Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Diplomatie und Hochfinanz in der rumänischen Judenfrage.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 78 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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78 Jüdische Entstellungen. Von den jüdischen Blättern wurde Mitte 1900 die rumänische Regierung beschuldigt, einmal die Juden durch schlechte Behandlung zur Auswanderung zu drängen und sodann wieder den Juden die Auswanderung möglichst zu erschweren» In solchen Widersprüchen bewegten sich die Berichte der jüdischen Organe. In Wirklichkeit hat die rumänische Regierung in die jüdische Auswanderungsbewegung nicht eingegriffen. Erst auf jüdische Anregung hin beschloß ste, armen israelitischen Auswanderern freie Bahnfahrt bis zur Landesgrenze oder unentgeltliche Beförderung, auf den staatlichen Handelsschiffen bis Rotterdam zu gewähren. Noch Ende Juli 1900 versicherte die „Frankfurter Zeitung", daß die rumänischen Juden lediglich, weil sie Juden seien, in ihrem Vaterlande boykottiert und» gezwungen würden, zum Wanderstabe zu greifen. Das Blatt appellierte an die Diplomaten, endlich Wandel darin zu schaffen und den „schmachvollen Zustand" zu beseitigen, daß die rumänische Regierung tausende ihrer jüdischen Unterthanen zur Auswanderung zwingt, als heimatlos und vogelfrei erklärt und sie über die Grenze jagt. Kurz zuvor hatte dasselbe Blatt behauptet, daß die rumänischen Behörden der jüdischen Auswanderung soviel als möglich Hindernissein den Weg zu legen versucht haben. Man ersieht aus solchen Widersprüchen, was man von der jüdischen Berichterstattung zu halten hat. . Auch das „Berliner Tageblatt" appellierte Mitte August an die Mächte und behauptete, daß die in einer „raffiniert boshaften Weise entrechteten" rumänischen Juden durch die rumänische Gesetzgebung zur Verzweiflung getrieben und zur Massenauswanderung genötigt wurden. „Die unerhörte Unbill, welche die rumänischen Juden durch die.Regierung Carols erleiden, ist zugleich ein Schimpf, der den Garantiemächten Rumäniens angethan wird." Auf dem Londoner Zionistenkongreß hatte am 13. August 1900 der ungarische Jude Max Nordau (Südfeld) die Kühnheit, von „Judenausweisungen aus Rumänien"' zu sprechen, obwohl nicht eine einzige Ausweisung vorgekommen war, und zu behaupten, seit 400 Jahren, d. h. seit der Zeit der spanischen Inquisition hätte die Welt solche Massenauswanderung nicht gesehen! Rumänien verletze den Berliner Vertrag und keine Macht, so klagte der zionistische Agitator, habe es der Mühe wert gehalten, dagegen zu protestieren. Dasselbe Schicksal wie die rumänischen hätten, auch die dreiviertel Millionen galizischer und die' fünf Millionen russischer Juden zu. befürchten. Ein jüdischer Reporter in Wien, Namens Julius Bauer, hatte die Keckheit, Anfang Juli in der „Neuen Freien Presse" aus Anlaß der Judenauswanderungen ein, Schmähgedicht gegen die Königin von Rumänien zu veröffentlichen. Nachstehend^ daraus eine Probe: Es lallen zitternde Greise, Gebrochen an Leib und Seel', Die alte hebräische Weise, Das „Höre, o Israel!" Mitunter kommt so ein Jüdchen Durch Kolbenstöße zu Fall — Die Königin dichtet ein Liedchen Vom Schlag der Nachtigall! Die Wächter sich erbosen, Sind ungeduldig schon,