Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Diplomatie und Hochfinanz in der rumänischen Judenfrage.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 89 (sequence 21)
- Language
- German
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89 gelangen mögen. Das für die Mitglieder eines Kongresses bequemste Auskunftsmittel in solchen Fällen, die Ueberlassung der Detailabmachungen an Speziatkommissionen, ist zugleich das für die Beteiligten nachteiligste; denn wo giebt es dann noch eine Instanz, die den Finalspruch Lhun kann, falls es jener Kommission beliebt, die Erledigung hinauszuschieben?" Wiederholt bezeichnete Fürst Karl die Emanzipation der Juden als eine große soziale Revolution auf friedlichem Wege. Alle einflußreichen Männer, die er sprach, sahen unübersteigtiche Hindernisse und befürchteten Ausschreitungen. Der Metropolit von Jassy erklärte, die christliche Moldaw dürfe nicht den Juden ausgeliefert werden.. Der Fürst suchte vergeblich zu vermitteln. Die Mächte für die Juden. Anfang 1879 erklärte England, daß es den Berliner Vertrag nicht für erfüllt halten würde, falls Rumänien den Juden nur einzeln und individuell die Naturalisation gewähren sollte. Deutschland zeigte sich anfangs in dieser Frage am wenigsten nachgiebig. Aus dem Umwege über Wien ließ Bismarck zu Beginn des Jahres 1879 fragen, wann die Judenfrage geregelt werden solle? Graf Andrassy riet dazu, dann werde sich die Verstimmung Deutschlands legen. Waddington, der Vertreter Frankreichs, meinte, daß die Mächte erst dann die Unabhängigkeit Rumäniens anerkennen würden, wenn sie über die Bedingungen Gewißheit erhalten hätten, unter denen die Juden die bürgerlichen Rechte erlangen Könnten. Man empfand in Rumänien unangenehm, daß die Anerkennung der Unabhängigkeit Serbiens erfolgte, obgleich dort der Judenartikel noch nicht sanktioniert war. In Serbien ist freilich die jüdische Bevölkerung verhältnismäßig unerheblich und so legten die Inspiratoren dieser Politik aus Serbiens Verhalten weniger Gewicht. Mitte März 1879 klagte Fürst Karl dem deutschen Generalkonsul Bamberg in einem Briefe, daß dem Lande jetzt wieder schwere Kämpfe bevorstehen, die alle Leidenschaften entfesseln. „In Deutschland fing man bereits an, ungeduldig zu. werden über den Aufschub, weil man sich dort nicht Rechenschaft giebt, daß eine soziale und ökonomische Frage nicht mit einem Schwertstreich oder einem Federstriche gelöst werden kann. Die deutsche oder vielmehr preußische Presse, speziell die Kölnische Zeitung, ist uns sehr wenig gewogen; ich finde, daß man in meinem alten Heimatlande noch viele Vorurteile gegen Rumänien hat und uns jede Anerkennung für das' Geleistete versagt." In der Thronrede vom 3. Juni 1879 wurde hervorgehoben, daß Rumänien, immer ein tolerantes Land gewesen sei. Die Einschränkung der Verfassung hätte keine religiöse, sondern eine rein nationale und soziale Basis, insofern als durch ein schrankenloses Anwachsen der jüdischen Einwanderung die Landbevölkerung, besonders in der Moldau, auf das empfindlichste geschädigt worden wäre, in ökonomischer wie in sittlicher Beziehung. Am 7. Juni 1879 meldete der rumänische Vertreter in Berlin, daß die Großmächte, wenn sie die Lösung der Judenfrage, wie die rumänischen Kammern sie beschließen würden, nicht für genügend befinden sollten, ihre Botschafter in Berlin mit der Erledigung dieser Angelegenheit beauftragen würden. Am 28. Juni 1879 telegraphierte der rumänische Vertreter in Berlin, daß. die Westmächte eine Kollektivnote an die rumänische Regierung zu richten beabsichtigen. Die Lage sei äußerst ernst, und die größten Gefahren erwarteten das Land, wenn essich nicht den Forderungen des Berliner Vertrags unterwerfe!