Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Diplomatie und Hochfinanz in der rumänischen Judenfrage.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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82 Honen Franken zu billigen Zinsen als Gegenleistung an, wenn die Regierung in den neuen Verfassung den Juden die politische Gleichstellung einräumte. Cremieux und die Juden glaubten offenbar, mit dem Fürsten Karl und seiner Regierung ähnliche- Geschäfte machen zu können wie vordem mit dem Fürsten Cusa und seinen Geschöpfen — auf dem Wege der Bestechung in feiner und grober Form, je nach dem Charakter der zu Bestechenden. Später steckte sich Cremieux trotz seiner republikanischen Gesinnung hinter die- Regierung Napoleons III. und ließ durch einen Abgesandten dem Fürsten Karl be-- richten, daß Napoleon III. über Bratianus Maßregeln gegen die Moldauer Juden sehr aufgebracht sei. Auch Frankreich, England und Oesterreich erhoben Bedenken gegen die gedachte Maßregelung der Juden, obwohl sie hauptsächlich nur gegen solche Juden gerichtet war, die in den Dörfern unberechtigte Schänken betrieben^ Napoleon III. that noch ein übriges und versicherte dem Fürsten Karl in einer Depesche vom 26. Mai 1867, daß die öffentliche Meinung in Paris sehr erregt sei über die Verfolgungen der Juden in der Moldau. Er könne nicht glauben, fügte- Napoleon hinzu, daß die aufgeklärte Regierung des Fürsten Maßregeln gestatte, die der Menschlichkeit und Zivilisation so zuwiderliefen. Fürst Karl versprach, die Sache untersuchen zu lassen, falls untergeordnete Beamte bei Ausführung der richtigen Maßregeln ihre Dienstanweisungen überschritten Huben sollten. Gleichzeitig ließ- Bratianu alle Gesetze veröffentlichen, die seit dem Jahre 1804 in der Moldau gegen die Juden erlassen worden waren. Das Pachten von Gütern, Schänken und Krügen war ihnen stets untersagt gewesen. Bratianu hatte nur die seit 1804 bestehenden, 1830,, 1831 und so fort, zuletzt 1866 erneuerten Bestimmungen wiederum in Erinnerung gebracht. Trotz alledem wurde die rumänische Regierung von der europäischen Presseverdammt und das rumänische Volk verschrieen, als stünde es im Banne eines mittelalterlichen Fanatismus, während es doch tatsächlich nur zu tolerant war. Von Paris aus leitete Cremieux die Agitation und suchte durch die Presse ganz Europa? gegen Rumänien einzunehmen. Mit Napoleon hatte er wiederholt Unterredungen über die Judenfrage und in der „Patrie" ließ er versichern, daß Napoleon III. sich aufs schärfste gegen das rumänische Ministerium ausgesprochen habe. Anderwärtswußte man damals noch nichts vom Antisemitismus. Rumänien stand allein und die gesamte europäische Presse schleuderte unter dem Einfluß des Judentums und- Liberalismus ihren Bannstrahl gegen Rumänien. Unermüdlich war vor allem- Cremieux in seinen Angriffen gegen Rumänien und in seiner Verteidigung der dortigen Juden. Von den Juden in Jassy ließ er sich Beschwerden zusenden und . veröffentlichte sie mit neuen Verdächtigungen. Mitte Juni 1867 behauptete er im „Sieele", der Rumänien verteidigt hatte, daß die Juden schon seit der Verfolgung: unter Titus, im ersten Jahrhundert nach Christo, in Rumänien ansässig gewesen seien, während sie thatsächlich zumeist erst in den letzten Jahrzehnten eingewandert waren. Cremieux suchte auch andere Diplomaten für die rumänischen Juden zu interessieren. Nach einer Mitteilung des Londoner „Standard* vom 16. April 1898 wurde der deutsche Vertreter in Paris am 2. April 1868 von Bismarck angewiesen, dem Präsidenten der Alliance israölite, M. Cremieux, zu erklären, daß der preußische Generalkonsul in Bukarest beim Fürsten Karl gegen die scharfen Maßnahmen vorstellig werden würde, mit welchen die rumänischen Kammern der allerdings namentlich in der Moldau sehr fühlbaren Judenplage Herr zu werden hofften. Anfang Oktober 1869 hielt sich Fürst Karl in Paris auf und sah sich veranlaßt, einen Ausschuß der Alliance Israelite Universelle unter Führung von