Mannheim
Compact Memory

Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1901-01-01 · Diplomatie und Hochfinanz in der rumänischen Judenfrage. · p. Seite 80

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1901
Issue
Diplomatie und Hochfinanz in der rumänischen Judenfrage.
Date
1901-01-01
Page
Seite 80 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9038025-9038028-423320--342-185313
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

80 in die Wagschale fallenden Matze berührt würden. Nachdrücklich trat ste endlich der Behauptung jüdischer Organe entgegen, als ob die finanziellen Verhältnisse Rumäniens gänzlich zerrüttet seien. Der rumänische Stüat besitze ausgedehnte Wälder, Petroleumgebiete und Salzgruben, so daß er im Falle der höchsten Not daraus noch immer sämtliche Forderungen seiner Gläubiger befriedigen könne. Inzwischen find die damaligen Andeutungen der „National-Zeitung" über den Reichtum Rumäniens, insbesondere über seine freien Unterpfänder, zu neuen Transaktionen ausgestaltet worden. Von der Diskonto-Gesellschaft, Bleichröder und Genossen erhielt die rumänische Regierung im September 1900 einen Vorschuß von 15 Millionen Franken und verpfändete dagegen die Einnahmen aus dem Zigarettenpapiermonopol. Mit dieser Berliner Finanzgruppe sollen noch andere Geschäfte abgeschlossen, u. A. durch ihre Vermittelung die Petroleumländereien des rumänischen Staates in Ausdehnung von etwa 30000 Hektar verpfändet oder verpachtet werden. Obwohl die Gefahren des internationalen Petroleummonopols der Standard Oil Co. allerorts gewürdigt werden und immer bedenklicher hervortreten, so hat doch jene Berliner Bankgruppe sich nicht gescheut, als Strohmann der Standard Oil Co. mit der rumänischen Regierung zu verhandeln, und sich bereit erklärt, das Petroleumanleihegeschäft zwischen der rumänischen Regierung und der Standard Oil Co. gegen entsprechende Beteiligung zu vermitteln und dadurch das nordamerikanische Monopol zu stärken. Und diese Berliner Bankgruppe, die, gelinde gesagt, so kurzsichtig und so undeutsch handelt, lediglich weil sie dabei eine stattliche Provision einzuheimsen hofft, galt lange Zeit, gilt vielleicht noch immer als die erste Bankgruppe Berlins und Deutschlands. Das ist fürwahr beschämend! Wenn es sich um die Wahrnehmung großer Interessen gewisser Gruppen der Hochfinanz handelt, dann werden die jüdischen Blätter genötigt, wie die „National- Zeitung" zeigt, selbst antisemitische 'Staaten gegen jüdische Angriffe in Schutz zu nehmen. In solchen Fällen, die allerdings nur ausnahmsweise Vorkommen, müssen die Interessen des Judentums hinter die Sonderinteressen -seiner Affiliierten zurücktreten. Die „Allgemeine Zeitung des Judentums" hatte am 11. Mai 1900 geschrieben: „Jetzt, wie niemals, liegt es in den Händen der großen Finanzhäuser, sich die Frage zu stellen, ob sie nicht ein Verbrechen gegen die Humanität verüben, den Antisemitenstaat Rumänien von der drohenden wirtschaftlichen Vasallität zu retten, nachdem sie auf schuldbarste- Weise Rumänien im Jahre 1s78 aus seiner politischen Vasallität zu befreien beitrugen." Dieser Appell war vergeblich. Als Ende Juli 1900 Peter Carp rumänischer Ministerpräsident wurde, riefen die jüdischen Blätter von Pest, Wien und Berlin den „aufgeklärten" und „ehrlichen" Carp an, er möge im Interesse des finanziellen, moralischen und kulturellen Kredits Rumänien von der „asiatischen Barbarei" befreien und die Juden emanzipieren. Carp war allerdings wiederholt zu Gunsten der Juden eingetreten und er hat auch den Juden alsbald verschiedene Zugeständnisse gemacht, allein daran konnte auch' er nicht denken, den Juden in Rumänien volle Gleichberechtigung zu gewähren. Der rumänische Judeuartikel.*) Nach der Thronbesteigung des Fürsten Karl zeigte sich die rumänische Regierung anfangs geneigt, den jüdischen Wünschen Rechnung zu tragen, und schlug *) Alle Angaben und Anführungen der folgenden Abschnitte, mit Ausnahme des letzten sind wörtlich oder auszugsweise dem bereits erwähnten Königswerk „Aus dem Leven König Karls von Rumänien" (Stuttgart 1900, vier Bände bei I. G. Cotta) entnommen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.