Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Diplomatie und Hochfinanz in der rumänischen Judenfrage.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 79 (sequence 11)
- Language
- German
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79 Sie bringen die Heimatlosen Zur nächsten Leidensstation. Die Anker werden gelichtet, Die Fahrt ins Elend geht — Und Carmen Sylva dichtet Ein Lied an die Humanität! * * * O Königin, dichte, dichte Nur weiter in diesem Sinn, Du kommst in die Weltgeschichte Als Märchendichterin. Die Haltung der Hochfinanz. Schon seit Jahren waren jüdische Organe, wie das „Berliner Tageblatt"/ bemüht, die Finanzlage wie überhaupt alle Verhältnisse Rumäniens in ein möglichst ungünstiges Licht zu rücken. Als die Grundursache aller Uebelstände bezeichneten sie' ganz offenherzig die Thatsache, daß den Juden in Rumänien noch immer nicht dievolle staatsbürgerliche Gleichberechtigung eingeräumt worden sei. Auch die „Frankfurter Zeitung" behauptete wiederholt, unter anderem am 3. Juli 1900, daß das Vertrauen des Auslandes in die rumänischen Finanzen durch die Behandlung der Juden schwer geschädigt werde. In der That hatte sich die Finanzlage Rumäniens verschlechtert, aber selbstverständlich nicht aus dem angeführten Grunde, sondern hauptsächlich infolge der' Mißernte des Jahres 1899 und weil der Staat in seinen Häfen, für die Hebung, seiner Donau- und Seeschiffahrt und für sonstige Verkehrszwecke allzu kostspielige Aufgaben übernommen hatte. Als die Auswanderung rumänischer Juden im Sommer 1900 zunahm, erschienen in dem „Berliner Tageblatt" und anderen jüdischen Organen weitere Nach-- richten über die trostlose Lage der Finanzen sowie der gesamten wirtschaftlichen- Verhältnisse Rumäniens, insbesondere wurde die jüdische Auswanderung als einschwerer Verlust für das Land bezeichnet. Diese Ausführungen gingen der beteiligten Berliner Hochfinanz, zunächst der Diskontogesellschaft und der Firma Bleichröder, Wider den Strich. Wenn etwa inder Folge eine pessimistische Auffassung der Finanzlage Rumäniens in Deutschland aufkam, dann mußten die genannten Bankhäuser einen empfindlichen Kursrückgangs der rumänischen Papiere und eine unberechenbare Schädigung ihrer Interessen befürchten. Ohnehin hatten beide Banken zu ihrem großen Besitz im Laufe des Jahres- 1900 beträchtliche Mengen rumänischer Papiere übernehmen müssen, um den weichendem Kurs zu halten. Unter diesen Umständen wurde die „National-Zeitung", ein bevorzugtes Organ der Berliner Hochfinanz, beauftragt, der jüdischen Darstellung von der Finanzlage des Königreichs entgegenzutreten, und sie zeigte sich in der That so dienstergeben, daß sie ihre semitische Seele verleugnete und in Antisemitismus machte. Im August 1900 versicherte sie, die sonst so judenfreundliche, daß die Massenauswande-- rungen der Juden aus Rumänien nicht auf Vergewaltigungen und Mißhandlungen^ zurückzuführen wären. Außerdem erklärte die „National-Zeitung" gegenüber den. Behauptungen jüdischer Blätter, daß durch die Judenauswanderungen die finanzielle Lage Rumäniens nicht getrübt und die Staatsfinanzen nicht in einem irgendwie-