Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Diplomatie und Hochfinanz in der rumänischen Judenfrage.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 81 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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81 vor, in die Verfassung folgende Bestimmung aufzunehmen: „Die Konfession ist kein Hindernis zur Naturalisation in Rumänien." Ein Sondergesetz sollte dann die stufenweise Zulassung der in Rumänien bereits ansässigen Juden zur Naturalisation regeln. Diese Vorschläge erregten aber in der Kammer wie bei der Bevölkerung heftigen Widerstand und mutzten schließlich zurückgezogen werden. Während der Verhandlungen darüber am 30. Juni 1866 wurde von der erregten Volksmenge die neue Synagoge in Bukarest zerstört, für deren Wiederaufbau Fürst Karl aus seiner Privatschatulle 6000 Dukaten spendete. Damals ermahnte der Ministerrat die Bevölkerung, sich nicht zu Judenhetzen hinreißen zu lassen. In der ausländischen Presse wurden diese Vorgänge von jüdischen Berichterstattern arg entstellt. Nach ihren Berichten sollten die Vorschläge der Regierung unter dem Druck eines bezahlten Pöbelhaufens zurückgezogen worden sein und der damalige Ministerpräsident I. Bratianu gegen die Juden gesprochen haben. Wie das Königswerk feststem, wurde der erwähnte Artikel auf Verlangen der Juden selbst zurückgezogen, die schon vor jener stürmischen Kammerfltzung, als sie die allgemeine Aufregung im Volke bemerkt hatten, den Vertretern - der Regierung erklärten, daß sie aus eine Erweiterung ihrer Rechte verzichteten,' wenn sie auf Kosten der öffentlichen Ruhe und Sicherheit erkauft werden müßte. Am 3. Juli 1866 formulierte die Kammer den Artikel 7 der Verfassung folgendermaßen: „Nur Christen können rumänische Staatsbürger werden." Sonach sollte es den rumänischen Juden unmöglich gemacht werden, in den Besitz politischer Rechte zu gelangen. Die rumänische Regierung befand sich damals in großer Finanznot. Sie verhandelte über die Aufnahme einer Anleihe selbst unter den härtesten Bedingungen, aber ohne Ergebnis, wie die Denkwürdigkeiten des Königs durchblicken lassen, wegen ber beschlossenen Verfassungsbestimmungen gegen die Juden. Im April 1867 entschloß sich die rumänische Regierung, die fortdauernde Zuwanderung der Juden einzuschränken. I. Bratianu erließ als Minister des Innern am 14. April 1867 ein Rundschreiben und ordnete darin ein scharfes Vorgehen gegen -aste Vagabunden an. Seit Abschaffung der früher üblichen Wegescheine werde Rumänien von allen seinen Grenzen her mit Fremden überschwemmt, die ohne Hilfsmittel seien. In diesen Zeiten der Not, wo die Regierung kaum den Hunger der Einheimischen stillen könne, müsse man gegen diese Plage der Einwanderung durch strenge Mittel Vorgehen. Zur Ausführung dieses Befehls habe der Kriegsrninister seine Mitwirkung zugesagt. Obwohl in diesem Rundschreiben der Ausdruck „Israeliten" gar nicht vorkam, beeilten sich' die europäischen Zeitungen, die öffentliche Meinung Europas darüber M erregen, weil unter jenen Vagabunden und Fremden in erster Reihe Juden verftanden worden seien. Die Alliance Israelite Universelle mobilisiert gegen Rumänien. Fürst Karl war erst knapp zwei Wochen in Bukarest und hatte sich noch nicht einmal häuslich eingerichtet, als schon am 14. Juni 1866 Cremieux aus Paris erschien, der Begründer der Alliance Israelite Universelle, und bis zum Fürsten drang. Er wollte die politische Gleichstellung der Juden in Rumänien betreiben. Was that er zuerst? Er bot, wie das Werk „Aus dem Leben König Karls von Rumänien" (I. 71) berichtet, der rumänischen Regierung ein Darlehen von 25 Mil- 6