Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Diplomatie und Hochfinanz in der rumänischen Judenfrage.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 23)
- Language
- German
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91 irgend zu erlangen ist; dennoch wird es heiße Kämpfe kosten, ou on laissera des lambeaux! Noch nie hat das Land vor einem größeren Problem gestanden, eine ernstere Krisis durchgemacht, worin alles auf dem Schlachfelde Gewonnene wieder verloren gehen kann! Italien begnügt sich mit der Streichung des Artikels 7 der Konstitution, ebenso England mit der Naturalisation einiger Juden. Waddington aber verlangt eine radikale Lösung, und in Berlin besteht man auf — dem Rückkauf der Eisenbahn unter den Bedingungen der dortigen Bankiers! Wir erwarten daher selbst von einer befriedigenden Regelung der Judenfrage keine Aenderung unserer Stellung zu Deutschland: der deutsche Kanzler ist gegen uns, und alles Wohlwollen des Kaisers kann nichts daran ändern. Ich bin schon so weit gekommen, daß ich zufrieden bin, wenn ich England und Italien für meine Sache gewinne." Bismarck und die rumänische Judenfrage. Anfangs Juli 1879 ließ Graf Andrassy die rumänische Regierung wissen, daß Fürst Bismarck an der Ausführung keines anderen Artikels derart hängte, wie an der des Artikels 44, und daß er kein Vertrauen zu dem guten Willen der rumänischen Regierung hegte. Bismarck sei der Ansicht, daß Rumänien erst nach Lösung der Judenfrage in den Besitz seiner Unabhängigkeit tritt; so lange die Bedingungen des Berliner Kongresses nicht ausgeführt worden, sei es in seinen Augen ein abhängiger Staat, über den er mit der suzeränen Macht in Konstantinopel verhandeln würde! Fürst Bismarck habe zu verstehen gegeben, daß er in dieser Frage die Würde des Deutschen Reiches für engagiert ansehe und sein Projekt einer Konferenz aufrecht erhalten müsse, wenn andere Mittel nicht zum Zweck führen sollten. Graf Andrassy empfahl der rumänischen Regierung damals, ihren guten Willen durch Thaten zu beweisen und fügte hinzu, daß die österreichische Regierung genötigt sein könnte, ihren Gesandten abzuberufen, falls Lord Salisburys Vorschlag wirklich von allen Mächten angenommen und Oesterreich-Ungarn beauftragt würde, dem Artikel 44 in Rumänien Anerkennung zu verschaffen. Der rumänische Vertreter in Berlin legte dar, daß die Verzögerung der Durchführung aller Bestimmungen des Berliner Vertrages den Fürsten Bismarck gegen Rumänien aufgebracht habe, und daß er, falls nicht eine schnelle Lösung erfolgt, die Intervention des Auslandes herbeiführen werde. Aus Paris meldete zugleich der dortige Vertreter Rumäniens, daß die Kabinette Deutschlands, Englands, Italiens und Frankreichs übereingekommen sind, zur Durchführung des Berliner Vertrags bei der rumänischen Regierung gemeinsam dahin vorstellig zu werden, daß der Artikel 7 der rumänischen Verfassung durch den Artikel 44 des Berliner Vertrages ersetzt werde, obwohl dem französischen Minister dargelegt wurde, daß durch diese Einmischung in eine Frage der inneren Verwaltung die öffentliche Meinung Rumäniens sehr aufgeregt und statt des erstrebten Resultates gerade das entgegengesetzte erzielt werden würde. Am 6. Juli 1879 meldete der Vertreter Rumäniens in Berlin, daß, wie Bleichröder ihm mitgeteilt habe, die deutsche Regierung die Eisenbahnmit der Judenfrage in Zusammenhang bringt und sich nur dann mit der Ausführung der Bestimmungen des Berliner Vertrages in Rumänien zuftieden erklären will, wenn beide Fragen vollständig gelöst sein werden. Fürst Karl Anton riet zur Nachgiebigkeit. Unterm 9. Juli 1879 schrieb er seinem Sohn: „Bismarck wird, bei der unleugbaren Präponderanz Deutschlands .über alle Großmächte, England vielleicht ausgenommen, die rumänische Judenfrage