Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Diplomatie und Hochfinanz in der rumänischen Judenfrage.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 87 (sequence 19)
- Language
- German
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87 'werden würde. In keinem Lande sei die Regierung so schwach wie in Rumänien, und durch fortwährende Mahnungen würde man die auf ihre Selbständigkeit sehr -eifersüchtigen Rumänen noch mehr gegen die Juden und schließlich sogar gegen ihren -deutschen Fürsten erbittern. Abgeordneter Laster sprach natürlich im Sinne Bambergers. Der Abgeordnete von Bunsen schloß sich der Auffassung Miguels an und wies nach, daß von 1866 bis 1872 keine Judenverfolgungen in Rumänien vor* gekommen waren. Schließlich wurde aber der Antrag Bambergers angenommen: „Der Reichstag wolle beschließen, unter Anerkennung der bisher vom Reichskanzler in Sachen der rumänischen Juden gethanen Schritte, den Reichskanzler aufzufordern, auch ferner wie bisher bestrebt zu sein, alles zu thun, was nach der Sachlage statthaft ist, um für die Zukunft der Wiederholung ähnlicher Vorkommnisse vorzubeugen." Zu dieser Zeit schlug England den Schutzmächten einen Kollektivschritt gegen Rumänien vor, um dadurch die rumänische Regierung zu zwingen, den Artikel 46 des Pariser Vertrages auszuführen und den Juden die politischen Rechte einzuräumen. Fürst Gortschakow antwortete jedoch ablehnend. Die Juden des Orients dürften nicht mit denen des Oecidents verglichen werden. Rußland vereinige sich zwar mit den anderen Mächten, um der rumänischen Regierung die nötigen Vorstellungen zu machen, habe aber nicht die Absicht, sich in die inneren Angelegenheiten eines -fremden Staates zu mischen. Gortschakow riet England, sich nicht an die anderen Mächte, sondern zuerst an die rumänische Regierung zu wenden. In einer -späteren Note wurden die Vertreter Rußlands im Auslande angewiesen, den rumänischen Standpunkt zu verteidigen. Dagegen sprach der deutsche Vertreter in Bukarest sein Bedauern darüber aus, daß England der Judenfrage so große Bedeutung beilege, und glaubte nicht, daß Fürst Bismarck sich den englischen Vorftellungen anschließen werde. „Ich habe nur die eine Befürchtung," schrieb am 29. Juni 1879 Fürst Karl seinem Vater, „daß die Juden bei den Garantiemächten so lange bohren und arbeiten werden, um für ihre hiesigen Genossen die politischen Rechte zu erlangen, bis man sich schließlich herbeiläßt, dieselben von uns zu erzwingen. Das würde den Sturz des gegenwärtigen und jedes anderen Ministeriums herbeiführen. Vor einigen Monaten erfreuten sich die Israeliten hier noch einiger Sympathien in gewissen Kreisen, seitdem sie aber ein solches Geschrei in Europa erhoben haben, und seitdem die jüdische Presse aller Staaten in einer so unwürdigen Weise über das Land herfällt und die Gleichstellung der Juden hier erzwingen will, haben dieselben vorläufig hier nichts zu hoffen." Ziemlich deutlich beklagte sich Fürst Karl über die Haltung der Finanz- und jüdischen Kreise in Oesterreich-Ungarn, die ihre Mißgunst durch den fortdauernden Federkrieg gegen das Land zeigten. „Die österreichischen und ungarischen Zeitungen laufen einander darin den Rang ab. Was zu lange währt, wird schließlich langweilig; somit ist zu hoffen, daß die Welt dieses gedruckten Lügengewebes schließlich überdrüssig werden wird. Alledem mag aber auch viel Börsenspekulation zu Grunde liegen; die jüdische haute finance hat erklärt, mit dem judenfrefferischen Rumänien keine Geschäfte mehr eingehen zu wollen und, wo das Land ein solches machen will, es zu knntrekarrieren. Unterdessen haben wir mit einem großen ungarisch-jüdischen Hause das Tabaksmonopol abgeschlossen und das nie gehoffte Angebot von acht Millionen jährlich, ein für beide Teile glänzendes Geschäft, erreicht." Anfang November 1872 trat in Brüssel eine Judenkonferenz zusammen, um für die Glaubensgenossen in Rumänien die politischen Rechte zu fordern. Anfang 1873 wünschte Fürst Karl sein Land von den unwürdigen Banden zu befreien, die es an die Türkei fesseln, und zwar hoffte er die Erregung, die ein solcher Schritt