berliner Kongreß Rumänien eine schwere Aufgabe gestellt habe; erfüllt müsse sie aber werden. Artikel 44 bilde einen integrierenden Bestandteil eines großen, internationalen Aktes, und für ein kleines Land sei es nicht gut, außerhalb des internationalen Rechtes zu bleiben: es hänge dann wie an einem Faden, an dem jeder nach Gutdünken ziehen könne. Besonders schlimm würde das für Rumänien sein, welches zwischen zwei mächtigen und gleich gefährlichen Nachbarn eingekeilt sei; Rumänien müsse sich also Freunde schaffen, und zwar uninteressierte und aufrichtige Freunde. Der Artikel 44 sei aus der Initiative Italiens und Frankreichs hervorgegangen, Deutschland habe sich dem nicht widersetzen können, weil es sich darin um allgemeine Prinzipien handle, die in allen civilisierten Staaten herrschten — in Rußland zwar befolge man sie nicht, aber es komme auch nicht darauf an, sie von der ganzen Welt anerkannt zu sehen, sondern nur darauf, daß Rumänien sich zu dem bekenne, was im Berliner Vertrag stehe, und zwar ohne Rückhalte und ohne Hintergedanken! Deutschland stelle keine großen Anforderungen, sondern verlange nur das, was Frankreich und Italien wollten; es

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