Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Diplomatie und Hochfinanz in der rumänischen Judenfrage.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 15)
- Language
- German
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83 Cremieux in Audienz zu empfangen. Man erörterte umständlich die Judenangelegenheiten in Rumänien. Als die Pariser Juden dem rumänischen Volk Unduldsamkeit vorwarfen, nahm Fürst Karl sein Volk lebhaft in Schutz. Auch sonst war die Alliance Israelite Universelle fortgesetzt thätig. In ihrem Aufträge erschienen Ende 1869 in Bukarest zwei Juden, um Land und Leute kennen zu lernen. Vom Ministerium erhielten sie zu diesem Zweck Empfehlungen an die Präfekten. Darüber wurde am 28. Dezember 1869 in der Kammer verhandelt. Der Abgeordnete Codresku wies nach, wie unverhältnismäßig die Zahl der Israeliten in der Moldau sich vermehrt habe, während die rumänische Bevölkerung da, wo sie in Berührung mit den Juden sei, geradezu einen Rückgang erfahren habe. Er warf dem Minister vor, daß. dieser den Israeliten zwar nicht die Erlaubnis zur Niederlassung in den Dörfern, Wohl aber zur Pachtung der Staatsdomänen gebe. Cogalniceanu suchte sich mit großer Beredsamkeit von dem Verdachte zu reinigen, daß er die Juden auf Kosten der Rumänen begünstige oder der Alliance israelite zu großes Entgegenkommen zeige, gab aber zu, daß er nicht die Mittel besitze, um den starken Zuzug der Israeliten aus Russisch-Polen und Galizien zu verhindern. Darauf griff ein Mitglied der Opposition ihn von neuem an, weil er keine Vorkehrungen gegen diese Invasion treffe- Wenn nicht die rumänische Nationalität bald vollends zu Grunde gehen solle durch die Juden, müsse man schleunigst den Antrag der judenfeindlichen Fraktion aus dem Jahre 1868 hervorholen und Gesetz werden lassen. Cogalniceanu antwortete, daß er ja vorgeschlagen habe, die Juden an den Donaumündungen anzusiedeln, dieser Gedanke aber habe keinen Anklang gefunden, so möge die Kammer selbst nun einen positiven Vorschlag machen! Damit wurde zur Tagesordnung übergegangen. Diese Kammerverhandlungen wurden von der Pariser Presse darart mitgeteilt, daß sie in Paris einen ungünstigen Eindruck Hervorrufen mußten. Cremieux suchte nach Handhaben zu Repressalien und wollte im gesetzgebenden Körper gegen, die geplante Aufhebung der Konsulargerichtsbarkeit in Rumänien protestieren, weit Frankreich kein Vertrauen zu der rumänischen Justiz haben könne. Dagegen scheint der Vertreter Rumäniens in Paris mit Erfolg bemüht gewesen zu sein, die maßgebenden Politiker Frankreichs von den freisinnigen Anschauungen der Mehrheit des rumänischen Volkes zu überzeugen. Cremieux hatte indessen Fühlung mit den Genossen in Wien gesucht und es dahin gebracht, daß Graf Andrassh dem Wunsche Rumäniens nach Aufhebung der Konsulargerichtsbarkeit wirklich widerstrebte, einmal aus Mangel an Vertrauen wegen des rumänischen Richterstandes und sodann wegen der Judenfrage. Als der französische Minister Cremieux Anfang Februar 1880 starb, schrieb Fürst Karl seinem Vater: „Hier bedauert man den Tod Cremieux nicht; er ist in der richtigen Stunde gestorben, um unserer Anerkennung durch Frankreich keine Schwierigkeiten in den Weg zu legen." Moses Montefiori geht nach Rumänien. Um diese Zeit wandten sich die englischen Juden unmittelbar an den Fürsten Karl. Am 25. August 1867 traf Moses Montefiori (Blumberg) aus England in Bukarest ein und wurde durch den englischen Generalkonsul dem Fürsten vorgestellt.. Montefiori war gekommen, um sich von der Lage der Juden in Rumänien zu unterrichten. Wie er dem Fürsten gegenüber einräumte, hatten nach seinen Ermittelungen keine Judenverfolgungen in Rumänien stattgesunden. Fürst Karl gab ihm die Versicherung, daß er religiöse Verfolgungen niemals dulden werde und entwarf dann eine Schilderung der Moldauer Juden. Darnach verzichtete Montefiori aus eine- 6*