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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1901-01-01 · Diplomatie und Hochfinanz in der rumänischen Judenfrage. · p. Seite 90

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1901
Issue
Diplomatie und Hochfinanz in der rumänischen Judenfrage.
Date
1901-01-01
Page
Seite 90 (sequence 22)
Language
German
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90 Fürst Karl Anton meinte in einem Brief vom 26. April 1879 an seinen 'Söhn, daß es ihm leichter geworden sein mag, mit den.Türken fertig zu werden .als mit den Vorurteilen und Diktaten Europas. Aber die Judenfrage müsse trotz aller Antipathien der Bevölkerung und ungeachtet der großen Schädlichkeit der ganzen Maßregel um jeden Preis durchgesetzt werden. Sonst befürchtete er ernste Verwicklungen von unabsehbarer Tragweite, ja er zweifelte, ob sein Sohn länger mit Ehren an der Spitze eines Landes bleiben könnte, das sich selber einer Exekutions- Pression aussetze. Solche wäre mit seiner Würde niemals zu vereinen. Die Lösung öer Judenfrage würden die Mächte mit allen erdenklichen Maßregeln, am Ende mit -Gewalt durchsetzen. „In der Judenfrage", schrieb damals der Prinz von Bulgarien an den Fürsten Karl, „bedauere ich Dich von ganzem Herzen, welches Verhängnis für uns alle, daß die Großmächte sich zu Herren der Welt erklärt haben!" Er selbst konnte .leichter gleiches Recht für alle gelten lassen, weil die Juden in Bulgarien keine .Rolle spielen. Die Stimmung in Rumänien. „All unser Denken, Thun und Lassen", bertchtete Fürst Karl am 13. Juni 1879 -an seinen Vater, „all unsere Arbeit konzentriert sich auf diese schwierige Angelegenheit, die jeden mit Besorgnis erfüllt und deren Ausgang sich nicht berechnen läßt. In der Kammer tritt bereits ein passiver Widerstand zu tage, der schwer zu brechen ist; unter den Moldauern zeigt sich wachsende Erregung und so große Abneigung Hegen Konzessionen an die Juden, daß allein die größte Vorsicht imstande sein wird, ihre Vorurteile zu besiegen". Die Lage wurde immer bedenklicher. Die Kammern hatten die Judenfrage an Kommissionen überwiesen, doch war wenig Hoffnung auf rasche Lösung, da die .allgemeine Stimmung dahin ging, mit einseitiger Betonung des Nationalitätsprinzips allen Fremden möglichst wenig Rechte zuzugestehen. Fürst Karl verlangte, wie er in einem Brief an seinen Vater schrieb, daß die Regierung Stellung nehmen soll, „die Sache geht aber nicht vorwärts, wir verwickeln uns immer mehr, und es wird schließlich eine Lage geschaffen werden, aus der man nicht mehr herauskommen kannl Die Regierung sucht die Kammern dahin zu beeinflussen, daß einer gewissen Kategorie von Juden die Bürgerrechte zugesprochen würden, findet aber mit ihren Vorschlägen kein Gehör; auch die Drohungen Europas machen keinen Eindruck. Bratianu wird jedoch die Ministerfrage stellen, und sollte .auch das nicht wirken, so wäre erwiesen, daß auf konstitutionellem Wege die Durchführung des Artikels 44 des Berliner Vertrags nicht zu erlangen ist! Diese Möglichkeit erfüllt mich mit um so größerer Sorge, als die Mächte uns zur Auffindung einer anderen Lösung keine Zeit mehr lassen werden! In Berlin ist man für den Fall einer. nicht befriedigenden Lösung zur Intervention entschlossen, und zwar mittelst einer Kollektivnote, die uns vorschreiben wird, welche Rechte wir den Juden zu geben haben. Ein solcher Schritt würde natürlich die Aufregung im Lande uufs höchste steigern und den Widerstand nur noch vermehren; das aber könnte für 1>as Land eine große Gefahr werden, abgesehen von der Demütigung, die darin liegt. Man stellt sich nun die Frage, 'ob der Intervention auch die Exekution folgen, und worin dieselbe bestehen würde. Vorläufig liegt es aber an uns, das Land vor bitteren Enttäuschungen zu bewahren, und deshalb verlangte ich von meinen Ministern ein energisches Durchreisen! Sie werden auch ficherlich zu allen Mitteln greifen, durch die ein Erfolg

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