Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Diplomatie und Hochfinanz in der rumänischen Judenfrage.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 17)
- Language
- German
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85 me tangere, denn die Juden besitzen Geld und die ganze Presse; es freut mich, daß Rumänien jetzt einlenkt. Judenzustände, wie sie an der unteren Donau Vorkommen, sind ein schlimmer Ausschlag am Staatskörper; allein so wenig man einen Ausschlag plötzlich vertreiben kann, ebensowenig läßt sich die Judenfrage mit einem Schlage lösen." Auch Kronprinz Friedrich Wilhelm erkannte damals die jüdische Agitation und schrieb dem Fürsten Karl am 15. April 1868 aus Berlin: „Ich habe mich in den letzten Tagen genügend über die Judengeschichten geärgert, denen man wohl anmerkt, daß tückische Mißgunst dabei einheizt." Und Ende Mai 1868, als wieder einmal falsche Gerüchte über Ausschreitungen gegen die Juden in Bacau verbreitet waren, schrieb Fürst Karl Anton seinem Sohn: „Die Judenfrage ist in ein Stadium getreten, welches die gespannteste Aufmerksamkeit des gesamten Europas erregt hat. Sie ist eine höchst unglückliche Episode in der sonst ruhigen Weiterentwickelung der inneren rumänischen Zustände, zugleich aber eine große dynastische Gefahr. Ich habe schon früher auseinandergesetzt, daß alle jüdischen Angelegenheiten ein Noli me tangere seien. Diese Thatsache ist eine Krankheitserscheinung Europas, aber als Thatsache muß sie acceptiert werden; an ihr ist nichts zu ändern, weil die gesamte europäische Presse von der jüdischen Finanzmacht beherrscht wird. Mit einem Worte, das Geldjudentum ist eine Großmacht, deren Gunst von den vorteilhaftesten Wirkungen sein kann, deren Mißgunst aber gefährlich ist! — Von allen Seiten, von allen Ecken und Enden der Erde ertönte unisono ein Schrei des Entsetzens über die Begebenheit von Bacau, und nichts war im stände, selbst nicht die offiziellen Dementis, den Eindruck zu mildern oder zu schwächen, den diese Ereignisse hervorgerufen haben. — Mir scheint, daß Bratianu nicht genug Energie gezeigt hat in dieser Frage und zuviel auf eine Karte setzt! — Alle Regierungen haben, auf die Berichte ihrer Konsuln gestützt, diesem Ministerium ihr Vertrauen entzogen." Damals hatte Fürst Karl Anton in bester Absicht einen Brief an Berthold Auerbach geschrieben, damit dieser seinen Einfluß aufbiete, um die Sprache der „Neuen Freien Presse" in Wien gegen Rumänien, die an Heftigkeit alles überstieg, zu mäßigen. Berthold Auerbach aber hatte, wie Fürst Karl Anton später ärgerlich äußerte, die unerhörte Eitelkeit und den unüberlegten Leichtsinn, seinen Brief, wie er war, an die Redaktion der „Neuen Freien Presse" zu schicken, die sich beeilte, ihn zu veröffentlichen, um der Welt zu zeigen, wie hoch der Einfluß der jüdischen Presse und der jüdischen Schriftsteller selbst von fürstlicher Seite eingeschätzt wird. Dem Fürsten Karl Anton war diese Veröffentlichung sehr fatal, er hatte sie nicht beabsichtigt, sonst würde er den Brief ganz anders geschrieben haben. In jüdischen Kreisen nahm man damals an, daß Fürst Karl Anton ein Freund der Juden sei, und er erhielt massenhafte Zuschriften mit der Bitte, seinen Einfluß zu Gunsten der Juden geltend zu machen, namentlich von der Alliance Israelite Universelle und Cremieux. Um diese Zeit waren die Mächte durch ihre Konsuln für die rumänischen Juden eingetreten auf Grund von Artikel 46 des Pariser Vertrages, der allen Klassen des Landes ohne Unterschied der Rasse und des Glaubens gleiche Behandlung zusichert. Auch Oesterreich, Frankreich, Preußen und Rußland verlangten Genugthuung und Entschädigung für die Ausgewiesenen. Anfang Mai erfuhr Fürst Karl in Buseu. daß die sogenannte Judenverfolgung von Bacau für ganz Europa zur eanse celebre geworden war und sogar das Zustandekommen des Eisenbahnprojektes gefährdete! „Die ewigen Judenhetzen bei Dir", schrieb der Kronprinz Friedrich Wilhelm am 28. Mai 1870 an den Fürsten Karl, „sind eine wahre Kalamität; ich weiß